Griechenland
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 30. Mai 2011, 08:30 Uhr
ENL5454
auch in dieser Woche dürfte es weiterhin Belastungen für deutsche Aktien geben, die von der erneuten Zuspitzung der europäischen Schuldenkrise ausgehen. In Griechenland waren am Freitag Gespräche zwischen Regierung und Opposition über zukunftsfähige Maßnahmen zur Lösung sind gescheitert. Das Handelsblatt stellt nun die Frage, ob das Land ausreichende Sparmaßnahmen vorweisen kann, um von der EU und vom Internationalen Währungsfonds im Juni den nächsten und lebenswichtigen Kredit über zwölf Milliarden Euro zu erhalten. EU-Währungskommissar Olli Rehn drängt die Griechen zu einer schnellen Entscheidung. „Der Juni ist der kritische Monat für die Bewältigung der Schuldenkrise", sagte Rehn der Zeitung „Die Welt". Der kommende Monat könne der Anfang vom Ende der Krise werden oder eine verpasste Gelegenheit.
Der griechische Zentralbankgouverneur Giorgos Provopoulos dementierte derweil Gerüchte, Griechenland stehe vor einem Austritt aus der Eurozone und der Rückkehr zur Drachme. Vor einer solchen Konsequenz hatte kürzlich die griechische EU-Kommissarin Maria Damanaki gewarnt. Die griechische Bevölkerung trifft inzwischen auf ihre eigene Art Vorsorge. Zahlreiche Sparer belagerten am Freitag Bankfilialen, um ihre Ersparnisse abzuheben. Bei vielen Banken gingen die größeren Banknoten zur Neige. Von Januar 2010 bis April 2011 sind die privaten Geldeinlagen auf griechischen Konten auf 165,5 Milliarden EUR zurückgegangen; ein Minus von 31 Mrd. EUR oder 15%.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) gibt sich derweil optimistisch, was eine Sanierung Griechenlands angeht. Eine Sprecherin der Organisation wies einen „Spiegel"-Bericht zurück, wonach Griechenland alle seine Sparziele verfehlt haben soll. Die Beratungen mit den griechischen Behörden dauerten an und machten gute Fortschritte. Der IWF rechne damit, dass die Gespräche bald abgeschlossen werden könnten.