Griechenland-Rettung - Wer hat denn nun Recht?
Sven Weisenhaus in Wave Daily
vom 27. Juli 2011, 13:00 Uhr
ENL5454
aus der aktuellen Umfrage der GfK-Marktforscher unter 2000 Verbrauchern geht hervor, dass sie die Aussichten für die Konjunktur und die eigenen Finanzen skeptischer einschätzen als zuvor. Das Konsumklima für August hat sich das zweite Mal in Folge verschlechtert, auf 5,4 nach revidierten 5,5 Punkten (revidiert von 5,7) im Juli. Im März war es auf den höchsten Stand seit Herbst 2007 geklettert.
Die Konjunkturerwartung sank dabei um 5,7 auf 44,6 Punkte, die Einkommenserwartung fiel um 10 auf 34,6.
Während sich die Stimmungsindikatoren hierzulande immer weiter eintrüben, kommen aus den USA mal wieder durchaus positive Daten.
Stimmung in Deutschland und den USA verhält sich konträr
Der US-amerikanische Konsumentenvertrauens-Index ("Consumer Confidence") des Conference Board notiert im Juli bei 59,5 nach 57,6 im Vormonat (von 58,5 nach unten revidiert).
Die Konsumenten schätzten ihre aktuelle Lage schlechter, die Aussichten aber besser ein. Also genau konträr zur Situation in Deutschland. Kein Wunder, während die US-Wirtschaft am Boden liegt (Arbeits- und Häusermarkt), befinden wir uns am Hochpunkt des Booms.
Gute Zahlen vom US-Häusermarkt
Sogar vom US-Häusermarkt gab es durchaus positives zu vermelden.
Die Zahl der Verkäufe neuer Häuser ("New Home Sales") ist im Juni auf 312.000 angestiegen. Im Monat zuvor waren 315.000 (von 319.000 nach unten revidiert) Hausverkäufe registriert worden.
Und laut dem wichtigen S&P/Case-Shiller-Index, der die Preise auf dem Häusermarkt misst, wurde in 20 wichtigen US-Großstädten im Mai auf unbereinigter Basis ein überraschendes Monatsplus von 1,0 % erzielt. Im Vorjahresvergleich sanken die Hauspreise jedoch noch um 4,5 %.
Nach einem Preisrückgang um 32 % vom Hoch im Juni/Juli 2006 gibt es erneut zaghafte Anzeichen, dass die Talsohle so langsam erreicht sein könnte. Zumal auch der April-Wert von -0,1 % auf +0,4 % nach oben revidiert wurde.
Griechenland-Rettungspaket - Wer hat denn nun Recht?
Während ich am Montag durchaus positiv über das neue Griechenland-Rettungspaket berichtet habe, gab es natürlich auch deutlich kritischere Berichte. Und so stellte mir ein Leser folgende Frage:
"Hallo Herr Weisenhaus, Sie haben das zweite Griechenland-Rettungspaket gelobt. Andere sehen das anders [...] Wer hat denn nur Recht?"
Der Leser hat exemplarisch zwei Artikel angeführt, die ich mir natürlich vor meiner Antwort angesehen habe. Doch die Artikel lieferten keine neuen Informationen, so dass ich zu folgender Antwort kam:
Drei Fragen, die (noch) nicht eindeutig beantwortet werden können
"Zunächst einmal haben wir durch das Rettungspaket Zeit gewonnen. Und genau das war auch das elementare Ziel. Bei der Gestaltung des Paketes gab es viele Probleme zu beachten, die in meinen Augen aber alle berücksichtigt wurden.
Die eigentliche Frage aber lautet, was wäre passiert, wenn Griechenland pleite gegangen wäre. Die Antwort ist nicht leicht zu geben, ich glaube aber, dass es schlimmer gekommen wäre als mit der aktuellen Lösung. Insofern bislang also alles richtig gemacht.
Die nächste Frage, die man sich stellen muss: Was passiert, wenn das aktuelle Rettungspaket ausläuft? Stehen wir dann besser da als heute oder gar schlechter? Auch diese Frage ist nicht leicht zu beantworten, da bis 2020 sehr viel Wasser den Rhein durchläuft.
Fakt ist, dass das eigentliche Problem die Verschuldung Griechenlands ist. Ziel muss es also sein, dieses Problem durch Schuldenabbau bis 2020 zu lösen. Davon wird es abhängen, ob die aktuellen Maßnahmen sinnvoll waren oder nicht. Die Zeit wird uns die Antwort liefern.
Deutschland wird in jedem Fall unter den beteiligten Ländern am meisten von diesen Maßnahmen profitieren, da wir uns zu niedrigen Zinsen verschulden, während wir von Griechenland nun immerhin noch 3,5% Zinsen kassieren. Solange dies so ist, könnten wir mehr Einnahmen generieren, als wir am Ende eventuell beim Zahlungsausfall verlieren.
Ich habe auch in den von Ihnen genannten Artikeln keine harten Fakten gelesen, die konkret bestimmte Maßnahmen des Rettungspaketes kritisieren. Vielmehr wurden lediglich die Argumente angeführt, die auch vor dem Rettungspaket das Problem waren (Verschuldung, Spekulation, etc.). Genau diese gilt es aber nun zu unterbinden.
Damit sind wir auch bei der dritten Frage: Was passiert mit den anderen Ländern während der Laufzeit des Rettungspaketes? Laufen auch dort die Schulden aus dem Ruder? Werden auch diese Länder durch Spekulationen in die Knie gezwungen? Und um dies zu verhindern erscheint mir das Rettungspaket geeignet.
Zeigen Sie mir also einen Artikel, der belastbare und quantitative Informationen liefert, weshalb dieses aktuelle Rettungspaket falsch war. Sie werden lange suchen ;o)
Es ist halt leichter und inzwischen auch üblich in Deutschland, die Dinge ohne belastbare Argumente einfach erst einmal kaputt zu reden, anstatt die Wirksamkeit erst einmal abzuwarten.
Um Ihre Frage noch zu beantworten: Wer Recht behält wird sich in den nächsten Tagen, Wochen, Monaten oder erst Jahren zeigen. Die Märkte werden nun auf das Rettungspaket reagieren (und auch die Politiker eines jeden Landes). Von diesen Reaktionen hängt nun alles ab.
Das schöne ist, dass dies eben nicht von heute auf morgen geschieht und man dies genau beobachten kann. Man kann also entsprechend reagieren. Und Sie können die Entwicklung hier im Wave Daily genau verfolgen ;o)
Mit freundlichen Grüßen
Sven Weisenhaus"
Medien betreiben Schwarzmalerei, doch der Zuschauer will es so
Sie dürfen sich einfach nicht von den Medienberichten verrückt machen lassen. In Deutschland herrscht einfach eine Gier nach (überspitzt formuliert) Mord und Totschlag und die Medien bedienen dies. Bestes Beispiel bietet doch derzeit das Ausschlachten der Ereignisse in Norwegen.
Schauen Sie sich doch einfach die täglichen Nachrichten im Fernsehen an. Wie viele positive Nachrichten finden Sie dort und wie viel Schwarzmalerei wird dort betrieben?!
Unterschied zwischen der von den Medien gezeichneten und der realen Situation
Dass es einen Unterschied zwischen der von den Medien gezeichneten Situation und der Realität gibt, möchte ich Ihnen nachfolgend anhand der Analyse der US-Indizes zeigen.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von trf (27.07. 2011 14:01 Uhr):
Sehr geehrter Herr Weisenhaus, Ihre sagen wir mal gelassene Position wird aber im Newsletter unmittelbar danach durch die folgenden Sätze konterkariert: "Griechenland zwingt Sie jetzt zu sofortigem Handeln ... Sie sollten aber auf jeden Fall schnell handeln, bevor das Euro-System zusammenbricht. Denn dann wird es definitiv zu spät sein. " (Anzeige Ihres Verlags) - Reichlich widersprüchlich, oder? - MfG
Antworten- Antwort von Sven Weisenhaus (28.07. 2011 10:57 Uhr):
Guten Tag! - - - Die Anzeigen werden weder von den Autoren gesteuert bzw. ausgewählt, noch spiegeln sie zwingend deren Meinung wieder. - - - Für den Inhalt der Beiträge im Newsletter sind die jeweiligen Autoren verantwortlich, für den Inhalt der Werbeanzeigen der Verlag. - - - Letztlich ist dieser Newsletter kostenlos, da er ein Werbemedium ist. - - - Zudem sind die Aussagen ja nicht grundlegend falsch, wenn auch etwas überspitzt formuliert. Ein Handeln ist sicherlich erforderlich, wenn auch nur in der Form, sich genau über die aktuellen Entwicklungen zu informieren. Und genau das tun Sie ja auch als Leser des Wave Daily ;o) - - - Mit freundlichen Grüßen - - - Sven Weisenhaus
- Antwort von Sven Weisenhaus (28.07. 2011 10:57 Uhr):
- Kommentar von trf (27.07. 2011 14:15 Uhr):
Und in der zweiten Anzeige geht es nahtlos weiter: "Zwangsenteignung, Zwangsanleihe, Währungsreform" Weitere Details erspare ich mir. - MfG
Antworten - Kommentar von Viktor Rjabow (27.07. 2011 18:05 Uhr):
Meine (nicht professionelle meinung); der Regierungsleuten von BRD und Frankreich u. co., auch Barrosy u. co. wäre nutzbar, die Schultheme "kommunizierende Gefäße" aufzufrieschen.
Antworten - Kommentar von AW (28.07. 2011 08:54 Uhr):
Hallo Herr Weisenhaus, Mit der medialen Berichterstattung haben Sie natürlich vollkommen recht. Beispiel Fukushima: n-tv hat praktisch ausschliesslich Greenpeace-Fachleute Stellungnahmen abgeben lassen, um die Story noch dramatischer werden zu lassen. Sei's drum... Rettung Griechenland und andere: Ich bin da wesentlich pessimistischer als Sie. Griechenland besitzt wenig Industrie, vor allem kaum Exportindustrie. Durch reduzierte Exportsubventionen sind in den letzten Jahren im grossen Stil die wenigen Exporteure (low-tech-Produkte) nach Mazedonien ausgewichen. Die Hellenen lebten immer schon vom Meer (Fischerei, Reedereien, heute Tourismus), vor allem aber über ihre Verhältnisse. Sie wurden eigentlich seit jeher wegen ihrer strategischen Lage durch das Ausland gestützt. An sowas gewöhnt man sich anscheinend. Die verbliebenen Schuh-, Textil oder Geschirr-Industrien sind auf den internationalen Märkten nicht mehr konkurrenzfähig. Und mit etwas Ouzo, Olivenöl und Rezina lässt sich die immense pro-Kopf-Verschuldung nie und nimmer auf ein vernünftiges Mass senken. An eine genügend positive Entwicklung der Volkswirtschaft glaube ich in der zur Verfügung stehenden Zeit absolut nicht. Die jetzt auferlegten zusätzlichen Sparmassnahmen verunmöglichen dies auch finanziell. Portugal: Die Portugiesen hielten nach dem Eintritt in die EU an ihrer riesigen Textilwirtschaft fest. Die war aber nicht mehr konkurrenzfähig. Also wurde sie bis vor kurzem staatlich gestützt (Arbeitsplatz-Thematik). Diese Situation kenne ich detailliert. Auch Portugal wird die Kurve kaum kriegen. Der Übergang vom Agrarstaat schon nur in eine industrielle Produktionswirtschaft ist nicht gelungen, resp. die produzierten Güter sind nicht mehr konkurrenzfähig (WTO sei dank). In Spanien liegen die Dinge ganz anders. Sie haben die Baublase beschrieben. Italien wackelt m.E. weit mehr, als zugegeben wird. Das Steuersubstrat der immensen Summen, die am Fiskus vorbeigeschleust werden, fehlt. Den Rest erledigen Korruption und kriminelle Organisationen. Ob die Stabilisierung des Euro gelingt, ist schwer abschätzbar. Ob Europa das mit den zur Verfügung stehenden Mittel schafft, ebenfalls.
Antworten- Antwort von Sven Weisenhaus (28.07. 2011 19:07 Uhr):
Vielen Dank für Ihren Kommentar! - - - Um die Situation der einzelnen Länder genau einschätzen zu können, liegen schlicht zu wenig Informationen vor. Nur bruchstückhaft erhält man Fakten über die dort betriebene Politik. Doch das was man hört, ist schier unglaublich. - - - Zusammenfassend lässt sich aber wohl zumindest sagen, dass weder die Generierung von Einnahmen (mangelnde Erhebung der Einkommenssteuer) noch die Beschränkung von Ausgaben (Rentenzahlung an Verstorbene) ihr Limit erreicht haben. Hier ist viel Luft für Verbesserungen. - - - Warten wir es ab ;o) - - - Mit freundlichen Grüßen - - - Sven Weisenhaus
- Antwort von Sven Weisenhaus (28.07. 2011 19:07 Uhr):