Griechische Sparbemühungen
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 24. Januar 2012, 08:30 Uhr
ENL5462
das Thema Griechenland beherrscht seit Tagen wieder die Marktkommentare. Worte wie „Einigung" und „Freiwilliger Schuldenschnitt" klingen nach Versöhnung und Lösung. Und das ist es, was die Märkte gern sehen wollen. Die Realität sieht etwas anders aus.
Griechenland ist pleite und kann seine Schulden nie mehr zurückzahlen (ja ich weiß: das gilt für fast ganz Europa, USA, Japan auch). Zugeben will das natürlich Niemand. Also werden jetzt - im Gespräch sind bis zu 70 Prozent - die Altschulden zum größten Teil einfach nicht mehr bedient und man nennt das Ganze einen freiwilligen Schuldenschnitt. Fraglich ist zur Stunde, ob die Griechen damit durchkommen (politisch gewollt scheint es jedenfalls zu sein, was ein großes Argument dafür ist). Es ist abzusehen, dass viele der involvierten Hedgefonds eine derartige „Einigung", die unter Androhung von Zwangsmaßnahmen durch die griechische Regierung zustande kommt, nicht mittragen werden und dagegen klagen. Wie schon im Jahr 2002 bei der Staatspleite in Argentinien haben sie gute Aussichten, ihre Verluste dann auch irgendwann erstattet zu bekommen. Nebeneffekt: Griechenland wird in diesem Fall kein Geld mehr am Anleihemarkt aufnehmen können, solange diese Forderungen nicht bedient wurden.
Aber was passiert dann weiter? Die griechischen Reformanstrengungen lassen deutlich zu wünschen übrig. Während die Bevölkerung und die freie Wirtschaft unter den immer neuen Steuern und Abgaben ächzen, gibt es den Sparkurs im staatlichen Bereich bestenfalls auf dem Papier. Die zum Jahresende 2011 versprochenen Privatisierung-Pläne sind nur noch Makulatur. Vor allem die griechischen Sparbemühungen im öffentlichen Dienst sind bisher eine Farce: Von den versprochenen 30.000 Stellen wurden gerade einmal 1.000 Posten gestrichen. Das Land ist weit davon entfernt, auch nur ansatzweise wettbewerbsfähig zu sein oder auch nur einen Anflug von Wirtschaftswachstum zu haben, das Steuereinnahmen sicherstellen könnte.
Erfolgreich umgesetzte Sparziele sind jedoch Voraussetzung für die nächsten Hilfszahlungen und damit für eine Vermeidung (oder besser Hinauszögerung) der offiziellen Staatspleite am 20. März, wenn größere Pakete griechischer Staatsanleihen fällig werden. Bundesfinanzminister Schäuble sagte gestern bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Baroin und den Chefs der Notenbanken in Paris, dass man die zweite Hilfstranche im März zwar gerne ausbezahlen möchte, jedoch sichergestellt werden müsse, dass das griechische Haushaltsdefizit in zehn Jahren nach der Restrukturierung „nicht viel größer sein dürfe als 120% des BIP". Viele Volkswirte halten dies selbst mit einem erzielten Schuldenschnitt für aussichtslos. Es braucht keine hellseherischen Fähigkeiten, um vorherzusehen: Das Thema griechische Schulden wird in den nächsten Jahren ein Dauerbrenner werden. Und noch enorm viel Geld kosten.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Hartmut Fischer (24.01. 2012 10:39 Uhr):
.....bis auch die Geldgeber endgültig pleite sind, auch wenn sie über die EZB-Gelddruckmaschine verfügen. Es leben die EUdSSR und die Hochverräter in Parlament und Regierung !
Antworten - Kommentar von Palmen Hermann (24.01. 2012 11:45 Uhr):
Ich denke an die richtigen Interessen der Kreditgeber. Bei hohen summen gibt es immer eine Kreditausfallversicherung o. ä. Beim freiwilligen Verzicht könnte diese Regressmöglichkeit drastisch reduziert werden. Auch bietet die Bilanzierung solcher Forderungen interessante steuerliche Möglichkeiten, da man durch Rückstellungen u. a. Steuerzahlungen herauszögern kann.
Antworten - Kommentar von Albert Karl (24.01. 2012 12:44 Uhr):
Wir unterstützen mit unseren Steuergeldern ja weniger das griechische Volk, als vielmehr die Hedgefonds und die bis vor kurzem noch maroden Bankgesellschaften, die uns letztlich in diesen Schlamassel hineingeführt haben. Wir wissen doch schon heute, dass die am 20.03.2012 fälligen Staatsanleihen nicht mehr bedient werden können. Statt des mit den Banken ursprünglich vereinbarten Schuldenschnitts von 50% sollen jetzt 70 Prozent ausgehandelt werden. Diese "Umschuldung" ist doch nichts anderes als eine Staatspleite! Die ganzen Reformerfolge sind also mehr oder weniger verpufft - die obere Klasse hat noch schnell ihren Rahm abgeschöpft und das einfache Volk muss darben. So einfach ist das. Da fliegen seit gut einem Jahr diese hochbezahlten abgesandten Kontrolleure hin und her und berichten - ja, wem eigentlich - mit der Maßnahme, dass nicht`s geschieht, ausser dem europäischen Steuerzahler und besonders dem Deutschen überproportional in die Taschen zu greifen. Nochmals: Was haben die mittlerweile getätigten Transferleistungen durch die EU bzw. die griechischen Sparbemühungen denn letztlich gebracht? Wo bleiben hier die Reformerfolge? Griechenland hat keine soliden Finanzen mehr, ist weder flüssig und von einer wettbewerbsfähigen Wirtschaft ganz zu schweigen. Es wird Zeit, dass sich Griechenland vom Euro trennt. Und wenn die Hedgefonds meinen, sie müssten einen erhöhten Schuldenschnitt (von 50 auf 70%) einklagen, dann sollen sie es doch tun. Die Gläubiger müssen im Pleitefall eh ein paar hundert Milliarden Euro mehr abschreiben - da sind sie bei Gott selbst schuld. Wir haben von Herrn Voigt ja gelernt, dass es für die Gläubiger nicht lohnt, einen Haircut zuzustimmen, denn dann werden auf ihre griechische Anleihen abgeschlossenen CDS-Ausfallversicherungen nicht ausgezahlt (und dann sind hier wieder die amerikanischen Großbanken involviert, die diese Versicherungen ausgestellt haben. Jetzt wird auch verständlich, warum die USA so heftig darauf drängt, dass wir Europäer das Kreditvergabevolumen des EFSF-Fonds auf wenigstens 1,5 Billionen Euro hebeln sollen. Wohl wissend, dass ihre Großbanken bei einer Pleite von einigen europäischen Staaten dann große Schwierigkeiten bekämen. Es wird Zeit, dass endlich in Berlin die geplanten Regeln und Gesetze eingeführt werden, um die deutschen Anleger und die hart arbeitende Bevölkerung besser zu schützen.
Antworten- Antwort von Hartmut Fischer (25.01. 2012 10:32 Uhr):
Unsere Regierenden und unsere blauäugige ? "Volksvertretung" nicken den Euro-Putsch gegen die Interessen ihres eigenen Volkes ab ! Sie vertreten damit vertragswidrig objektiv die Interessen fremder Staaten und sind somit Hochverräter!
- Antwort von Hartmut Fischer (25.01. 2012 10:32 Uhr):
- Kommentar von Heinz (24.01. 2012 22:48 Uhr):
eine handvoll Politiker entscheiden so einfach, daß die DM abgeschaft wird. Für 80 Millionen Menchen- ohne zu fragen. Es wird bis heute nur gelogen, betrogen und am Ende haben wir alles verloren. Die handvoll Träumer von Poli- tiker, gehen dann gut versorgt in den Ruhestand und waschen ihre Hände in Unschuld. Dann kommt die nächste Gaukler Gruppe von Politiker, beschwört uns, sie erden den Karren jetzt wieder aus dem Dreck ziehen. Lehrer-Gewerkschaftler-Rechtsanwälte. Keine Ahnung von wirtschaftlichen Zusammen hängen. Und Menschen wie Schäuble möchten die ganze Regierungsmacht an Brüssel abgeben. Damit hat keiner hier mehr etwas zu sagen. Brüssel sagt uns wieviel Geld wir abzugeben haben. Merkt das keiner ? Die Journalisten die immer auf ihre Pressefreiheit pochen - hier sagt keiner etwas! Pfui kann ich da nur sagen.
Antworten- Antwort von Albert Karl (25.01. 2012 21:09 Uhr):
Die "gescheiten" Politiker wundern sich, woher die Politikverdrossenheit herrührt! Ein Teil ist beispielsweise genau das, was Sie angesprochen haben:"Die Journalisten die immer auf ihre Pressefreiheit pochen - hier sagt keiner etwas!" Ja warum wohl? Weil die Wahrheit den Bürgern vorenthalten werden muss! Dazu muss man wissen, dass die Bundeskanzlerin im Okt. 2008 die wichtigsten Chefredakteure deutscher Medien zu sich gebeten - und offiziell zum Schweigen aufgefordert hat. Angeblich im Staatsinteresse. Aus Gründen der Staatsraison duften die Bürger nicht die volle Wahrheit über die damals schlimme Lage der Staatsfinanzen und der sich entwickelnden Wirtschaftskrise erfahren. Die Medien sollten sich zurückhalten, lieber positive Nachrichten unters Volk bringen. Frau Bundeskanzlerin forderte die Journalisten dazu auf, zurückhaltend über die tatsächliche Lage zu berichten. Die Medien haben sich an diese Weisung aus dem Kanzleramt offenkundig gehalten. Sie haben die Wahrheit ganz brav verborgen. Alle bekannten Medien handelten so und unterdrückten die Wahrheit. Die Berliner taz schrieb im Februar 2009 über die merkwürdige Zurückhaltung deutscher Medien bei der Bericherstattung über die wahre Lage der Wirtschaftskrise: "Sie halten die Bürger bei Laune, auf dass diese stillhalten. Wie viel Geld in die Banken gepumpt wurde, wieviele Milliarden Bürgschaftszusagen vergeben wurden, das steht auch nicht in der Zeitung". Enthüllt hat das damals alles Jakob Augstein. Ausnahmslos alle großen Medien haben demnach im Auftrag der Bundeskanzlerin die Wahrheit vertuscht. Die Bild-Zeitung bekam nach Angaben von J. Augstein sogar einen Preis - weil sie so <<verantwortungsvoll<< berichtet habe. Im Prinzip sind die großen Qualitätsmedien demnach nichts anderes als staatliche Pressesprecher - willfährige Verlautbarungsorgane der Regierung. All das Herr Heinz, macht traurig insbesondere auch, weil der Staat in Zukunft immer mehr für Zinsen seiner aufgenommenen Kredite ausgeben muss und deshalb in absehbarer Zeit vielmehr kein Geld mehr vorhanden sein wird, um Sozialleistungen weiterhin in derzeitiger Höhe bezahlen zu können. Grüße, AK aus München
- Antwort von Albert Karl (25.01. 2012 21:09 Uhr):
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