Griechische Könige
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 05. Juli 2004 12:00 Uhr
ENL5454
Zunächst einmal Glückwunsch an die griechische Mannschaft und an König Otto II. "Rehakles" zum Gewinn der Fußball-Europameisterschaft! Otto II. deshalb, weil die Griechen schon einmal einen König Otto hatten. 1832 – Griechenland hatte gerade seine Unabhängigkeit vom türkischen Reich erkämpft – wurde der Wittelsbacher Prinz Otto von der griechischen Nationalversammlung zum König gewählt. Das war Otto I., ein waschechter Bayer auf dem griechischen Thron. Da hatte ich ja den richtigen Riecher, als ich mich gestern Abend in ein griechisches Restaurant begeben hatte ...
Und zum Abschluss der EM 2004 ein kleiner Beitrag zur Deutschen Nationalmannschaft. Trader's Daily-Leser Richard M. hat folgende Analyse erstellt:
"Charttechnik: Die Deutsche Fußball-Nationalmannschaft befindet sich seit dem letzten Alltime-High 1990 (WM) in einer übergeordneten Baisse. Korrekturen gab es noch 1996 (EM) und 2002 (Vize-WM). Tiefpunkte waren (bisher) 2000 und 2004 (Vorrunden-Aus)."
"Fundamental-Analyse: Würde man einen Chart über den Marktwert der Spieler erstellen, er verliefe in Korrelation dazu. Sichtbar würde das vor allem an der 'Handelsbilanz' der Spieler. Die Nationalspieler der zur Zeit besten Europäischen Teams spielen überwiegend im Ausland, während gleichzeitig wenig ausländische Spieler in diesem Land spielen. Die Länder mit den schlechtesten 'Handelsbilanzen' (Spanien, Italien, Deutschland) sind z.B. bei der laufenden EM bereits ausgeschieden. Die 'Fußballspieler-Handelsbilanz' von Deutschland ist seit etwa Ende der 80er Jahre am abnehmen. Die 'Produkte' deutscher Spielkunst (Disziplin, Kampfkraft, taktische Finesse) sind im Ausland immer weniger gefragt, wogegen die 'Produkte' ausländischer Spieler (Kreativität, Spielwitz, Technik) mehr nachgefragt werden. Das Ergebnis ist eine 'Stagflation' im Deutschen Fußball, Deflation beim Marktwert deutscher Spieler und Inflation beim Einsatz von fremden Kickern. Die Vereine importieren billige Ware, in die 'Produktion, Forschung und Entwicklung' im Inland (Ausbildung von jungen Spielern) wird weniger investiert."
"Charttechnischer Ausblick: WM-Qualifikation 2006: gesichert dank Heimvorteil. WM-Endrunde 2006: Viertelfinale, falls günstige Gruppenauslosung. WM-Qualifikation 2010: gefährdet."
Ich sage nicht, dass das meine Meinung ist. Denn dieses ewige Lamentieren und "sich-selbst-runtermachen" gefällt mir überhaupt nicht. Beispiel N24: Da meinte doch nach dem Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft ein Wirtschafts-Professor tatsächlich, dass das ein Resultat der aktuellen deutschen Mentalität sei. Die Deutschen seien nun einmal "Warmduscher".
Mein Kommentar dazu:
Ich erinnere mich daran, dass Rudi Völler in einer Pressekonferenz während der EM sehr sympathisch auf harte Fragen sinngemäß antwortete "Wir sollten nicht vergessen, dass es hier 'nur' um ein Fußballspiel geht. Nicht mehr und nicht weniger."
Außerdem fällt mir der Kommentar meines amerikanischen Nachbarn und Freundes Dave ein, der seine Meinung dazu klar und eindeutig zum Ausdruck brachte: "Jesus Christ, folks! It's just a f ... ing game!!"
Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Woche,
Michael Vaupel