Grundstück in Nicaragua
Investors Daily
vom 08. Oktober 2003 18:00 Uhr
ENL5454
von unserem Korrespondenten Bill Bonner, derzeit in Rancho Santana, Nicaragua *** "Die Unternehmensgewinne werden weiter steigen", so jemand gestern im Fernsehen, "weil die Unternehmen so gut im Einsparen von Kosten werden."
Aha, dachte ich, was für ein Schwachkopf ...
Ein einzelnes Unternehmen kann seine Gewinnsituation durch das Kürzen von Ausgaben verbessern. Aber die Ausgaben des einen sind die Einnahmen eines anderen. Ein Unternehmen kann zum Beispiel einen Arbeiter entlassen. Aber dann wird dieser Arbeiter weniger Produkte kaufen. Und das kann die Anbieter dazu zwingen, die Preise zu senken; aber dann müssen auch die Anbieter ihre Ausgaben senken. Insgesamt gesehen kann eine Volkswirtschaft nicht reicher werden durch das Kürzen von Ausgaben (obwohl das bei Individuen der Fall sein kann ...).
*** "Wir haben hier, genau hier, unsere eigene kleine Spekulationsblase", so ein Investmentpartner gestern.
Vor fünf Jahren habe ich in ein gewagtes Projekt investiert. Ein paar Freunde und ich kauften ein großes Stück Land an der Pazifikküste von Lateinamerika – in Nicaragua. Das schien damals fast verrückt zu sein. Nicaragua hatte zwar gerade die Periode der Sandinisten hinter sich, aber politisch war alles immer noch unsicher. Und unser Land konnte man nur über einen Feldweg erreichen, der in der Regensaison weggewaschen war. Aber es war ein sehr schönes Grundstück. Und sehr billig. Ich dachte mir: Selbst wenn es kein gutes Investment wird, dann wird es großartig sein, dieses Grundstück zu besitzen und alleine zu genießen. Ich wünschte mir halb, dass die Entwicklung ein Flopp werden würde, ... denn ich konnte mir vorstellen, dass ich mir auf diesem Grundstück meinen eigenen Garten Eden anlegen würde, ohne Internetanschluss.
Das große Grundstück wurde in Parzellen eingeteilt, und diese verkauften sich so gut, dass fast nichts mehr übrig ist. Eine Parzelle, die für 17.000 Dollar verkauft wurde, ist jetzt am freien Markt fast 70.000 Dollar wert. Und jetzt gibt es dort ein Bürogebäude mit drei Computerterminals und Satellit. Deshalb kann ich jetzt auch hier arbeiten ... und das tue ich ja gerade auch, um 4 Uhr Morgens habe ich begonnen, die Früchte des Fortschritts zu genießen, als ich meinen Computer eingeschaltet habe.