Gut für die Börsen: ZEW-Index zeichnet düstere Stimmung
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 18. Juli 2006 18:00 Uhr
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Super, mein Lieblingskontraidikator, der ZEW Index hatte heute eine böse Überraschung für uns übrig: Es ist von zuvor 37,8 Punkten auf nunmehr 15,1 Punkte gefallen und sackte damit auf den tiefsten Stand seit Mai 2005. Analysten hatten lediglich mit einem Rückgang auf 33,5 Zählern gerechnet. Übrigens ist der Wert damit zum ersten Mal seit etwa einem Jahr unter seinen historischen Mittelwert von ca. 35,2 Zähler gefallen.
Analysten und Institutionelle, die Masse liegt halt gerne falsch
Wir müssen uns vor Augen führen, dass der ZEW Index ermittelt wird, indem 300 Analysten und institutionelle Anleger nach der aktuellen Lage und der erwarteten Lage befragt werden. Die aktuelle Lage beurteilen die Befragten deutlich besser, der Indikator stieg sogar auf 23,3 nach 11,9 Zählern. Die Erwartung für die Euro-Zone rutschte hingegen von 37,3 auf 18,1 Punkte.
Nun ist das natürlich ein Stimmungsindex und spiegelt das wider, was ich hier die ganze Zeit schreibe: Die Stimmung ist mies, verdammt mies – zumindest was die Erwartung betrifft. Solche Stimmungen sind sehr gut für die Märkte, das muss sich nicht unbedingt jetzt heute auswirken. Aber denken Sie kurz daran: Das letzte Mal war der Index im Mai letzten Jahres mit 13,9 Punkten so tief. Wir schauen uns einmal an, was der Dax im Jahr 2005 nach dem Mai so gemacht hat:
Also, als die Stimmung das letzte Mal so niedrig war, folgte eine ziemliche Rallye. Nicht umsonst ist der ZEW-Index für mich ein Kontraindikator. Doch hat er gewisse Vorlaufzeiten. Seinen in den letzten Jahren tiefsten Stand erreichte er im Dezember 2002 mit 0,6 Punkten, vier Monate vor dem Start der Rally im März. Eindeutig aussagekräftiger ist er bei den Höchstwerten. Trotzdem bleibt er ein guter Hinweis auf die Stimmungslage.
Übertreibungen des Ölpreises
Und eigentlich bin ich etwas verwundert. Dieser Konflikt im Nahen Osten ist für die Börsen im Prinzip ziemlich „uninteressant, solange er sich nicht zu einem Flächenbrand ausweitet. Und ich schätze die Gefahr eines solchen Flächenbrands nicht sonderlich hoch ein. Vielleicht kommt ja noch etwas nach, aber ansonsten müssten die Übertreibungen im Ölpreis bald abgebaut werden. Doch wie ich hier schon einmal geschrieben hatte, aus zyklischer Sicht sind die Sommermonate berüchtigt für steigende Ölpreise – vielleicht fällt es deswegen den Ölbullen so schwer, die Positionen zu verkaufen. Um so schneller könnte es gehen, wenn alle durch die gleiche Tür wollen. Ich bin sehr gespannt.
Leider macht der Konflikt im Nahen Osten es aber schwer, genaueres zu prognostizieren. Die Märkte mögen solche Konflikte nicht, insbesondere wenn die Gefahr besteht, dass ölexportierende Länder involviert werden könnten. Hier muss man leider einfach abwarten, bis die Märkte zu der Überzeugung kommen, dass der Konflikt regional begrenzt bleibt.
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