Gründe für Zuversicht beim Zucker
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 18. November 2008, 20:00 Uhr
ENL5454
Das wichtigste für Anleger in Rohstoffen ist eigentlich, dass er in der Lage ist zukünftige Entwicklungen vorherzusehen, die nicht auf dem Radarschirm der Spekulanten auftauchen. So werden Sie in den aktuellen Statistiken und Erwartungen wenige Anhaltspunkte finden, die für einen massiven Anstieg der Zuckerpreise und eine Investition in Zucker sprechen. Die Erwartungshaltung der Analysten ist konservativ, denn diese erwarten bis Ende 2009 im Schnitt nur einen Zuckerpreis von rund 13 bis maximal 15 US-Cents.
Doch Analysten neigen in der Masse dazu mehrheitlich falsch zu liegen, denn sie trauen sich oft nicht extreme Prognosen abzugebenm, die eine hohe Fehleranfälligkeit besitzen. Deshalb tendiert der Mensch dahin, dass er die Erwartungen seiner Kollegen anschaut und nur tendenziell aber nicht substantiell von dieser Erwartung abweicht. Denn der Analyt würde bei Nichteintreten seiner Prognose dann von allen anderen Analysten ausgelacht und in den Medien lächerlich gemacht.
Doch sage ich, bringt uns eine extreme Kursprognose an den Märkten weiter, als das "Konsensdenken", welches unweigerlich zu hohen Verlusten führen muss. Für uns Privatanleger ist es viel einfacher die Gründe für Extremprognosen nachzuvollziehen und zu bewerten und dann diese Prognose ernst zu nehmen oder eben in den Papierkorb zu werfen.
Also habe ich mich auf die Suche nach einer Extremprognose für Zucker gemacht und bin auch in einigen Studien fündig geworden.
Den grössten Rückgang in der Produktion wird voraussichtlich Indien verbuchen müssen. Hier steht in einzelnen Analysen etwas von einem bis zu 16% Rückgang der Produktion. Da man sich in Indien wegen der tiefen Zuckerpreise auf Alternativen konzentriert. Da Indien im letzten Jahr mehr als 30 Millionen Tonnen Zucker produziert und damit weltweit Rang zwei nach Brasilien und vor China einnahm, müssen Sie solche Aussagen extrem ernst nehmen.
Dies würde bedeuten, dass das US-Landwirtschaftsministerium USDA einmal mehr mit der Schätzung der indischen Produktion von 28 Millionen Tonnen (10% Rückgang) daneben liegen würde. Der Ausfall für die Weltproduktion würde dann allein durch Indien bedingt rund 5 Millionen Tonnen ausmachen und die Unterversorgung würde dann entsprechend auf Richtung 7 Millionen Tonnen steigen.
Nur höhere Preise würde hier bei den Produzenten einen Anreiz für mehr Anbaufläche schaffen.
Deshalb könnte Zucker, wenn das Szenario eintritt, auch einer der grössten positiven Überraschungen in den nächsten 2 Jahren werden.
Sollte der Zuckerpreis entgegen dieser Prognosen aber weiter fallen und wieder unter 10 US-Cents stehen, würden die Produktionssenkungen noch sehr viel drastischer ausfallen und ein Preis von unter 10 US-Cents ist zwar nicht ausgeschlossen, würde aber auf jeden Fall nur temporär sein.
Da nirgendwo sonst in der Welt die Absatzpreise eine so grosse Rolle für die Preisprognosen spielen, als bei den Agrarrohstoffen, ist es deshalb wichtig, dass man einen Rohstoff wie Zucker immer nur am unteren Ende eines Bandes kauft. Immer dann wenn keiner einen starken Anstieg erwartet. Und dann muss man viel Geduld aufbringen, bis die Unterversorgung von Spekulanten erkannt wird und der Preis auf ein neues höheres Niveau steigt. Dieses könnte bei Zucker zwischen 15 und 20 US-Cents liegen.
Wohlgemerkt auf Sicht der nächsten 1-2 Jahre und nicht kurzfristig!
Ihre
Miriam Kraus
P.S.: Und natürlich gibt es auch eine Extremprognose in die andere Richtung. Einige Leser machten mich nach dem letzten Daily auf einen neuen Zuckerersatzstoff aufmerksam. Wenn nämlich die Pflanze "Stevia" die 300-mal süsser ist, als Fabrikzucker, weltweit verstärkt zum Einsatz kommt, dann könnten die Zuckerpreise langfristig gesehen vielleicht sogar unten bleiben. Dennoch rechne ich eigentlich nicht damit, dass "Stevia" den Zuckerpreis massiv schädigen könnte. Denn zuerst müsste Stevia, welches bereits in Ländern wie Japan und Korea konsumiert wird, in der EU zugelassen werden. Und selbst wenn, dann könnte der Grossteil des produzierten Zuckers bei Preisen unter 10 US-Cents in Form von Ethanol im Tank landen, was ich ehrlich gesagt nicht ausschliessen würde. Deshalb wird auch Zucker nicht auf 0 fallen, wie mehrere Bankaktien.
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