Grundlagen der Elliott-Wellen-Theorie - und Kritik
Sven Weisenhaus in Wave Daily
vom 9. August 2010, 13:00 Uhr
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Die Theorie der Elliott-Wellen hat der Amerikaner Ralph Nelson Elliott (1871 - 1948) in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts entwickelt. Während einer schweren Blutkrankheit analysierte Elliott über Monate hinweg akribisch den US-Aktienmarkt, vorwiegend den DJIA.
Dabei erkannte er, dass sich die Preisschwankungen und Kursmuster bei Aktienmärkten innerhalb von wenigen Tagen verblüffend mit den Verläufen über Monate oder Jahre hinweg ähnelten. Er entdeckte die zyklische und fraktale (selbstähnliche) Ausbreitung von Wellenmustern.
Fraktale Selbstähnlichkeit
Fraktale sind Objekte, die aus mehreren verkleinerten Kopien ihrer selbst bestehen. Die fraktale Selbstähnlichkeit ist eigentlich ein Phänomen aus der Natur:
- ähnlicher Aufbau von Sonnensystem und Atomstruktur
- ein Baumzweig sieht ungefähr so aus wie ein verkleinerter Baum
- das Teilstück eines Farns sieht in Vergrößerung ziemlich genauso aus wie das Blatt als Ganzes
- der Romanesco (Pyramidenblumenkohl) weist in seinem Blütenstand fraktale Strukturen und Fibonacci- Spiralen auf
- die Kochsche Schneeflocke
Elliott veröffentlichte seine Erkenntnisse und Regeln in dem 1938 erschienenen Buch The Waves Principle" (Das Wellen-Prinzip).
Machen Kurse Nachrichten oder die Nachrichten Kurse?
Als eine der wichtigsten und grundlegendsten Informationen ist daraus zu entnehmen, dass Kurse Nachrichten machen.
Es ist bekannt, dass die Marktteilnehmer sich im Nachhinein immer irgendwelche Nachrichten des Tages heraussuchen, die zu den Kursen passen könnten. Schalten Sie doch nur mal N-TV ein.
Mal ist der hohe Ölpreis gut für die Märkte, weil eine hohe Nachfrage nach Rohstoffen für eine boomende Wirtschaft spricht, mal ist ein hoher Ölpreis negativ für die Kurse, weil die hohen Kosten für Rohstoffe die Wirtschaftsaktivität abwürgt. Klingt beides irgendwie plausibel und passt damit auf jede Marktsituation.
Nachrichten machen also keine Kurse im ursächlichen Sinne, sondern sind nur der Auslöser einer Kursbewegung, die technisch fällig ist.
Dieser Ansicht kann ich mich anschließen. So ist es unzweifelhaft, dass bestimmte Kennzahlen aus der Wirtschaft eine eindeutige Reaktion am Markt hervorrufen. Schauen Sie sich doch nur mal den Markt an bei der monatlichen Veröffentlichung der US-Arbeitsmarktdaten. Exakt um 14.30 Uhr sind starke Bewegungen, je nach Datenlage nach oben oder unten zu verzeichnen.
Es stehen also jede Menge Gründe in x-beliebiger Kombination zur Verfügung, um Kursbewegungen an den Märkten im Nachhinein zu erklären. Aber ich wage zu bezweifeln, dass man sowohl die Richtung, als auch das Ausmaß der kurzfristigen Bewegung mit der Elliott-Wellen-Theorie vorhersagen kann.
Ich hatte in meinem Beitrag vom 25. Juni mit dem Titel "Kurzfristige Chartanalyse sinnlos?" und "Kurzfristig herrscht Chaos" bereits meine Sichtweise dargestellt. Sie können die Artikel mit einem Klick auf den jeweiligen Link in diesem Zusammenhang noch einmal nachlesen.
Beherrscht die Psychologie den Markt zu jeder Zeit?
Elliott ging sogar noch ein Stück weiter und stellte fest, dass die Psychologie, und nichts anderes, den Markt zu jeder Zeit bestimmt. Die fundamentalen Daten sind seiner Ansicht nach nicht der Auslöser von Verhaltensänderungen bei den Marktteilnehmern, sondern vielmehr die Folgen eines bereits veränderten Verhaltens.
Der verstorbene Altmeister der Börse, André Kostolany, war hingegen der Überzeugung: "Kurz- bis mittelfristig macht die Psychologie 90 Prozent an der Börse aus! Langfristig spielen dann die fundamentalen Gründe eine größere Rolle."
Ich persönlich kann mich eher letzterer Meinung anschließen.
Und noch mal Robert Prechter
Nach dem Tod von Elliott führte insbesondere Robert Prechter Elliott's Arbeiten weiter und leistete dazu selbst eigene "Verbesserungen". Er veröffentlichte seine zusätzlich erworbenen Erkenntnisse in dem 1978 publizierten Buch Elliott Wave Principle" - auf deutsch unter dem Titel Das Elliott-Wellen-Prinzip. Schlüssel für Gewinne am Markt." erschienen. (siehe erster Teil des heutigen Beitrags)
Prechter erlangte in den anschließenden 80er Jahren den Status eines Gurus. Unter anderem deswegen, weil er den Crash von 1987 ziemlich genau prognostizierte. Dieser Status schmolz jedoch wieder beträchtlich, nachdem er in den 90er Jahren während der haussierenden Aktienmärkte immer wieder von einem erneut bevorstehenden Crash sprach.
Nun ja, irgendwann bekommt jeder Dauerpessimist einmal Recht. So stürzten die Märkte ja auch von 2000 bis 2003 kräftig ab. Man muss halt nur lang genug an seiner Meinung festhalten. Irgendwann kommt ja (durch die Zyklik der Märkte) auch wieder eine Baisse.
Kritik an der Elliott-Wellen-Theorie
Die häufigste Kritik an der Theorie lautet, es sei für Anwender schwierig, immer korrekte Wellenzählungen vorzunehmen. Dies liegt vor allem am Auslegungsspielraum, den die von Elliott beschriebenen Regeln zulassen.
Lassen Sie fünf Elliott-Waver eine Wellenzählung zu einem bestimmten Markt erstellen, und Sie werden mit großer Wahrscheinlichkeit fünf verschiedene Zählweisen mit entsprechenden Kurszielen und Szenarien erhalten. Dies ist mitunter auch auf den komplexen Regelkatalog zurückzuführen.
Korrekturen verursachen Fehlprognosen
Während Impulswellen aufgrund ihres simplen Aufbaus relativ einfach zu handhaben sind, ergeben sich bei der Analyse von Korrekturen zum Teil erhebliche Probleme, da eine Vielzahl von Korrekturmöglichkeiten unterschieden werden muss, die sich zu Beginn ihrer Entwicklung jedoch oftmals gleichen. Daher erfolgt die Identifizierung des vollständigen Korrekturmusters erst relativ spät. Fehlprognosen entstehen so meist in der Fehlinterpretation von Korrekturen und deren möglichem Ende.
Ich hatte dies hier im WAVE Daily bereits mehrfach erwähnt.
Verehrte Leserinnen und Leser,
ich habe bereits bei kritischen Äußerungen über die Elliott-Wellen-Theorie Fragen erhalten, warum ich denn als Elliott-Wellen-Kritiker selbst einen entsprechenden Newsletter schreibe. Auch der hier vorliegende Artikel enthält durchaus kritische Aspekte.
Ich habe den 2. Teil des heutigen Beitrags jedoch nicht vollständig selbst verfasst und möchte dies auch ausdrücklich betonen. Der heutigen Beitrag ist an einen interessanten Artikel angelehnt, den ich im Internet gefunden habe. Sie können den vollständigen Artikel nachlesen, wenn Sie hier klicken. Ursprünglich entstammt dieser Artikel nach den Angaben auf der Internetseite von Smart Investor.
Ich habe diesen Artikel hier wiedergegeben und mit eigenen Interpretationen gespickt, damit Sie sehen, dass ich mit meiner Meinung zu den Elliott-Wellen nicht alleine stehe. Zudem halte ich es für wichtig, auch die Schwachstellen einer jeden Methode zu kennen.
Ich bin begeistert von der Methodik der Elliott-Wellen-Theorie und von den Ergebnissen, die sich damit erzielen lassen. Aber Sie wissen, dass ich immer betont habe, die Elliott-Wellen nicht als Allheilmittel zu sehen. Daher kombiniere ich diese in meinen Beiträgen mit den Methoden der klassischen Chartanalyse. Für mich ist im Ergebnis wichtig, dass die Prognosen mit hinreichender Sicherheit auch so eintreffen. Dabei kann jeder mal daneben liegen. Auch ein "Elliott-Wellen-Fanatiker" (nicht negativ gemeint), der sich ausschließlich auf diese Methode stützt, liegt oft daneben.
Fazit
Das Elliott Wellen-Prinzip ist kein perfektes, fehlerfrei funktionierendes Analyse-Werkzeug. Es hat ebenso viele Fallstricke wie alle anderen gängigen und "anerkannten" Analysemethoden auch.
Bei der Anwendung der Elliott-Wellen geht es in allererster Linie nicht darum, perfekte Prognosen mit richtigen" Wellenzählungen erstellen zu wollen. Im Vordergrund steht vielmehr die gewinnbringende Umsetzung eines Szenarios unter Berücksichtigung eines angemessenen Chance/Risiko-Verhältnisses und Money-Managements im Vordergrund. Und das ist mit den Elliott-Wellen ohne weiteres möglich.
Ich wünsche Ihnen ein glückliches Händchen
Sven Weisenhaus
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Georg Mindermann (09.08. 2010 13:20 Uhr):
An der Börse werden wir weiterhin nur mit Wahrscheinlichkeiten handeln. Und eine heute erstellte Elliott-Wellen-Analyse kann morgen schon einer Anpassung bedürfen oder komplett über den Haufen geworfen werden müssen. Damit stimme ich Ihnen vollkommen zu. Vielleicht darf ich Ihnen kostenlos meine Strategien zusenden. MfG Georg Mindermann
Antworten- Antwort von Sven Weisenhaus (13.08. 2010 15:38 Uhr):
Guten Tag Herr Mindermann, jetzt bin ich natürlich neugierig, was sich hinter Ihren Strategien verbirgt. Gerne können Sie mir eine E-Mail zukommen lassen. Senden Sie hierzu bitte an info@investor-verlag.de. - - - Mit freundlichen Grüßen - - - Sven Weisenhaus
- Antwort von Sven Weisenhaus (13.08. 2010 15:38 Uhr):
- Kommentar von Frank Herrmann (09.08. 2010 14:02 Uhr):
Hallo Hr. Weisenhaus, aus meiner langjährigen Erfahrung heraus kann ich sagen noch keine Situation gefunden zu haben, die nicht im Nachhinein widerspruchsfrei mit EW erklärt werden konnte. Problematisch ist aber die Prognosefähigkeit bzgl. Eineindeutigkeit. Diese liefert EW nicht !! Genauso ist auch die Zeitachse extrem belastbar, wie auch von Ihnen bereits zu Prechter erläutert. Aber Sie müssen bedenken, dass Prechter den Fehler macht (durch die leichtsinnige Zeitfestschreibung), nicht EW ! Prechter wird zur tragischen Figur, indem er trotz seiner unglaublichen Erfahrung, die er erfolgreich für long-term Prognosen einsetzt, immer wieder haltlose Datierungsversuche, fast in einer Art Selbstverletzung, absetzt. Deswegen: EW ohne Verwendung weiterer Techniken wie im Besonderen Charttechnik funktioniert für die praxisorientierte Prognose nur unzureichend. Die Kombination, sowie balancierte Einstiegs- und Ausstiegsstrategien und vor allem Disziplin sind das A&O ! MfG Frank Herrmann
Antworten- Antwort von Sven Weisenhaus (13.08. 2010 15:42 Uhr):
Guten Ta nochmal Herr Herrmann! Folge ich Ihren Aussagen zu diesem Beitrag, dann müsste ich mit meinen Analysen eigentlich genau Ihren Geschmack treffen. denn, Sie schreiben: "EW ohne Verwendung weiterer Techniken wie im Besonderen Charttechnik funktioniert für die praxisorientierte Prognose nur unzureichend. Die Kombination, sowie balancierte Einstiegs- und Ausstiegsstrategien ... sind das A&O !" Genau diese Strategie verfolge ich in meinen Analysen. - - - Mit freundlichen Grüßen - - - Sven Weisenhaus
- Antwort von Sven Weisenhaus (13.08. 2010 15:42 Uhr):
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