Griechenlandkrise ist für Versicherer kein großes Risiko!
Franz-Josef Buskamp (Chefredakteur "Value Investor") in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 8. Juli 2011, 17:00 Uhr
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die positive Entwicklung der deutschen Konjunktur schlug sich im ersten Quartal auch in den Ergebnissen der Unternehmen nieder. Hauptereignisse waren gegen Ende des ersten Quartals das verheerende Erdbeben und der Tsunami in Japan, von dem die Versicherer durch außergewöhnlich hohe Schadensfälle betroffen waren. Zuvor waren bereits wegen des Erdbebens in Neuseeland und der Flut in Australien hohe Schäden zu verzeichnen. Diese Großschadenereignisse belasteten vor allem die Ergebnisse der Rückversicherer – hier insbesondere die weltweite Nummer 1 – Münchener Rück – und ihre Konkurrentin Swiss-Re, die hohe Quartalsverluste auswiesen.
Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals über so hohe Schaden-Kosten-Quoten jenseits der 150%-Marke berichtet zu haben. Denn nur bei Quoten unterhalb von 100% arbeitet ein Versicherer profitabel. Es soll auch nicht unerwähnt bleiben, dass die weltweit inzwischen auf Rang 3 aufgestiegene Hannover Rück im ersten Quartal trotz der hohen Schadenbelastungen einen Gewinn ausweisen konnte. Das Schlimmste sollte somit überstanden sein, das setzt aber eine ruhige Hurrikansaison voraus.
Die Aktien der Versicherer fielen nach dem Erdbeben in Japan zunächst deutlich. Die Kursrückgänge hielten sich dennoch in Grenzen, weil die Schäden von den Märkten als Jahrhundertereignis eingestuft wurden. Von dem Unglück in Fukushima sind die Versicherer nicht betroffen, da die entsprechenden Risiken aus Atomunfällen nicht versicherbar sind. Zudem führten die hohen Schadenbelastungen zu deutlichen Steigerungen bei den Prämieneinnahmen in den Vertragserneuerungsrunden ab April, die sich hauptsächlich auf die Regionen Japan und Australien konzentrierten.
Sollte in Griechenland eine Umschuldung oder gar ein Schuldenschnitt nicht vermieden werden können (wenngleich diese Maßnahmen jüngst von der EZB abgelehnt wurden), fragen sich Aktionäre – insbesondere Inhaber von Lebensversicherungen und Altersvorsorgeprodukten –, in welchem Umfang die Versicherungsunternehmen betroffen wären.
Die deutschen Versicherer haben nach eigenen Angaben ihre Anlagen in griechischen Staatsanleihen innerhalb eines Jahres halbiert. Die Engagements können inzwischen als marginal eingestuft werden. Bis Ende März waren diese Engagements von 5,8 Mrd. ? auf 2,8 Mrd. ? reduziert worden, sodass der Bestand an griechischen Staatsanleihen auf unter 0,5% der Kapitalanlagen gesunken ist. So hält die Lebensversicherungstochter der Münchener Rück, Ergo, 0,9% ihrer Anlagen in Griechenland. Bei Allianz Leben belaufen sich
die Investments in Staatsanleihen von Portugal, Irland, Griechenland und Spanien auf lediglich 0,2% der Kapitalanlagen.
Sollte es somit zu einem späteren Zeitpunkt doch noch zu einer Umschuldung oder gar einem Schuldenschnitt in Griechenland kommen, würden die Versicherer dadurch nicht unter Druck geraten. Und zur Erinnerung: Die deutschen Versicherer lieferten im Rahmen der Finanzkrise 2008 im Gegensatz zu den Banken ein gutes Bild ab – sie konnten sich entsprechend schnell und aus eigener Kraft wieder erholen.
Herzlich Ihr
Franz-Josef Buskamp
Anmerkung der Redaktion:
Franz-Josef Buskamp ist Chefredakteur des Börsendienstes "Value Investor". Dieser hat sich zum Ziel gesetzt, durch die Anlage in unterbewertete Substanzwerte systematisch risikoreduziert überdurchschnittliche Renditen zu erwirtschaften. Mehr Informationen (z.B. wie Sie diesen Test zu extrem günstigen Konditionen testen können), finden Sie hier.
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