Gute Booms und schlechte Booms
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 19. Juli 2007 07:30 Uhr
ENL5454
Es gibt gute Booms und es gibt schlechte Booms.
Ein guter Boom ist so einer, wie der, der nach dem Zweiten Weltkrieg folgte. Es wurde echtes Geld investiert. Die Produktion wurde angekurbelt. Echte Ersparnisse wurden ausgegeben. Die Gewinne stiegen. Die Löhne stiegen. Und am Ende des Booms waren die Leute reicher als zu Beginn des Booms.
Ein schlechter Boom basiert auf schlechtem Geld. Wenn die Zentralbank (eigentlich das Finanzministerium) zusätzlich Dollarnoten druckt, dann fehlt es dieser Geste an Ernsthaftigkeit; wie bei einem Duellgegner, der zuerst lächelt und einem die Hand schüttelt, dann zwanzig Schritte geht und den Abzug betätigt. Da weiß man dann auch, dass er es nicht ernst gemeint hat. Anstatt auf wirklichen Ersparnissen aufzubauen, baut der falsche Boom auf Geldinflation und Krediten auf. Und wenn er zuende geht, dann stehen die Leute nicht besser da. Ihr Geld ist weniger wert als zuvor. Und der Normalverbraucher hat sich selbst tiefer in die Schulden vergraben, um die Jahre des Booms zu genießen.
“Aber es sind doch viele Leute während dieses Booms sehr viel reicher geworden, oder nicht”, werden Sie jetzt vermutlich sagen.
Ja, ein Crack-Up-Boom ist im Grunde genommen ein finanzieller Boom. Geld kommt ins System – viel Geld. Die Leute wissen nicht, dass es trügerisches Geld ist. Sie können den Unterschied nicht erkennen. Dieses Geld hält sich in der Finanzindustrie auf und jeder dort hat eine gute Zeit. Aber die Gesellschaft als Ganze ist nicht reicher, weil Gemälde von Monet teurer werden ... oder weil Katien teurer werden ... oder weil die Hedgefonds-Manager eine Milliarde Dollar verdienen. Die Gesellschaft ist reicher, wenn die Leute im Allgemeinen mehr Geld verdienen, wenn sie mehr Geld sparen und ihre Schulden abbezahlen. Das ist aber nicht das, was gerade passiert.
Nun ja, vermutlich werden es viele Leute letzten Endes bereuen … aber warum soll man derweil nicht ein bisschen Spaß haben?
Gerne. Kaufen Sie sich einen Warhol. Stecken sie etwas Geld in China. Kaufen sie einen Parkplatz in New York für 225.000 Dollar.
Oder noch besser: Gründen Sie einen Hedgefonds. Das ist die beste Möglichkeit, mit dem Geld anderer Leute „2 und 20“ zu bekommen. Nehmen Sie große Risiken aufs sich ... je größer desto besser. Denn zu Hölle, je größer das Risiko, desto mehr werden Sie verdienen ... ganz bis zum Ende. Danach wird der Hedgefonds natürlich vom Erdboden gelöscht werden. Aber was kümmert Sie das? Die Anleger werden die Verluste einstecken.
Und das führt natürlich auf direktem Wege zur Schlüsselfrage: “Wann wird dieser Boom enden?”
Ach, wenn ich es doch nur wüsste … dann wäre ich schon fast versucht, Geld für diesen Newsletter zu nehmen, anstatt ihn kostenlos zu verschicken.
Aber meine lieben Leser, die ausdauernde Menschen sind, haben noch weitere Fragen.
“Warum hissen sie weiterhin Ihre Warnflagge”, wollen sie wissen. „Ist der Grund dafür nicht, dass sie mit einer Krise rechnen?“
Ich gebe sogar zu, dass ich nicht damit rechne. Man kann nicht vorhersehen, wie diese Dinge laufen. Ich wäre z.B. nicht überrascht, wenn die amerikanischen Aktien noch deutlich höher schießen würden. Es könnte in verschiedenen Finanzmärkten zu einer Art Hyper-Reaktion kommen, noch ehe das Ende kommt. Aber der Dow könnte genauso gut morgen schon einbrechen.
Ich hisse die Warnflagge weiterhin, um mir selbst in Erinnerung zu rufen – und Ihnen auch – dass das ein sehr gefährlicher Markt ist. Da es einen Crack-Up-Boom gibt, und keinen gesunden Boom, ist der Markt grundlegend instabil. Und ich sehe keinerlei einfache Anlagemöglichkeiten an diesem Markt. Ja, es gibt viele spekulative Möglichkeiten. Es gibt viele Dinge, die weiter steigen könnten. Aber es gibt relativ wenige, die so günstig sind – Aktien, die Ihnen Werte für Ihr Geld geben – dass man sich keine Gedanken machen muss, ob sie steigen oder nicht.
Rufen Sie sich in Erinnerung, eine gute Investition ist eine Investition, die Sie besitzen wollen – weil es ein solides, wachsendes Geschäft ist, das Ihnen hübsche Dividenden bringt. „Greifbare Anlagewerte, die schwitzen“, wie mein Freund Chris Mayer sie nennt. Er sucht nach Unternehmen, die Vermögenswerte von echten Wert am Markt haben – harte Sachwerte, die das Unternehmen wirklich besitzt – Bargeld, Land, Ausstattung.
Indem man den Sachwerten viel Aufmerksamkeit schenkt, baut man eine gesunde Sicherheitsspanne auf, die das eigene Geld vor jedem Geschäftsrückgang schützt.
Eine gute Anlage ist nicht etwas, das man in der Hoffnung kauft, dass es steigen wird, so dass man es an jemanden anderen verkaufen kann.
Rufen Sie sich bitte auch in Erinnerung, dass die meisten Leute ihr Geld mit einem Geschäft oder mit einem Job verdienen. Der Aktienmarkt ist eigentlich nur ein Ort, an den man Geld bringt, so dass es zu einem späteren Zeitpunkt im Leben verfügbar ist – etwas gesteigert durch Zeit und durch Zinseszinsen. Das Schlimmste, was den meisten passieren kann, ist, dass sie ihr Geld in einen spekulativen Markt stecken und dann die Hälfte bis Zweidrittel ihres Vermögens verlieren. Mit anderen Worten übertrumpft das Risiko, Geld am Aktienmarkt zu verlieren die Hoffnung, dort mehr Geld zu machen.
“Was sollen wir also mit unseren Geld machen?”
Natürlich gibt es auch weiterhin gute Anlagemöglichkeiten – selbst in einem überteuerten, aufgewirbelten, spekulativen Markt. Nicht viele, aber doch ein paar. Ein guter Aktienforscher kann sie immer finden.
Und dann gibt es einige Aktienmärkte, die bessere Werte liefern als andere. Japan wirkt z.B. wie eine gute Wette. Während der Dow ganz allgemein in den vergangenen 17 Jahren gestiegen ist ... ist der Nikkei gefallen. Heute scheinen die japanischen Aktien wieder auf die Beine zu kommen. Japan hat einen gewaltigen Handelsüberschuss. Und einen tiefen Quell der Ersparnisse. Effiziente, produktive Branchen. Und das Land scheint außerordentlich gut positioniert, um ganz allgemein vom wirtschaftlichen Wachstum in Asien profitieren zu können.
Japan liefert darüber hinaus noch weitere Vorzüge – die Diversifizierung von Devisen. Abgesehen von der großen Gefahr einer Krise am Aktienmarkt gibt es auch noch die wirkliche Gefahr einer Krise des Dollars. Um genau zu sein, kann die gesamte weltweite Superblase auf die Inflation des Dollar zurückgeführt werden. Irgendwann wird die Welt, so glaube ich, des Dollars überdrüssig werden.
Es scheint so, als sei es schon so weit. Gerade in der letzten Woche erzählte Iran den japanischen Kunden, dass man von nun an in Yen bezahlt werden wolle. Iran ist nicht das erste Land ... und wird auch nicht das letzte sein ... das dem Dollar den Rücken zuwenden möchte. Und auch die Amerikaner täten nicht schlecht daran, wenn sie einen kleinen Teil ihres Vermögens aus dem Dollar heraushielten ... nur für den Fall der Fälle.
Ein Crack-Up-Boom ist ein inflationärerer Boom. Die Inflation der Währung führt normalerweise zur Inflation der Preise für Anlagewerte, gefolgt von einer Inflation der Verbraucherpreise. Während die Reichen es genießen, wenn ihre Anlagewerte im Preis steigen, werden die Unter- und Mittelschicht säuerlich, wenn die Preise für Milch und Brot steigen. Sie hören dann auf, so viel auszugeben. Und früher oder später fangen die Investoren an, sich zu fragen, ob der Boom noch ist, was er war. Und an diesem Punkt fangen sie dann an, Gold zu kaufen ... anfangs um sich selbst zu schützen, später um spekulative Gewinne einzufahren.
Paul Kasriel vom Northern Trust legt nahe, dass der Rückgang der Verbraucherausgaben im zweiten Quartal dieses Jahres später das Wachstum einschränken wird. Die Folge wird seiner Voraussage nach sein, dass das Nettowachstum des Bruttoinlandsprodukts (das im zweiten Quartal leicht zurückkam) in der zweiten Jahreshälfte auf ungefähr 1,7% im Jahresschnitt zurückfallen wird, im Gegensatz zur übereinstimmenden Vorhersage von 2,7%. Doch auch wenn Kasriel nahe legt, dass ein Rückgang der Ausgaben einige der Verbraucherpreise unten halten wird, geht er dennoch davon aus, dass die Preise für Lebensmittel und Energie steigen werden. Selbst wenn der Boom ins Stolpern kommt, werden Sie für Benzin und Lebensmitteleinkäufe deutlich mehr bezahlen müssen.
Doch auf dem Papier … offiziell ... gibt es momentan nur sehr geringe Verbraucherpreisinflation ... und nur sehr geringe Goldkäufe.
Und nicht einmal einen spekulativen Wahn am amerikanischen Aktienmarkt. Und natürlich warten wir immer noch auf die Krise. Ich bin dankbar. Es bedeutet, dass es noch so viel gibt, auf das man sich freuen kann.