Gruppendenken – ein Oxymoron
Investors Daily
vom 09. September 2004 18:00 Uhr
ENL5454
Die Finanzwelt ist derzeit relativ ruhig, soweit ich das beurteilen kann.
Niemand weiß, warum. Niemand weiß, was gesagt werden wird, wenn schließlich jemand den Hörer abnimmt.
Aber aktuell ist alles ruhig.
"Niemand hat eine Idee von dem, was vor sich geht", sagte mein alter Freund John Mauldin, der letztes Wochenende für einen Besuch bei mir vorbeikam.
John ist ein Republikaner aus Texas, der zu den meisten Themen moderate Ansichten hat. Ich mag ihn trotzdem; er bringt immer gute Grillsauce und Chili-Schoten mit, ... und er grillt die Steaks.
"Dubya (damit meinte er George W. Bush) ist kein Idiot", sagte John. "Und wenn er nochmal gewählt wird – und ich glaube, das wird er – dann wirst Du einige Veränderungen sehen."
"Er hat die grundlegend richtige Ansicht über die Dinge. Aktuell steht er unter dem Einfluss von Karl Rove. Dem geht es nur darum, die nächsten Wahlen zu gewinnen. Aber wenn die Wahl vorüber ist, dann weiß ich nicht, ob Karl in der nächsten Wahl noch ein Pferd haben wird ... George W. Bush wird es jedenfalls nicht mehr sein. Deshalb wird Bush dann frei sein, zutun, was er will – ohne sich Sorgen um eine erneute Wiederwahl machen zu müssen."
Hier beim Investor's Daily halten wir uns von der Politik fern. Es geht bei uns um Geld. Aber ich stelle doch fest, dass es Menschenmassen sind, die sowohl die Märkte als auch die Politik dominieren ... und dass Gruppendenken in beiden Fällen – auf ähnliche Art und Weise – zu lächerlichen, absurden Dingen führt.
"Gruppendenken" ist ein Oxymoron. Gruppen denken nicht. Stattdessen haben Sie Wünsche, Verlangen. Sie haben Angst. Sie haben Panik. Von Zeit zu Zeit drehen sie durch – manchmal glauben sie, sie könnten ohne Arbeit oder Sparen reich werden ... manchmal glauben sie, dass sie auf Kosten von anderen leben können ... manchmal hoffen sie, dass teure Aktien noch teurer werden ...
Ein Individuum weiß, dass es nicht durch Geldausgeben reich werden kann. Aber wenn man dieses Individuum in eine Gruppe steckt, dann glaubt es bereitwillig daran, dass "Konsumausgaben" eine ganze Gesellschaft reich machen können.
Ein Individuum weiß, dass es keinen anderen Menschen töten kann, ohne Gefängnis zu riskieren ... oder die Hölle. Aber wenn man dieses Individuum in eine Gruppe steckt, dann wird es bereitwillig anderen Menschen den Krieg erklären. Leuten, die es niemals getroffen hat, aus Gründen, die es niemals verstanden hat.
Gruppen sind genauso wie Aktienmarkt-Investoren gefährliche, nicht denkende Mobs ...