Griechenland steht wieder zur Debatte
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 7. April 2010, 20:00 Uhr
ENL5454
ja, heute ist es wirklich wieder an der Zeit über Griechenland nachzudenken! Zwar hatte der Markt den Griechen ja nun eine kurze Pause gegönnt und sich gelangweilt mal kurz zurückgezogen, dafür reagiert er nun wieder um so erschreckter auf die neusten Meldungen. Als seien Griechenlands Probleme mal eben verschwunden und dann wieder zurückgekehrt. ;-) Der Markt scheint manchmal Gedächtnislücken zu haben. Doch lassen wir das....gehen wir lieber zu den Fakten über!
Erst enttäuscht Griechenland beim Anleihenverkauf...
Schon in der letzten Woche war aber eigentlich abzusehen, dass das mit der Griechenland-Geschichte noch immer nicht weit her ist, als die Hellenen versuchten mal wieder ein bisschen Geld aufzunehmen. Am vergangenen Dienstag hatte das Land überraschend angekündigt, eine im Jahr 2002 begebene Anleihe (Kupon 5,9% Fälligkeit 2022) um bis zu 1 Milliarde Euro aufstocken zu wollen. Doch das Ergebnis war mehr als enttäuschend: Griechenland schaffte es lediglich Papiere im Wert von 390 Millionen Euro zu verkaufen. Damit hat sich das Land nun zwar gerade noch über den April gerettet, doch bis Ende Mai müssen weitere 11,6 Milliarden Euro aufgenommen werden.
Die Enttäuschung beim Anleihenverkauf sorgte folgerichtig auch prompt für einen weiteren Anstieg der Renditen. Auch die Prämien für Kreditausfallversicherungen (CDS) auf griechische Anleihen stiegen erneut an. Die Prämie für die Absicherung von 5-jährigen Anleihen erhöhte sich daraufhin letzte Woche um 20 Punkte auf 336 Punkte.
...und heute wird schon über die drohende Staatspleite gemunkelt
Hatte sich der Markt zunächst noch über die EU/IWF-Hilfsmöglichkeiten gefreut, kommen nun neue Sorgen auf, in Bezug auf die tatsächliche Effektivität des Sicherheitsnetzes. Nach wie vor sind sich die EU-Mitgliedsstaaten nicht einig, wie genau denn eine mögliche konkrete Hilfe aussehen könnte. Während die Deutschen den Griechen einen möglichen Kredit nur zu Marktkonditionen bieten wollen, plädieren andere EU-Staaten für einen Discount.
Tatsächlich aber stellen die aktuellen Marktkonditionen das größte Hindernis für die Griechen dar. Mittlerweile ist der Vertrauensschwund so groß, dass ein massiver Abverkauf griechischer Staatsanleihen die Risikoaufschläge auf neue Höchststände getrieben hat. Die Renditen für 10-jährige griechische Staatsanleihen stiegen heute bis auf 7,22% - rund 407 Basispunkte über deutschen Staatsanleihen und damit der höchste Stand seit 1998. Die Prämien für die Kreditausfallversicherungen (CDS) sind mittlerweile 414 Basispunkte gestiegen. Wahnsinn - das bedeutet die Absicherung von griechischen Staatsanleihen im Wert von 1 Million Euro kostet bereits deutlich über 40.000 Euro.
Das Misstrauen ist groß
Mit dem Vertrauen ist es also nicht weit her. Noch nicht einmal im Inland, wie die aktuellen Daten der Bank of Greece zeigen. Rund 8 Milliarden Euro haben die Griechen in den ersten beiden Monaten des Jahres abgezogen. Kapitalabfluss pur und der erste dieser Art, seit die Griechen dem Euro beigetreten sind.
US-Roadshow oder die Griechen greifen nach dem letzten Strohhalm
Ja, tatsächlich, die Griechen wollen wohl auf Roadshow nach Amiland gehen. Kennt man sonst so aus dem Rohstoffbereich von Minen- und kleinen Explorationsgesellschaften auf der Suche nach Geld! (ob die Griechen da wohl per Power-Point-Präsentation Bilder vom Strand und der Akropolis zeigen?! ;-) ...tut mir leid, ich sollte mich nicht lustig machen, aber das ist meine Art mit der Trauer umzugehen). Nach Asien wollen sie vielleicht auch, aber das halte ich für wenig aussichtsreich, die Chinesen sind nämlich nicht sonderliche begeistert. Zhu Min, Vize der Peoples Bank of China hält Griechenland sowieso nur für die Spitze des Eisbergs. (Vielleicht warten die Chinesen ja auf interessantere Staaten, denen sie aus der Klemme helfen, vielleicht haben sie auch einfach keine Lust mehr, nachdem sie ja schon die Schulden der Amis finanzieren.)
Also auf ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten, oder so ähnlich!
Allerdings dürften auch hier die Möglichkeiten der Griechen begrenzt sein. Die in Paris ansässige Axa Investment geht davon aus, dass, sollte sich Griechenland dafür entscheiden Anleihen in den USA zu verkaufen, die Renditen für 10-jährige griechische Dollar Bonds durchaus bis auf 7,25% steigen könnten.
Herrje, im Angesicht dessen, muss man sich nun wirklich die Frage stellen, die ich schon öfter gestellt habe: wie sollen die Griechen das denn bloß bezahlen?
Das Bankrott-Gemunkel wird stärker
Obwohl Joaquin Almunia noch im Januar ganz tapfer bekräftigte, im Euro-Raum gäbe es keinen Bankrott, sprechen schon die ersten Fonds-Manager das böse Wort ganz offen aus. Der Vergleich mit Argentinien drängt sich auf, dass trotz IWF-Hilfe Ende 2001 dennoch in den Staatsbankrott abrutschte. Auch wenn Argentinien und Griechenland nicht identisch sind, bestehen dennoch Gemeinsamkeiten: zum Beispiel die Inflexibilität der Währung, die Kapitalflucht und Sparmaßnahmen, die - so notwendig sie auch sind - zu einem Wachstumsrückgang führen.
Seufz, es bleibt schwierig für die Griechen, oder besser gesagt, es wird immer schwieriger. Warten wir mal ab was über die kommenden 2 Monate passiert und ob die Griechen in der Lage sind, sich weiter zu refinanzieren.
ähnliche Beiträge:
- Griechenland-Debatte: Leser fordern Konsequenzen
- EUR/USD: Abwärtstrend steht wieder zur Debatte
- Griechenland – der Debatte nächster Teil
- Es steht heuer zur Debatte: der EWF-Plan
- Griechenland: Kurzfristige Erleichterung
- Ist wirklich nur Griechenland das Problem?
- Die Debatte um Kalifornien und Griechenland
- EUR/USD: wird es Hinweise von Trichet geben?
- Zucker: Gewinner in 2009
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Lloyd HUBER (08.04. 2010 10:33 Uhr):
Griechenland: In unserer westlichen Welt wurde in den letzten 40 Jahren ein Wertewandel eingeleitet, und zwar auf jedem Gebiet: Wirtschaft, Politik, privat, bei jedem Thema: Der Täter ist das Opfer geworden. Solidarität schreien alle !! Helfen !! - nicht bestrafen ! Es ist die Zeit gekommen, wo das Pendel zurückschlagen muss: Griechenland hat wissentlich finanziell kriminell gehandelt über Jahre. Dafür sollen sie nun auch die Folgen tragen. Strafe muss sein ! Auch für die anderen noch kommenden Bankrott Staaten ! Was für den korrekten ehrlichen Bürger gilt, gilt auch für die Grossen.
Antworten
weitere Ausgaben von
Rohstoff Daily
weitere Artikel dieser Ausgabe:
Freitag, 25. Mai 2012
Donnerstag, 24. Mai 2012
Mittwoch, 23. Mai 2012
alle AusgabenBörsenbrief: Taipan
Der Börsenbrief für internationale Trendwerte – Emerging Markets, Nanotechnologie, Biotech, Wasser, Rohstoffe, Sicherheits- und Verteidigungstechnologie
Klicken Sie hier für weitere Informationen zu Börsenbrief: Taipan