Gute Tipps fürs neue (und alte) Jahr
Bill Bonner in Investors Daily
vom 12. Januar 2006 18:00 Uhr
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Anmerkung in eigener Sache: Da Herr Steffens derzeit keine Texte schreibt, direkt zum Beitrag von Bill Bonner.
Ich gebe Ihnen in diesem Jahr den gleichen Rat, wie im Jahr zuvor ... und in dem Jahr davor ...
"Kaufen Sie Gold"
Glücklicherweise war Gold in diesem Jahr der beste Performanzbereich, wofür ich keine Auszeichnung erwarte, noch um Dank bitte. Das ist meine einzige Tugend: Bescheidenheit. Aber auch dabei bin ich nicht ganz aufrichtig. Doch sogar falsche Bescheidenheit ist ein großer Vorteil, wenn man die Geschäfte vorhersagen will ... das, und nicht das Fernsehen.
Niemand weiß, was passieren wird. Das Schlimmste was man tun kann ist, anderen Konjunkturbeobachtern zuzuhören. Das neue Jahr bringt sie genauso ans Licht, wie der Vollmond die Werwölfe. Alle heulen unisono: Das nächste Jahr wird mehr oder weniger genauso wie das letzte. Wie können sie das wissen? Sie lesen es in den Zeitungen.
Wenn man den weit verbreiteten Ansichten folgt, dann ist man zur Mittelmäßigkeit verdammt. Sie werden die gleichen Investitionen machen, wie alle anderen auch und die gleichen Ergebnisse erzielen. Das ist nicht nur eine lahme und feige Möglichkeit, Dinge zu erledigen, es garantiert auch praktisch, dass man irgendwann unter dem Kopfkissen nach Münzen suchen wird und seinen Schwager um einen Kredit bitten muss.
Im Laufe der Zeit verlieren viele Investoren Geld. Jedem Bullenmarkt folgt ein Bärenmarkt. Jede Blase platzt irgendwann. Jedes große Unternehmen scheitert an einem bestimmten Punkt. G.M. hat im vergangenen Jahr die Hälfte seines Wertes eingebüßt. Fannie Mae fiel um 31 %. Der typische Anleger folgt normalerweise auf den Fuß, er folgt den Trends nach oben und wieder nach unten. Und in der ganzen Zeit bezahlt er die Gebühren der Wall Street. Es gibt lange Phasen, in denen er sich für klug hält. Der letzte Bullenmarkt begann bei Aktien 1982. Er dauerte 18 Jahre. Alles was ein Anleger tun musste war, der allgemeinen Haltung zu folgen und Aktien auf lange Zeit zu halten. Selbst heute, fünf Jahre nachdem der Gipfel überschritten wurde, denkt er noch, er könnte reich werden, wenn er nur lange genug wartet. Aber der typische Bärenmarkt dauert in etwa so lange wie der vorangegangene Bullenmarkt. Und immer vernichtet er den größten Teil oder sogar den gesamten Gewinn. Wenn er schließlich vorüber ist – vielleicht 2015 – wird der Dow wieder bei unter 5.000 Punkten liegen und dem durchschnittlichen Anleger wird das Wasser bis zum Hals stehen, weil er gekauft hat, als die Zeitungen, die Konjunkturbeobachter und die Experten ihm dazu geraten haben: Als der Dow bei über 5.000 Punkten lag.
Die großen Möglichkeiten – und die großen Gefahren – gibt es an den Wendepunkten. Wenn der Dow sich nach unten wendet, dann ist es an der Zeit zu verkaufen. Wenn Gold anfängt zu steigen, dann ist es Zeit zu kaufen. Aber diese Wendepunkte – diese großen Marktbewegungen – werden von den Konjunkturbeobachtern nie vorhergesehen. Es sind 'Unregelmäßigkeiten'. D.h. sie weichen von den regelmäßigen und erkennbaren Mustern ab. Man kann sie nicht kommen sehen, indem man sich nur ansieht, was im Jahr zuvor und in dem Jahr davor passiert ist. Man kann sie nicht vorhersagen, indem man vermutet, dass die Dinge in diesem Jahr mehr oder weniger genauso laufen werden, wie in den vergangenen Jahren. Es sind genau die Zeitpunkte, an denen die Dinge anders sind, als je zuvor.
Es sind die Punkte, an denen die neuen Trends anfangen.
Ich bin zu unerzogen, als dass ich der Masse folgen würde und zu bescheiden, als dass ich glaubte zu wissen, was das folgende Jahr bringen wird. Das Beste, was ich tun kann ist, der Intuition, dem Instinkt und den altmodischen Theorien zu folgen. 'Man kriegt, was man verdient', ist eine davon. 'Günstig kaufen, teuer verkaufen', ist eine andere.
Bei 10 Dollar pro Barrel wurde Öl noch vor wenige Jahren praktisch verschenkt. Am ersten September 2005 erreichte der Ölpreis 70 Dollar pro Barrel. Heute liegt der Preis bei ungefähr 60 Dollar. 1982 wurden Aktien mit KGV 6 fast verschenkt. Ebenso war Gold in den frühen Siebzigern mit 41 Dollar pro Unze so gut wie geschenkt. Immer dann, wenn Leute etwas Wertvolles für wenig Geld weggeben, dann nehme ich es.
Ich habe noch nie bereut, wenn ich etwas zu geschenkten Preisen gekauft habe. Deswegen habe ich in den frühen Neunzigern ein Gebäude in Baltimore gekauft, mein Haus in Nicaragua und vor kurzem auch Land in Argentinien.
In den späten Neunzigern wurde Gold für 300 Dollar die Unze verkauft. Dann, als der Dow in die Nähe von 12.000 Punkten rückte, verkündete ich den Trade des Jahrzehnts: 'Kaufen Sie Gold, verkaufen Sie Ihre Aktien'. Jetzt ist die Hälfte des Jahrzehnts vorbei. Gold hat sich verdoppelt. Die Aktien sind noch nicht zusammengebrochen. Aber ich werde weiter an meinem Trade festhalten. Heute wird Gold nicht mehr verschenkt. Und dennoch steht ein großer Bullenmarkt für das gelbe Metall bevor. Ich bin zu bescheiden, als dass ich eine Prophezeiung aussprechen würde, aber ich bleibe bei meinem Trade des Jahrhunderts, einfach nur um zu sehen, was daraus noch wird.