Griechenlandkrise
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 26. März 2010, 08:30 Uhr
ENL5454
ein wichtiges Tagesereignis waren gestern die Reden der beiden Notenbankchefs. Fed-Chef Bernanke stellte einmal mehr das in Aussicht, was er am besten kann: Die Zinsen sollen noch eine ganze Weile niedrig bleiben. Da die Beschäftigungssitutation sehr schwach sei, sei die bequeme Geldversorgung weiter gerechtfertigt. Auch der Immobilienmarkt sei weiter schwach, doch der Kauf von Hypotheken im Umfang von 1.250 Mrd. habe den Markt stabilisiert. Nun, da sind dem guten Mann anscheinend die jüngsten Daten aus dem Sektor noch unbekannt geblieben (ich berichtete in den vergangenen Ausgaben). Immerhin ist die Fed offen für eine Überprüfung der Verlängerung ihrer Notfallmaßnahmen. Ich denke, dies hat der US-Immobiliensektor auch bitter nötig, nachdem von dort Daten kommen, die schlechter ausfallen als auf dem bisherigen Höhepunkt der Krise vor fast genau einem Jahr.
Bewegung kam gestern auch in die Griechenlandkrise. Die Zeit drängt auch, denn bis zum Mai benötigt das hochverschuldete Land dringend Überbrückungskredite, sonst droht der Zahlungsausfall. Angela Merkel und Nikolas Sarkozy hatten in einer gemeinsamen Erklärung verlauten lassen, dass es ein Hilfspaket für Griechenland mit "substantieller" Beteiligung des IWF geben werde. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hingegen bezeichnete die beabsichtigte Einschaltung des IWF in eine Hilfsaktion für Griechenland kurz darauf als "negativ", was den Euro weiter in den Keller schickte. An den Aktienmärkten sorgte die Bewegung in dieser Frage aber offensichtlich für Erleichterung.
Etwas seltsam ist es derzeit schon, wie gegenteilig Aktien- und Devisenmärkte das Geschehen um die Griechenlandproblematik bewerten. Ich denke, Sie sollten sich nicht zu viele Gedanken um einen fundamentalen Bezug dieser Bewegungen machen, weil es den einfach nicht gibt. Momentan werden einfach die vorherrschenden Trends (ungeachtet der Nachrichten) fortgesetzt. Die zeigen am Aktienmarkt aufwärts und beim Euro abwärts. Bei Aktien sind viele insitutionelle Anleger long positioniert, beim Euro enorm viele Hedgefonds short (man spricht bereits von historischen Dimensionen). Die haben sicher kein Interesse daran, dass die Trends zu früh wieder kippen. Aber eines Tages werden sie das sicher. Dann sehen wir wieder sehr heftige Bewegungen in die andere Richtung, weil sich plötzlich wieder alle am Ausgang drängeln. Ich wäre daher bei beiden Trends etwas vorsichtig (beim Euro noch deutlich mehr), wie lange diese sich noch fortsetzen. Noch sind sie aber völlig intakt.