Gut frisierte Hedgefonds
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Rohstoffe
vom 04. Oktober 2006 07:30 Uhr
ENL5454
„Sie sind nicht alle Genies.“
Das war das Urteil von Kollege Dan Denning, der diese Woche im Büro auftauchte.
„Es gibt an die 8.000 Hedgefonds“, erklärte er, „Aber es gibt nicht 8.000 verschiedene Tradingstrategien. Wir müssen der Sache ins Auge blicken, diese Typen studieren alle die gleichen Modelle und die gleichen Theorien.“
Wir haben gemeinsam gefrühstückt. Auf dem Tisch, neben Toast und Tee, lag das Thema der Diskussion: Machen all diese Hedgefonds und anderen klugen Finanzmittel die Weltmärkte wirklich stabiler?
„Nein“, war unser Schluss. Es gibt zwei Möglichkeiten sich die Sache anzusehen:
Einerseits waren einige der klügsten Köpfe der Finanzindustrie damit befasst, die Investoren davon zu überzeugen, dass der Wildwuchs der Derivate und der Derivate der Derivate ... und der Derivate der Derivate der Derivate ... wirklich dazu beiträgt, den Markt stabiler werden zu lassen. Den Investoren selbst ist ein auffälliger Mangel an Sturm und Drang in den Tradingpits aufgefallen. Die Profis erklären, der Grund dafür sei, dass fortschrittliche, globalisierte, informationsgesättigte Märkte Risiken auflösen.
„Aber sie lösen nicht wirklich alles“, sagt Dan, „Sie häufen sie an. Sie alle traden die gleichen Dinge und benutzen mehr oder weniger die gleichen Strategien und Formeln.“
Im Kopf eines jeden Hedgefonds-Managers pulsieren die gleichen Täuschungen, die gleichen Vorurteile, der gleiche Aberglaube und die gleichen niederen Vorlieben. Jeder behauptet, er sei ein Wissenschaftler ohne eigene Interessen, der sorgfältig die Märkte mit der Präzision eines Poincaré und der Intuition eines Einstein erforsche. Aber sie sind nichts dergleichen; sie sind eigentlich eher so etwas wie Friseure ... bereit, die Portfolios so zu frisieren, dass sie den jüngsten Trends und Moden entsprechen. Ja, sie lassen ihre Kunden wie Esel aussehen – denn wer würde seine Geldgeschäfte wirklich seinem Friseur anvertrauen?
Aber wenigstens sehen sie gut aus, wenn sie sich der Öffentlichkeit zeigen. Und wenn sie auch eine Menge für ihre Dienstleistungen nehmen – 2% und 20% ist ein gängiger Satz – wer könnte deswegen anfangen zu diskutieren? Hedgefonds sind eine Form unübersehbaren Konsums; wenn man den Preis senken würde, würde die gesamte Illusion zerstört werden.
Aber jetzt haben auch die Schnüffler einen Blick auf diesen glücklichen Schwindel geworfen. Timothy Geithner, Boss der New Yorker Fed, scheint Dans Standpunkt übernommen zu haben. Hedgefonds, sagt er, seien ein „Hauptrisiko“. Der Derivatenmarkt würde Risiken konzentrieren, anstatt sie abzuschwächen. Er fügt hinzu, weder Hedgefonds noch Derivate hätten die „Tendenz der Märkte zu gelegentlichen Phasen von Manie oder Panik ändern können. Es gibt Aspekte der letzten Veränderungen bei den finanziellen Innovationen, die das systemische Risiko unter manchen Umständen steigern könnten, indem sie die Bewegungen der Vermögenswertpreise eher noch ausdehnen, anstatt sie anzuschwächen.“
Und selbst das FBI ist hinter diesem Fall her. Das Team, welches Edgar J. Hoover einst zusammenstellte, ist besorgt, weil die Hedgefonds die „Kleinsparer in riskante Investitionen locken“, heißt es im Telegraph. Chip Burrus spricht für die Hüter von Recht und Ordnung: „Leute, die nicht davon ausgehen, derart riskante Investitionen in ihrem Portfolio zu haben, gehen am Ende nicht baden - sie werden von vorne bis hinten geschröpft.“
Was das FBI nun damit zu tun hat – die Verluste der Investoren zählten nie zuvor zu den Angelegenheiten der FBI-Männer – weiß ich nicht. Aber Ihr Hedgefonds-Manager – seid auf der Hut. Bald wird die Homeland Security euch umzingeln und euch nach Syrien schicken und dort mit Wasser überschütten.
Und das keine Sekunde zu früh.
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