Gute Nachrichten?
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 18. September 2008, 07:30 Uhr
ENL5454
Heute will ich noch einmal die Le Monde zitieren:
"Endlich wieder gute Nachrichten... fast überall ist die Inflation unter Kontrolle oder sie befindet sich auf dem Rückzug."
Falsch, Falsch, Falsch. Die Inflation befindet sich vielleicht auf dem Rückzug. Aber das ist keine gute Nachricht. Es bedeutet, dass die gesamte Welt in eine Konjunkturkrise stürzt - nicht nur die Vereinigten Staaten und Großbritannien.
Und davor haben die Regierungsvertreter Angst. Minister Paulson rechtfertigte die Übernahmen von Mac und Mae damit, dass die Märkte und die Steuerzahler einen Schutz vor systemischen Risiken" bräuchten.
Wo lag das Risiko? Dass sowohl Freddie als auch Fannie Pleite machen würden, dass die Häuser zurück auf die Preise fallen würden, die sie wirklich wert sind, und dass das gesamte weltweite Finanzsystem einbrechen würde, wenn die von der Regierung übernommenen Unternehmen aufhören würden, ihre Schulden an die Kreditgeber aus dem Ausland zu bezahlen.
Und jetzt zum nächsten Akt:
Die amerikanische Wirtschaft ist in diesen beiden letzten Jahrzehnten gewachsen. Aber sie ist nur gewachsen, weil die Verbraucher bereit waren, immer tiefer in die Verschuldung zu gehen. Das war kein gutes Wachstum. Es war kein gesundes Wachstum. Aber es war zumindest Wachstum.
Man erzeugt Wachstum, indem man Geld ausgibt. Wenn die Verbraucher Geld ausgeben - dann bedeutet das Wachstum für den Einzelhandel, die Verbrauchsgüter, die Dienstleiter und so weiter. Wenn die Unternehmen Geld ausgeben - dann hat man am Ende mehr Arbeitsplätze, mehr Kapitalausstattung, mehr Gebäude, mehr Trucks, mehr Computerprogramme usw..
Aber was passiert, wenn weder die Verbraucher, noch die Unternehmen Geld ausgeben.
Die Übernahme der amerikanischen Finanzindustrie durch die Regierung wirkte am vergangenen Sonntag für viele Amerikaner wie von Gott geschickt - genauso wirkte es auch auf die Le Monde. Die Regierung hat es klar gestellt - wenn es nicht schon offensichtlich war - dass sie die beiden von der Regierung gezeugten Hypothekenzwillinge Fannie und Freddie nicht fallen lassen würde. Und was noch wichtiger ist, sie signalisierte auch, dass die Regierung bereit sein würde, dafür zu bezahlen.
Bill Gross' PIMCO hat 1,7 Milliarden Dollar erwirtschaftet, indem man auf die Anleihen von Fannie, Freddie und die anderen setzte. Sie hätten auch etwas Geld verdienen müssen. Ich habe die Paulson Doktrin"- die zusicherte, dass die Anleihen schließlich gerettet werden würde, vor einigen Wochen auf diesen Seiten erklärt. Die Paulson-Doktrin unterstützt den Willen der Regierung, dass die Aktionäre die Verluste hinnehmen sollen - aber nicht die Anleihenbesitzer.
Warum? Weil die größten Anleihenbesitzer die Länder im Ausland sind - insbesondere China. Und Amerika braucht dringend mehr Kredite von diesen großen Finanziers aus Übersee. Die Ausländer besitzen Billionen ausländischer Dollar und auf den Dollar ausgezeichneter Schuldtitel. Wenn sie anfangen zu befürchten, dass die Regierung nicht hinter ihnen steht, dann werden sie diese schnell fallen lassen - und das wäre das Ende für das aktuelle, auf dem Dollar aufbauende Währungssystem.
Also wird der Schritt, Fannie und Freddie unter die direkte Kontrolle der Regierung zu stellen, ganz allgemein als ein Plus für alle betrachtet. Die Kreditgeber aus dem Ausland wissen, dass das Spiel immer noch manipuliert ist - und dass ihr Geld sicher ist. Die Hausbesitzer denken, dass sie immer noch in der Lage sein werden, auf Kosten eines anderen zu leben. Und die Investoren halluzinieren, dass die Regierung etwas getan" hat, um diesen Schlamassel hinter uns zu bringen.
Aber ich habe eine Frage: Wo bekommen die Regierungsvertreter das Geld her? Die Konjunkturkrise - die noch kaum begonnen hat - hat schon die Steuerforderungen von den Unternehmern und den Privatpersonen gekürzt. Hinzu kommt, dass die Programme der sozialen Wohlfahrt immer teurer werden.
Wenn die Arbeitslosenzahlen steigen - sie wurden zuletzt mit über 6% verbucht, mit dem höchsten Wert in fünf Jahren - dann muss dieses Sicherheitsnetz immer mehr Leute auffangen. Stellen sie sicher, dass sie sich nicht in diesem Netz verfangen. Selbst wenn Sie das Gefühl haben, noch auf festem Boden zu stehen... dann schadet es doch nie, vorbereitet zu sein.
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