Mr N. N. in Kapitalschutz Akte zum Thema Aktien
vom
Oh oh oh - die Nachrichten aus den Krisenländern der noch existierenden Euro-Zone wollen einfach nicht besser werden. Im Gegenteil. Gestern vermeldete das Statistikamt Spaniens desaströse Zahlen vom spanischen Einzelhandel. Sogar amtlich offiziell zugegeben. Seit 22 Monaten in Folge beklagen die Einzelhändler rückläufige Umsätze. Im Monat April des Krisenjahres 2012 ging es brachial nach unten. Insgesamt brach der Einzelhandelsumsatz real gegenüber dem Vorjahr um sage und schreibe 11,3 Prozent ein. Besserung ist bei weitem nicht in Sicht; gut möglich, dass sich die Abwärtsdynamik in den kommenden Monaten nochmals beschleunigen wird.
Griechische Aktien als Vorreiter?
Apropos Abwärtsdynamik, nahezu beispiellos ist der Zusammenbruch des griechischen Aktienmarkts. Historisch wohl allenfalls mit dem Kursdebakel zwischen 1929 und 1932 halbwegs zu vergleichen. Ja, im Jahr 2008 stand der Athex Composite bei über 5000. Gestern ging er mit einem Plus von fast zwei Prozent aus dem Handel. Und zwar bei einem Stand von 528,14. Zugegeben, in den letzten Tagen notierte er sogar deutlich unter 500. Das Tief lag bei 484. Also, Athens Börse hat in den extremen Krisenjahren seit 2008 bereits 90 Prozent verloren. Der Markt - soweit man davon noch sprechen kann - ist regerecht ausgebombt. Zusammengebrochen. Ausradiert.
Kollaps der OTE-Aktie
Bestes Beispiel für das beispiellose Debakel ist das Papier der OTE, der griechischen Telekom also. Hier sei vielleicht erwähnt, dass die Deutsche Telekom noch im Juno des vergangenen Jahres rund 49 Millionen OTE-Aktien für rund 400 Millionen Euro erwarb. Anders formuliert, die Deutschen waren bereit, gut acht Euro je OTE-Aktie zu bezahlen. Sicherlich erschien das in Relation zu den Kursen aus dem Jahr 2008 als Schnäppchen". Ja, zu Beginn des Schicksalsjahres 2008 wurden für eine OTE-Aktie noch 26 Euro bezahlt. Gestern ging das Papier in Athen mit einem Schlusskurs von 1,43 Euro aus dem Handel. Ja, Sie lesen richtig, 1,43 Euro je Aktie. Richtig, seit dem Jahr 2008 liegt das Minus bei 94,5 Prozent. Und es könnte im Schicksalsmonat Juno 2012 noch schlimmer kommen. Schlimmer und tiefer geht immer. Das ist die bittere und harte Lektion der letzten Krisenjahre.
Vorreiter für andere Aktienmärkte?
Zugegeben, der extreme Zusammenbruch der hellenischen Aktien mag durch die Sonderkrisensituation des Mittelmeerlandes noch verstärkt worden sein. Dennoch wäre es äußerst fahrlässig, überheblich und hochnäsig auf die Hellenen herabzusehen. Im Gegenteil. Selbst die überzeugtesten Bären werden sich einen derart drastischen Kurskollaps eines Aktienmarkts einer halbwegs entwickelten westlichen Industrienation kaum vorstellen können. Zumindest auf nominaler Basis nicht.
Aber, mit Blick auf die reale, sprich inflationsbereinigte Entwicklung, könnte es in den kommenden Krisenjahren durchaus zu hellenischen Verhältnissen kommen. Zugegeben, es sieht optisch" schöner aus, wenn die Kurse im Wesentlichen stagnieren und nicht brutal einbrechen und gleichzeitig aber die Inflationsraten signifikant nach oben gehen werden.
Ja, es drohen bittere Zeiten mit vielen Jahren negativer Realrenditen. Sowohl für Sparer wie auch höchstwahrscheinlich für Aktionäre.
Die Zeit der Großenteignung steht an...
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