Griechenland – wir debattieren weiter!
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 2. März 2010, 20:00 Uhr
ENL5462
Auch heute wollen wir uns erneut dem Thema Griechenland zuwenden! Ich weiß, Sie alle haben sich eine Meinung zu dieser Thematik gebildet und ich freue mich sehr über die vielen Zuschriften und Kommentare. Ich bin bestrebt, so gut es geht, auf das Gros Ihrer Kernthesen einzugehen, auch wenn ich vielleicht nicht auf jeden einzelnen Kommentar reagieren kann.
Nun gut, ich will nicht lange herum reden und überlasse dem ersten Leser das Wort:
Leser M.H. schreibt zum Rohstoff-Daily-Beitrag vom 15.02.:
Miriam Kraus hat Recht und es ist wie immer wohltuend ihre Kommentare zu lesen. Nur die Schlussfolgerung sehe ich ein wenig anders. Der Euro ist bei 1,36 immer noch völlig überbewertet und erst bei 1:1 sehe ich eine gerechte Bewertung zum USD. Das würde auch unserer Exportwirtschaft wieder mehr helfen, es wäre sogar zu hoffen der Euro wird noch schwächer, sagen wir 80 Cent. Dem Markt passt das nicht, aber auch nur weil er den USD geshortet hat. Dazu passen auch die fundamental nicht gerechtfertigten hohen Ölpreise oder die der Edelmetalle. Ach ja, eine Hilfe für Griechenland und in der Folge für Spanien, Portugal etc. kann niemand ernsthaft wollen, dann schon lieber den Euro kollabieren lassen.
Herr H. Vielen Dank!
Ich stimme Ihnen zu, dass gemessen an der Kaufkraftparität EUR/USD bei aktuell 1,3608 überbewertet ist. Gemessen an dieser Parität dürfte der faire Wert etwa bei EUR/USD 1,20 liegen. Und natürlich gebe ich Ihnen Recht, dass ein schwächerer Euro unterstützend für die Exportwirtschaft nach Asien und Amerika wirkt. Dies muss insbesondere aber auch für die südeuropäischen Volkswirtschaften gelten, die sich zu Netto-Exporteuren entwickeln müssten.
Der springende Punkt allerdings, der den Eurozonen-Verantwortlichen die Schweißperlen auf die Stirn treibt, ist nicht zwangsläufig eine relative EUR/USD-Schwäche, sondern viel mehr die Angst vor dem Vertrauens- und Stabilitätsverlust in die und der Einheitswährung. In diesem Zusammenhang ist es bezeichnend, dass sogar die USA mit ihrem Rekorddefizit und der anhaltenden Niedrigzinspolitik (und ich gehe im Hinblick auf den US-Arbeitsmarkt und die Refinanzierung der Hypothekenverbindlichkeiten davon aus, dass diese Politik so schnell noch nicht ihr Ende gefunden haben wird) aktuell ein höheres Vertrauen auf sich vereinigen können. Die Marktteilnehmer haben grundsätzlich ein Interesse daran, dass eine Währung stabil wirkt - wenn in der Euro-Zone aber ein clownesques Mitmachtheater aufgeführt wird, schreckt dies die weltweiten Kapitalgeber eher ab. Den Amerikanern dagegen scheint man zumindest ansatzweise abzunehmen, dass sie hinter dem US-Dollar stehen. Wie ich gestern schon schrieb, ist es in diesem Zusammenhang eher die Geschwindigkeit in der die - ich sage einmal - Euro-Turbulenzen auftreten, als die aktuelle EUR/USD-Notierung, welche Anlass zu Sorge für die Euro-Land-Regierungen bietet.
Herr H. fordert zum Abschluss seines Kommentars vorzugsweise den Euro-Kollaps. Ich muss allerdings gestehen, dass ich die Aussicht, zum zweiten Mal innerhalb einer Dekade einer Währungsreform unterworfen zu werden, auch nicht gerade als verlockend empfinde.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Helmut Höhenberger (03.03. 2010 10:35 Uhr):
Was wir jetzt erleben ist im Grunde nur das Auffliegen des Taschenspielertricks bei der Euroumstellung, damals wurde er auf das Doppelte gepusht, so kommt alles wieder zurück,wäre nicht passiert wenn man die DMark 1:1 umgewandelt hätte. Nun richtet es der" Markt" wieder.So läuft es eben wenn Politiker in unverantwortlicher Weise manipulieren!Gewarnt wurde von allen Seiten,wir werden sehen in welche Tiefen der EURO noch rauscht.
Antworten - Kommentar von Friedrich (03.03. 2010 10:46 Uhr):
Jede Medaille hat zwei Seiten. Und ein schwacher Euro bedeutet nicht nur bessere Exportchancen, sondern vor allem steigende Energiepreise und zweistellige Inflationsraten. Eine starke Währung bringt dagegen Kapitalzuflüsse von Investoren und erhöht damit die Produktivität (Effizienz) der Wirtschaft. Schwachwährungsländer verlieren immer an Wettbewerbsfähigkeit und schaden sich daher auf Dauer selbst.
Antworten - Kommentar von Gunther Kümel (03.03. 2010 16:11 Uhr):
Man kann sich nur wundern, wieso Griechenland eigentlich zum Euro zugelassen wurde. man konnte es doch von den Dächern pfeifen hören, daß die Zahlen alle gröblich gefälscht waren. Hat da irgend ein Großer Bruder Druck ausgeübt? Genau dieselbe Frage stellte ich mir bei der "Subprime Crisis". Die Banken der Welt konnten doch nicht wirklich so blöde sein, um nicht zu wissen, daß einer nicht zahlen kann, der nichts hat. Auch das konnte man in allen Zeitungen lesen, es war "offenkundig". Wer könnte denn interveniert haben? Sind wir alle tributpflichtig?
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