Gründe für die Beliebtheit des Schweizer Franken
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 22. Juni 2011, 20:30 Uhr
ENL5454
Wir wissen ja, der Schweizer Franken ist eine Fluchtwährung. Und nicht etwa deshalb, weil es weltweit so arg viele Steuersünder gibt, die ihr Geld auf der Alp verstecken wollen. ;-)
Tatsächlich ist zu beobachten, dass der Franken sehr deutlich in Krisenphasen profitiert. Das hängt zum Teil sicher mit ein bisschen Nostalgie zusammen. Der Alpenstaat wirkt wie eine Festung (oder wie sich die Schweizer selbst gern sehen: wie eine Insel im EU-Meer) gegenüber den Erschütterungen im Ausland.
So ist es kein Wunder, dass zum Beispiel griechische Bürger vermehrt ihr Geld in der Schweiz in "Sicherheit" bringen, um im Falle einer heimischen Bankenkrise nicht ihr Erspartes zu verlieren.
Das hat natürlich auch historische und damit Image-Gründe, doch damit allein ist noch nicht alles gesagt. (und im Übrigen auch nicht mit den Griechen, die vereinzelt ihr Geld transferieren)
Obwohl mit Sicherheit auch viele andere EU-Bürger und US-Amerikaner ihr Erspartes in Schweizer Franken absichern, gilt es noch einen weiteren Aspekt zu bedenken.
Die Carry Trades
Wir kennen vor allem den japanischen Yen als Carry Trade Währung, doch auch der Schweizer Franken ist eine solche.
Der Franken-Raum ist ein solcher, der schon seit Jahren mit einem geringeren Inflationsniveau und zugleich einem tieferen Zinsniveau aufwartet. Solcherlei nutzen dann Carry Trader um sich in der tiefer verzinsten Währung, also dem Schweizer Franken, zu verschulden und legen das Geld zugleich in einem anderen Währungsraum an.
Der Begriff Carry Trader bezieht sich hier aber nicht nur auf Spekulanten, die auf diese Weise ihre Investments finanzieren, sondern auch auf den Nachbarn von nebenan, der ein tiefes Zinsniveau genutzt hat, um seinen Immobilienkredit zu finanzieren.
So geschehen zum Beispiel in Ungarn. Dort haben vor Jahren viele ungarische Häuslebauer die tiefen Zinsen im Franken-Raum genutzt, um Franken-Kredite aufzunehmen und damit ihre Häuser zu finanzieren.
Doch Kredite müssen auch zurückbezahlt werden und im Falle der Carry Trader macht der Carry Trade dann keinen Sinn mehr, wenn sich die Fremdwährung, in welcher der Kredit aufgenommen wurde, massiv verteuert gegenüber der eigenen Währung. Und natürlich begann der Franken seit der Finanzkrise auch gegenüber dem ungarischen Forint aufzuwerten. An dieser Stelle macht es dann für die Kreditnehmer Sinn, ihre Kredite in CHF alsbald abzulösen, denn je weiter der Franken aufwertet, desto teurer wird die Bedienung der Kredite. Schließlich verdient der Kreditnehmer in diesem Beispiel in der Regel ja in ungarischen Forint. Folglich werden immer mehr Kredite abgelöst, also zurückbezahlt, wofür aber Franken aufgenommen werden müssen, was die Nachfrage nach Schweizer Franken immer weiter unterstützt. Und so verstärkt sich der Aufwertungstrend des Franken zusätzlich.
Und natürlich springen dann auch wieder Spekulanten auf den Zug auf und setzen weiterhin auf den Aufwertungstrend, was diesen ebenfalls noch weiter verstärkt.
Neben diesen zwei Gründen (Sicherheit und Carry Trades) muss man natürlich aber auch die anderen Währungen gegenüber denen der Franken gehandelt wird, in die Überlegungen mit ein beziehen. So wertet der Franken seit Jahren gegenüber dem US-Dollar auf, ist zwar gemessen an der Kaufkraftparität überbewertet, doch der Wert des US-Dollar und auch die Kaufkraft des US-Dollar sinken auch seit Jahren. Dementsprechend steigt also der faire Wert des Schweizer Franken (aufgrund der robusten und positiven Entwicklung der Schweizer Wirtschaft) gegenüber dem US-Dollar seit Jahren an, was logischerweise ebenfalls eine Begründung für die stete Aufwertung des Schweizer Franken gegenüber dem US-Dollar liefert.
So long liebe Leser...so viel für heute zu den Gründen für die Beliebtheit des Schweizer Frankens...im nächsten Beitrag zu dieser Reihe wollen wir uns dann genauer mit der Kaufkraft des Schweizer Franken und der Kaufkraftparität auseinander setzen und schließlich darüber nachdenken, wie es mit der Franken-Entwicklung weiter gehen könnte...morgen lesen wir uns aufgrund des Feiertages nicht, dafür aber wieder am Freitag...liebe Grüße...
Ihre Miriam Kraus
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Werner Koch (22.06. 2011 22:02 Uhr):
Guten Tag Frau Kraus, Ihr Beitrag über den CHF gefällt mir sehr gut. Nicht weil ich als Schweizer direkt berührt bin, sondern weil er sachlich und nicht so "lustig" oder originell geschrieben ist. Z.B. 10 bis 20 Mal "Häuptling" in einem Beitrag zu finden ist etwas gar viel. Die Leute haben ja Ämter oder Funktionen, die erwähnenswert wären...... Entschuldigung - werde Sie nicht mehr mit solchem Kommentar belästigen. Freundliche Grüsse Werner Koch
Antworten - Kommentar von Frank (26.06. 2011 20:47 Uhr):
Sehr geehrte Frau Kraus, ein interessanter Artikel, der Ihre Expertise belegt. Allerdings habe ich eine Nachfrage. Sie schreiben: "Folglich werden immer mehr Kredite abgelöst, also zurückbezahlt, wofür aber Franken aufgenommen werden müssen, was die Nachfrage nach Schweizer Franken immer weiter unterstützt." Das kann ich (noch) nicht ganz nachvollziehen. Wenn ich einen Kredit zurückzahle, gebe ich der Bank doch Geld (zurück) - bei vorzeitiger Ablösung vielleicht auch noch eine zusätzliche Entschädigung. Warum sollten dafür Franken aufgenommen werden? Wenn ich einen Kredit abschließe, nehme ich Franken auf, aber bei der Rückzahlung / Ablösung eines Kredits, weil er mir zu teuer geworden ist? Über eine Erklärung wäre ich dankbar.
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