„Guten Tag, ich möchte eine Billion Dollar eintauschen…"
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 15. April 2009, 12:00 Uhr
ENL5454
*** Lassen wir den heutigen Tag mal locker angehen...
...letztens hatte ich etwas von „wie Schuppen von den Augen gefallen" geschrieben. Dazu eine Zuschrift von Trader´s Daily-Leser Herbert H.:
„Nicht alles auf der Welt dreht sich um das Bankkonto und das Depot - eigentlich sogar erstaunlich wenig wenn man mal Krankheit oder Tod miterlebt hat - soviel kann ich bereits als 35 Jähriger `Jungspund´ sagen. Vielleicht kann ich ihnen jetzt auch einmal weiterhelfen: Schuppen von den Augen? Die Redensart ist biblischen Ursprungs. Als der blinde Saulus durch Ananias im Auftrag Gottes geheilt wird und sich bekehrt, heisst es in der Apostelgeschichte (9, 18): `Und alsbald fiel es von seinen Augen wie Schuppen, und er ward wieder sehend.´ Man kann das mit den Schuppen also durchaus wörtlich nehmen."
Wieder was gelernt!
*** Dann schrieb mir Trader´s Daily-Leser Mike H.:
"Wenn die Chinesen über eine Billion an Dollar-Devisenreserven (haben) und sich damit unwohl fühlen, dann könnten sie doch diese Dollar in Euro oder Norwegische Kronen etc. umtauschen und wären dann wieder glücklich. Oder?"
Meine Antwort:
Ja, wenn es so einfach wäre.
„Die Chinesen" können eben nicht mit ein paar Koffern Geld zu einer Bank gehen, und sagen: „Guten Tag, wir möchten diese Dollar bitte in Euro und norwegische Kronen tauschen."
Es geht hier um so gewaltige Beträge - da würde alleine schon die Ankündigung eines solchen Verkaufs den Dollar einbrechen lassen.
Mehr als eine Billion Dollar, das entspricht schon mehr als dem Doppelten des gesamten norwegischen Bruttoinlandsproduktes (das liegt in etwa bei 460 Mrd. Dollar).
Da könnten Sie noch das Bruttoinlandsprodukt von Griechenland (etwa 325 Mrd. Dollar) „draufpacken" - und, wissen Sie was, nehmen wir auch noch die Slowakei hinzu (ca. 75 Mrd. Dollar).
Da sind wir immer noch nicht bei einer Billion Dollar.
Mit anderen Worten: Solche riesigen Beträge können eben nicht einfach getauscht werden.
Und genau deshalb fühlen sich „die Chinesen" mit ihren riesigen Dollar-Reserven ja auch zunehmend unwohl. Was meinen Sie wohl, warum der Vorsitzende der chinesischen Zentralbank letztens laut darüber nachgedacht hat, dass er eine andere Welt-Leitwährung als den Dollar möchte?
Eben.
Mit herzlichem Gruß,
Ihr
Michael Vaupel