Große Erwartungen
Dan Denning in Investors Daily
vom 13. Januar 2006 18:00 Uhr
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Eine ganze Schwemme wirtschaftlicher Fakten soll uns jede Woche sagen, was man von den Aktien und der Wirtschaft zu erwarten hat. Die Ausgaben für Neubauten, hielt die Fed auf ihrem letzten Treffen fest, die Verkaufszahlen der Automobilindustrie, Bestellungen bei den Fabriken, Stundenlöhne ... alles frisches Mahlgut für die Mühlen der Analysten. Und – größtenteils – reine Zeitverschwendung.
Alles, was man wissen muss, um die amerikanische Wirtschaft zu verstehen, kann man lernen, wenn man sich zwei Stunden am Terminal des Internationalen Flughafen in Los Angeles aufhält. Einerseits ist es die weite Streuung. Man hört Chinesisch, Spanisch (scheinbar die zweite offizielle Sprache in Kalifornien), Französisch und Dialekte des Subkontinents, die musikalisch klingen. Viele Leute kommen nach Amerika oder legen hier zumindest einen Zwischenstopp ein und geben Geld aus.
Aber erwarten Sie hier keine guten Dienstleistungen. Die Bars und Kneipen sind mit Menschen und mit Schrott voll gestopft, so ähnlich wie eine Bahnhofshalle. Der Service war überall, fast ohne Ausnahme, unmotiviert und schlecht. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch. Ich bin während meiner Reisen nicht elitär geworden. Schließlich haben Sie es hier mit einem Schreiberling zu tun, der seine College-Gebühren bezahlte, indem er hinter der Kasse einer Tankstelle saß.
Worum es mir geht, das sind die außerordentlich überzogenen Erewartungen in Amerika, wenn es darum geht, was nötig ist, um weiter vorne zu bleiben. "Diese Staaten übernehmen bei der Steigerung der Minimallöhne die Führung" steht in einer Schlagzeile der New York Times. Wissen diese Staaten denn nicht, dass es 3 Milliarden Menschen gibt, die bereit sind, mit den Amerikanern um die Stellen zu kämpfen? Können sie einfach nicht verstehen, dass bei dieser Rechnung die Löhne so lange fallen werden, bis die Amerikaner auf einer Stufe mit ihren Brüdern und Schwestern weltweit stehen?
Als wirtschaftlicher Möchte-gern-Missionar habe ich in den letzten Jahre feststellen müssen, dass die wirtschaftlichen Gospel Amerikas nicht mehr stimmen, vielleicht sogar ketzerisch sind, wenn man Dr. Kurt Richebächer fragt. Die wirtschaftlichen Heiden der Welt huldigen dem Gott Konsum nicht. Kein Amerikaner wird aus dem unvermeidlichen Zusammentreffen mit den Interessen des Rests der Welt unverändert hervorgehen.
Zugegeben, nicht alle Stellen können ins Ausland verlagert werden. Aber es ist wirklich erstaunlich, wenn man Amerika verlässt und dann zurückkehrt und dieser Einstellung wieder begegnet, die den amerikanischen Lebensstandard für ein Geburtsrecht hält, das nicht erst durch harte Arbeit erworben werden muss. Ich generalisiere. Sicher, es gibt Ausnahmen.
Viele Menschen arbeiten jeden Tag sehr hart. Aber ich frage mich ob diese Leute auch nur die geringste Ahnung von der Migration des Wohlstands haben, die ich in einem meiner Bücher beschreibe und die irgendwann die Verbraucher strafen wird, die nicht sparen, nicht arbeiten und mit Schulden beladen sind, und die manche Anleger mit Gewinnen belohnen wird.
Werfen Sie einen Blick auf die Aktienmärkte der Welt, dann verstehen Sie, was ich meine. Der Dow geht weiter runter. Der Nikkei ist um 40 % gestiegen. Der FTSE um 17 % gestiegen. Australiens ASX200 um 17 % gestiegen. Deutschland, Frankreich und die Schweiz: alle gestiegen.
Man kann politisch über das alte Europa denken was man will. Wirtschaftlich gibt es auch immer noch Probleme. Allen voran die fehlenden Verbraucherausgaben um das Wachstum anzukurbeln. Aber vielleicht sind in Europa nicht ganz so viele Menschen überzeugt davon, dass die Zukunft notwendig ewig besser sein wird. Sie sind weniger bereit, heute Schulden zu machen und die Zinsen bei sinkenden Löhnen zurückzahlen zu müssen. Die Amerikaner haben da keine Gewissensbisse und sie finanzieren ihre hohen Erwartungen mit steigenden Zinssätzen.
Wenn man Geld leiht, führt das nicht automatisch zu Wohlstand. Investitionen in Unternehmen hingegen im Allgemeinen schon. Und in 2006 wird es, ebenso wie in 2005 und 2004 ganz stark darum gehen, ob die Unternehmen investieren. "Das amerikanische Wachstum hängt vielleicht von den Unternehmen ab", Ach! In dem Text wird anschließend darauf hingewiesen, dass bei fallenden Hauspreisen Investitionen in Unternehmen einspringen sollten, um die Lücke zu füllen und die Wirtschaft anzukurbeln. Neue Investitionen werden zu mehr Einkommen führen und alles wird gut.
Aber Moment mal! Hier geht es um mehr! "Trotz des hohen Schuldenniveaus", sagt man mir, "kann man immer noch sagen, dass die Amerikaner auch weiterhin auf Kredit kaufen werden, und bei sinkenden Energiepreisen, werden die Anteile des Lohns, die heute noch für Brennstoff ausgegeben werden, wieder frei, um für eine ganze Palette von Produkten und Dienstleistungen ausgegeben zu werden, die dann die Wirtschaft ankurbeln."
Das ist richtig. Energiepreise werden fallen. Höhere Zinssätze werden keine Auswirkungen auf die Verbraucherausgaben haben. Und mehr noch, sie werden auch die Unternehmen nicht davon abbringen, Kredite aufzunehmen. Ganz im Gegenteil. Die Unternehmen werden Geld ausgeben. Ausgeben und verbrauchen, anstatt zu sparen und zu produzieren, das wird sich in einer wettbewerbsorientierten Welt als der sicherste Weg in den Reichtum beweisen.
Die Leute, die so denken, sind die gleichen Leute, die am zweiten Weihnachtstag 2004 auf Video festhielten, wie die Tsunamiwellen auf sie zurollten. Ihr Schicksal stand fest.
Es ist jetzt ein guter Zeitpunkt, eine Ausnahme von der Regel zu sein. Wenn die amerikanischen Märkte fallen, sollte man sich um die ausländischen Märkte kümmern. Wenn die realen Löhne fallen, sollte man sich höhere Aktienmarkterträge im Ausland ansehen, um das eigene Portfolio in Schwung zu bringen. Und wenn alles andere nicht hilft, dann sollte man Gold und Energieinvestments kaufen. Sie steigen als Konsequenz der tektonischen Plattenverschiebungen in der Weltwirtschaft.
Die Ertragskurve – die Verteilung zwischen kurzfristigen und langfristigen Zinssätzen – hat sich zuletzt kurz umgestülpt. Das scheint niemanden zu kümmern. Es war einmal so, dass eine umgestülpte Ertragskurve als Zeichen für eine Rezession galt. Jeder der höhere Zinssätze für einen Kredit über zwei Jahre will als für einen über zehn Jahre, hat einige sehr starke Bedenken hinsichtlich der unmittelbaren Zukunft. Um diese Bedenken zu erleichtern, verlangen sie höhere Erträge für die kurzfristigen Kredite als Kompensation.
Aber das macht heute alles nicht mehr viel aus. Warum nicht? Weil die langfristigen Zinssätze von Menschen aus dem Ausland gering gehalten werden, die die amerikanischen Schatzanleihen einfach lieben. Dieser beständige Bullenmarkt bei den langfristigen amerikanischen Anleihen hält die langfristigen Zinssätze gering, während die Fed die kurzfristigen Zinssätze anhebt. Wenn es ein Rätsel ist – wie der Vorsitzende Alan Greenspan einst sagte – dann ist es mit Sicherheit ein erfreuliches Rätsel. Wird es schon bald zu Ende sein?
Ja. Dafür gibt es zwei Gründe. Erstens: Die asiatischen Zentralbanken haben den Dollar unterstützt, indem sie die amerikanischen Anleihen gekauft haben und damit die Zinssätze gering hielten. Sie haben das getan, um die Handelsgewinne zurück in die amerikanische Wirtschaft zu recyceln und so die Amerikaner zahlungsfähig zu halten. Sie hatten auch das drängende Problem, was sie mit den riesigen Handelsüberschüssen in Dollar tun sollten.
Nachdem die Erträge aus den amerikanischen Investitionen zurückgehen (Aktien, Anleihen, Handelsgewinne, die zurückgehen, nachdem die Zinssätze gestiegen sind und die Verbraucherausgaben zurückgehen), macht es jetzt mehr Sinn anzufangen, in die eigenen Märkte zu investieren. Diese Art von Investition wird das tun, was sie immer tut: Sie wird Nachfrage schaffen d.h. Ausgaben. Mit anderen Worten: der gesamte Zweck der asiatischen makroökonomischen Politik wird sich von der Produktion billiger Güter für die Amerikaner auf die Förderung eines ausgeglicheneren Wachstums zuhause verlagern. (Wieder hat man es mit der Migration des Geldes zu tun)
Warum Anleihen, wenn man die Unterstützung des Dollars nicht mehr braucht? Ja, warum eigentlich? Langfristige Zinssätze werden steigen, wenn die Abhängigkeit der Welt vom Dollar zurückgeht. Und dann gibt es auch noch die OPEC.
Wie Sie vielleicht wissen, haben riesige Überschüsse bei den Petrodollars den amerikanischen Anleihenmarkt unterstützt. und mehr und mehr davon werden heute in Richtung Investitionen in die lokalen Märkte gelenkt und nicht in den amerikanischen Markt der Schatzanleihen. Zugegeben, eine nagelneue, auf dem Reißbrett geplante Stadt mitten in der Wüste entstehen zu lassen – wie die Saudis planen – ist vielleicht nicht die effizienteste Investition. Aber auch hier gilt: Was weiß ich schon von den Investitionsbedürfnissen der Saudis?
Ich weiß, dass der Rest der Welt oft mit einem wissenden und unterdrückten Grinsen auf Amerika blickt. Sie wissen, dass es nicht ewig so weitergehen kann, solange es mit geliehenem Geld finanziert wird. Sie wissen auch, dass Lebensstandards kein kulturelles Geburtsrecht sind. Und viele von ihnen sind bereit, härter zu arbeiten, für weniger und länger.
Man kann das nicht einfach so pauschalisieren, wie ganze Länder und Regionen sich wirtschaftlich verhalten. Aber wenn Statistiken überhaupt einen Sinn haben, dann erzählen sie uns, was die Leute mit ihrem Geld machen. Das wiederum lässt Aufschluss über die Entscheidungen zu, die sei fällen. Und wenn man noch einen Schritt weiter geht, dann kann man versuchen herauszufinden, warum jemand eine bestimmte Entscheidung anstelle einer anderen trifft.
Ich werde dabei natürlich nicht viel weiter gehen. Warum kauft eine Hausfrau in L.A. einen zweiten Geländewagen anstelle von japanischen Bankaktien? Warum kauft ein Händler in Bombay eher ein goldenes Armband als Google? Wir können ihre intimsten Motive nicht kennen. Aber wir können erfahren, dass manche Menschen den Konsum für die natürlichste Sache am obersten Ende der weltweiten Nahrungskette halten, während andere ihren Konsum hinauszögern und vorher sparen und investieren.
Was bedeutet all das für den Markt der Anleihen, die Ertragskurve und den Aktienmarkt? Es bedeutet, das die wettbewerbsorientierten Firmen, die an den amerikanischen Börsen gelistet sind und die ihre Profite an einem wachsenden weltweiten Markt machen, großartige Investitionsmöglichkeiten bieten. Es bedeutet, dass Firmen, die sich weiterhin auf den amerikanischen Konsum verlassen und auf geringe Energiepreise, keine großartigen Investitionsmöglichkeiten sind.
Es bedeutet auch, dass es bei den langfristigen Zinssätzen im Moment eine innewohnende, sprungfederartige Natur gibt. Sie haben sich aufgerollt um auseinander zu springen. Es ist so, als säße ein wohlwollend wirkender, fetter Mann darauf, der sich nach einem kühlen Ort umgesehen hat, an dem er seinen Körper nach einem heißen Arbeitstag in der Sonne ausruhen kann.
Er weiß, dass er nicht ewig hier sitzen kann. Er muss irgendwann wieder aufstehen und wieder etwas produktiveres mit seiner Zeit und seinem Geld tun, es an Orte bringen, wo es seinen Reichtum weiter wachsen und seine Kinder weiter erfolgreich sein lässt oder dafür sorgt, dass sie wenigstens besser dastehen als er.
Wenn er aufsteht – d.h. wenn das wohlbedachte Kaufen langfristiger amerikanischer Schatzanleihen aus dem Ausland weniger wird oder ganz versiegt – dann werden die Federn hochschießen. Das ist eine schreckliche Aussicht für diejenigen, die hohe Schulden haben. Für Leute mit Gold, ist das eine wunderbare Aussicht.