Gute Nachrichten oder schlechte Nachrichten?
J. Christoph Amberger in Baltimore in Traders Daily
vom 03. März 2006 12:00 Uhr
ENL5454
Es gibt bestimmt einige, die das für schlechte Nachrichten halten: Die Verbraucherausgaben sind in den USA im Januar um 0,9 % gestiegen, um den höchsten Wert in sechs Monaten. Die Dezemberausgaben wurden um 0,7 % übertroffen, sagen die Erbsenzähler vom Handelsministerium.
Die Einkommen stiegen um 0,7 % nach einer Zunahme um 0,5 % im Vormonat.
Da der Anstieg bei den Ausgaben höher ausfiel als der Anstieg der Einnahmen, ist die Sparquote wieder auf -0,7 % von -0,4 % im Dezember zurückgegangen, womit eine Strähne von 10 Monaten negativer Sparraten andauert.
Das wird für schlecht gehalten, weil es signalisiert, dass die Leute mehr Arbeitseinkommen ausgeben, als sie einnehmen. Es zeigt auch, dass die Verbraucher davon ausgehen, dass sie auch in der voraussehbaren Zukunft noch gewinnträchtige Arbeit haben werden. Eine hohe Sparrate geht normalerweise Hand in Hand mit der Erwartung einer unsicheren Zukunft und eines unsicheren Arbeitsmarktes einher.
Wenn es jedoch um diese teuflischen Zyklen geht, dann ziehe ich es vor, meinen Teil vom Kuchen abzubekommen und es auch zu essen. Ich halte an einem hohen Satz an Ersparnissen und Investitionen fest (deren Kapitalrendite und -erträge es, nebenbei bemerkt, nie auf die Listen der Haushaltseinkommen des Handelsministeriums schaffen) während ich das Oberwasser einer lebendigen Wirtschaft genieße, deren Bevölkerung arbeitet und Geld ausgibt, und das bei einer Arbeitslosenquote, die mit 4,7 % auf dem geringsten Wert in vier Jahren liegt.
Allgemein sind die Einkommen seit Januar 2005 um 5,8 % gestiegen, angeführt von einem Anstieg bei Löhnen und Gehältern um 5,1 %. Das Einkommen nach Abzügen der Steuern stieg den zweiten Monat in Folge im Januar um 0,5 % und im gesamten letzten Jahr um 5,4 %. Wieder einmal wird auch hier das Einkommen aus Kapital vom Handelsministerium nicht beachtet.
Die Ökonomen von Morgan Stanley in New York erwarten, dass ein Zurückfedern der Ausgaben das amerikanische Wirtschaftwachstum um ein jährliches Wachstum von 5,6 % im ersten Quartal antreibt, nach einem durch den Hurrikane beeinträchtigen Wachstum von 1,6 % im vorangegangenen Quartal.
Um das alles in eine Perspektive zu rücken: Die EU müsste ihr gesamtes Wirtschaftswachstum aus den vergangenen drei Jahren auf den Tisch legen, um auf einen ähnlichen Satz zu kommen. Und dazu haben sie natürlich auch noch Arbeitslosenquoten im zweistelligen Bereich.
Wenn man den Eurokraten jedoch Glauben schenkt, dann sind sie um sooo viel solider als ihre Yankee Cousins. Sie sind vielleicht deprimiert und arbeitslos, aber ihre Sparrate liegt höher.
*** Mein Mitarbeiter Martin Denholm schreibt dazu:
"Es gibt eine ganze Menge Nachrichten, durch die ich mich pflügen muss. Also will ich gleich mal damit anfangen:"
"Die privaten Einkommen sind im Januar in den USA um 0,7 % gestiegen, das ist der größte Anstieg seit vergangenem Juli. Prompt reagierten die Verbraucher und schickten die Ausgaben im gleichen Monat um 0,9 % in die Höhe."
"CNN und Bloomberg behaupten träge, dass es mit dem ungewöhnlich warmen Januar zu tun hätte, der die Verbraucherausgaben angetrieben hat. Aber ich gehe davon aus, dass meine Kollegen Bryan Bottarelli und Adam Less dichter an der Wahrheit sind, wenn sie darauf hinweisen, dass 'ein großer Teil der Zahl sich aus den jährlich steigenden Lebenshaltungskosten durch Social Security und dem neuen Verschreibungsplan von Medicare erklärt. Wenn man alle Zahlen zusammenrechnet, dann sind die Ausgaben in der Tat gestiegen und sie haben sogar die Einkommenssteigerungen überholt. Das erklärt vielleicht auch alle düsteren Berichte über die Zuversicht der Verbraucher.'"
*** Vom Ausgeben zum Ausleihen ... Aber ist da wirklich ein so großer Unterschied? Drüben in Großbritannien waren die Verbraucher im Januar nicht so scharf aufs Geldausgeben.
Die Bank of England berichtet, dass die Verbraucherkredite mit einer Jahresrate von 8,7 % zunahmen. Das sieht oberflächlich betrachtet vielleicht gar nicht so schlecht aus. Es ist aber der langsamste Zuwachs seit Juni 1994.
Es sieht so aus, also würde man das Geld nicht mehr für Güter und Dienstleistungen ausgeben, die Leute tendieren in Richtung Hypothekenkredite, bei geliehenen 9,2 Milliarden Pfund. Das war der höchste Betrag in zwei Jahren. Darüber hinaus stellen 122.000 bewilligte Hypotheken einen beachtlichen Anstieg um 49 % seit Januar 2005 dar.
Und dank all dieser Ausgaben und Kredite liegt der Gesamtbetrag der britischen Schulden heute bei (Trommelwirbel ...)
1,16 Billionen Pfund.