Grundsätzliches zu Optionsscheinen
Alexander Hahn in Investoren Wissen zum Thema Derivate & Hebelprodukte
vom 8. Januar 2009, 16:00 Uhr
ENL5454
Ich werde in dieser Rubrik die nächsten Ausgaben jeweils etwas über Optionsscheine schreiben. Was es mit Optionen auf sich hat, habe ich ja bereits in der Vergangenheit durch meine längere Artikelserie hier bei Investoren Wissen behandelt. Wer voll in die Materie einsteigen möchte, dem empfehle ich, nochmals die damalige Serie über Optionen "querzulesen".
Ansonsten beginne ich heute mit ein paar grundsätzlichen Dingen zum Thema "Optionsscheine" (engl. Warrants).
Grundsätzliches zum Thema "Optionsscheine" (Warrants)
Warrants sind verbriefte, d.h. als Wertpapiere emittierte Optionen (normalerweise in geänderten Bezugsverhältnissen). Der Emittent eines Optionsscheins (OS) ist in der Regel eine Bank. Die Emittenten verbriefen die Optionen zu Optionsscheinen. Was bedeutet das?
Die Bank wandelt die Option in ein Wertpapier um. Diese Wertpapiere können Sie an ganz normalen Aktienbörsen handeln. Während Optionen in Europa lediglich über die EUREX und in den USA meist über die CBOE gehandelt werden, können Sie OS an vielen deutschen Börsen (Stuttgart, Frankfurt) oder auch außerbörslich handeln.
Der Emittent
Preisgeber von OS ist der jeweilige Emittent. Wie auch bei den Optionen hängt der Preis des OS von der Entwicklung des Underlyings (=Basiswert der Option) ab.
Während bei den Optionskontrakten das Bezugsverhältnis mit 1:100 meist fix ist (standardisierte amerikanische Optionen z.B.), kann der Emittent eines OS dieses Bezugsverhältnis ändern, z.B. auf 1:10 (mehr dazu auch in den späteren Abschnitten).
Der Emittent des OS stellt die Liquidität an den Börsen sicher. Da er Ihnen die OS verkauft, nimmt er diese auch wieder zurück. Selbst dann, wenn an den Börsen mit dem OS kein Umsatz erzielt wird.
Der Preis des OS
Die Wertentwicklung des OS hängt - wie bereits erwähnt - von dem jeweiligen Underlying (=Basiswert) ab. Aber auch hier müssen Sie Kennzahlen, wie den inneren Wert und Zeitwert, beachten.
Diese Werte werden genauso wie in dem „IBM-Call-Option-Beispiel" berechnet (siehe meine Optionsserie von damals). Die gleichen Regeln gelten hier auch.
Was es bei OS nicht gibt, ist eine Bid/Ask-Preisspanne. Hier gibt es einen Geld-/Briefkurs, den der Emittent vorgibt. Je höher die Volatilität an der Börse, desto größer ist diese Spanne.
Was ist also der wesentliche Unterschied zwischen Optionen und OS?
Beim Kauf/Verkauf von OS gehen Sie mit einer Bank ein Geschäft ein. Bei einem Kauf/Verkauf von Optionen gehen Sie mit einem Optionsverkäufer/-käufer Ihr Geschäft ein. Sie werden jetzt wohl denken, dass OS sicherer sind als Optionen. Immerhin handeln Sie OS mit einer Bank, Optionen mit einer Ihnen unbekannten Person. Täuschen Sie sich nicht!
Nachteile von OS
An erster Stelle steht hier das Emittentenrisiko. Geht Ihr „Geschäftspartner", also die emittierende Bank, bankrott, so verfallen alle OS wertlos.
Ein weiterer großer Nachteil: In unruhigen Börsenphasen stellen einige Emittenten keine Kurse mehr - folglich lässt sich der Schein in dieser Zeit nicht handeln. Gerade bei Börsencrashs ist das mehr als ärgerlich. Denn stellen Sie sich vor, Sie hätten sich mit einem DAX-Put-OS gegen fallende Kurse abgesichert und wollen ihn mit Gewinn verkaufen. Wenn die Bank keinen Kurs stellt, bleiben Sie vorerst auf diesem Schein sitzen.
Dritter Punkt: die mangelnde Preistransparenz. Ich unterstelle einigen Banken gelegentlich eine gewisse Willkür bei der Preisfindung ihrer OS. Prüfen Sie es selbst nach: Nehmen Sie zwei verschiedene Emittenten. Suchen Sie sich jeweils auf den gleichen Basiswert einen Call-OS aus. Beide müssen das gleiche Bezugsverhältnis, den gleichen Strike-Preis und die gleiche Restlaufzeit haben. Normalerweise müssten sich beide OS im Verhältnis 1:1 bewegen. Das tun sie aber in den seltensten Fällen. Es gibt immer wieder ein paar schwarze Schafe (wie bei allen Dingen im Leben), welche sich den Preis des OS zu ihrem Vorteil „schönrechnen". Als Privatanleger sollten Sie bei Zweifeln ggf. die Börsenaufsicht einschalten - aber das nur am Rande.
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