Griechenland ist nun auch offiziell pleite...
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 26. April 2010, 16:00 Uhr
ENL5454
ist es nicht wunderbar? Noch vor gar nicht so langer Zeit wollte man uns ernsthaft vekaufen, Griechenland werde natürlich nur im "Notfall" auf Hilfsleistungen der EU zurückgreifen und beleidigte damit mal wieder massenweise den Intellekt zahlreicher Steuerzahler (Ihren und meinen eingeschlossen).
Bereits damals schrieb ich hier klipp und klar, dass Griechenland pleite ist und diese "Notfallgarantien" somit sofort gezogen werden. Und wenig verwunderlich durften wir hierauf natürlich auch nicht lange warten, bis die "ultima ratio" leider erforderlich wurde. Welch "Überraschung"... Und nun soll Griechenland auch noch zum "Dauerpatienten" werden, wie es sich immer mehr lesen lässt...
Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber aus meiner Sicht wird dieser unsägliche Zirkus immer absurder. Gerade am Wochenende unterhielt ich mich mit T.W., einem guten Freund von mir, der Gymnasiallehrer in einer nicht gerade "schlechten Ecke" hier im Rhein-Neckar-Dreieck ist. T.W. erzählte mir, dass bei ihm in der Schule zum großen Teil nötige Reparaturarbeiten nicht einmal mehr ordentlich ausgeführt werden könnten, da im Kommunalbereich das Geld fehle (und es handelt sich hier nicht um eine "schlechte" Gemeinde). Zwar habe man ein paar Dinge wohl über das Konjunkturpaket erledigen können, aber die Zustände seien immernoch völlig unzureichend in vielen Klassenzimmern.
Dies fällt den Schülern natürlich auch auf und es werden natürlich Fragen gestellt. "Wieso wird das nichts repariert, Herr W., wenn es hier reintropft und abbröckelt?" "Sorry, scheint kein Geld da zu sein." "Aber Griechenland, Herr W.? Da gehen doch Milliarden hin. Was sagen Sie denn dazu? Warum unterstützt man nicht die Städte und Gemeinden stattdessen damit?"
Es ist doch völlig absurd anzunehmen, dass derartige Ereignisse einfach so an der Jugend vorbeiziehen. T.W. ist u.a. Geschichts- und Gemeinschaftskundelehrer (in anderen Bundesländern heißt dies wohl "Sozialkunde" oder "Wirtschaft/Politik"). Hierbei ist es laut obersten Stellen T.W.s Aufgabe, die Kinder zu mündigen Staatsbürgern zu erziehen.
Wie aber soll dies angesichts eines solchen Irrsinns überhaupt möglich sein?
Wie sollen z.B. Lehrkräfte wie T.W. junge Menschen dazu bringen, sich für ein "demokratisches" System zu begeistern, wenn solche zum Himmel schreienden Dinge ablaufen?
Was ich damit sagen will: In den Medien wird immer wieder über die direkten Folgen für die Wirtschaft, Politik und die Steuerzahler gesprochen. Was aber mit der nächsten Generation passiert, die solche Dinge "live" erlebt, sehe ich bisher kaum diskutiert, obwohl der Schaden durchaus real ist.
Wenn sich ein politisches System derart unglaubwürdig und verlogen präsentiert und derart offensichtlich die Interessen der eigenen Bevölkerung zugunsten einer kleinen Gruppe von privilegierten Hintermännern aus dem Finanzsektor mit den Füßen tritt, dann entstehen hieraus noch viel tiefere und weitere Konsequenzen als manch ein bankenhöriger Politiker wahrhaben möchte: Im schlimmsten Fall treibt man dabei sogar zahlreiche Jugendliche, die erkannt haben, wie verlogen und absurd das "System BRD" funktioniert, in die Arme der politischen Rattenfänger links und rechts außen, welche ihnen dann "andere Ideen" nahelegen werden...
Was hier mit Griechenland (und wohl bald mit anderen EU-Ländern) abläuft, ist nicht nur ein unsägliches Versenken von Steuergeldern in einem (sozialistisch heruntergewirtschafteten und korrupten) Fass ohne Boden, sondern auch ein langfristiger Anschlag auf den Frieden in der BRD und das, was noch an Demokratie in der BRD übrig ist.
Dies macht mir langfristig weitaus mehr Sorgen als die Skandal-Milliarden, die nun wohl die nächsten Jahre nach Griechenland fließen werden.
Beste Grüße
P.S.:
In den letzten Wochen erhielt ich hierzu übrigens bereits einige wütende Leserzuschriften, welche darauf verwiesen, dass der griechische Ministerpräsident ja seit 2006 Vorsitzender der sozialistischen Internationalen ist und eine Sozialistin (damit war lt. der Leser wohl Merkel gemeint aufgrund ihrer Vergangenheit) den anderen Sozialisten natürlich niemals hängen lassen würde. Ich halte diese Sichtweise jedoch für nicht wirklich hilfreich, denn hier geht es m.E. mehr um die Bankmilliarden, welche "ersetzt" werden sollen, weniger um sozialistische "Kameradschaftspflicht", wenn es auch verdächtig ist, dass sich gerade auf EU-Ebene ungewöhnlich viele Politiker mit stark sozialistischem bis radikalmarxistischem Hintergrund tummeln, die später natürlich "offiziell" ihre politische Farbe änderten... (Baroso ist nur ein Beispiel hierfür, wie sich jeder relativ leicht bei der Suchmaschine der eigenen Wahl überzeugen kann...)
ähnliche Beiträge:
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von R D (26.04. 2010 17:15 Uhr):
Es ist leider so. Eine Schande. Ich warte seit ein paar Monaten, dass das deutsche Volk sich endlich anfängt zu wehren, mit Gross-Demos. Ich bin keine Deutsche aber das Volk tut mir leid, was es finanziell alles zu tragen hat. Es ist einfach so, wer sich nicht selber aus dem Sumpf zieht wird sich nie genug anstrengen, irgendwoher wird ja immer geholfen.
Antworten - Kommentar von franz (26.04. 2010 18:16 Uhr):
da kann ich ihnen nur voll zustimmen. was so schön begonnen hat ,wird langsam zum albtraum. eine neue politikergilde muss her und zwar mit Fachverstand und ohne Parteizugehörigkeit
Antworten - Kommentar von Peter W (26.04. 2010 18:33 Uhr):
Unfassbar, wieder werden wir belogen und betrogen,aber es scheint den dtsch.Michel nicht sonderlich aufzuregen. Niemand geht auf die Strasse, keiner regt sich auf.Für Rentner keine Erhöhung möglich, für die Gemeinden kein Geld da, usw. Wie können solche stümperhaften Verträge innnerhalb der EG überhaupt möglich sein? Herr Hahn Sie haben wirklich wieder einmal den Nagel auf den Kopf getroffen.Können Sie nicht zu einer Demo aufrufen. Grüsse
Antworten - Kommentar von Wilfried Geschwind (26.04. 2010 18:43 Uhr):
Sehr geehrter Herr Hahn, mit großem Interesse lese ich Ihre Artikel und bin überwiegend Ihrer Meinung. Die "Griechen-Rettung" ist nichts anderes als ein weiteres Bankenhilfsprogramm. Die Gläubiger-Banken sind die wahren Nutznießer. Wer Kredite vergibt, sollte vorher die Bonität seines Schuldners ausreichend prüfen. Wenn dieser zahlungsunfähig wird ist der Kredit notleidend und ev. nur noch einen verminderten Rest wert. Das sind Abschreibungen - nur so lernen die Banker. Gewinne einstreichen mit fetter Boni, wenn möglich, Verluste sozialisieren, das ist die "Bananenrepublik BRD". Kredite sichert man üblicherweise mit Grundpfandrechten ab, warum nicht gr. Inseln, etc. "Die da oben" vermutlich korrupt, Lobbyismus nennt man das heute, fahren den Karren schon an die Wand, da bin ich mir sicher, werden schon für sich ordentlich vorgesorgt haben, Beispiele gibt es massenhaft. Leider lesen Sie solche Artikel nicht in der "freien Presse". Machen Sie weiter so, mit freundlichen Grüßen, Wilfried Geschwind.
Antworten - Kommentar von Wolfgang Springfeld (26.04. 2010 20:09 Uhr):
Ausgezeichnet ihr Beitrag, aber warum kommt es bei den Menschen nicht an, wieso hat die "Hochfinanz" in unserer Demokratie das Sagen? Es ist wohl immer das alte Spiel: Geld regiert die Welt! W. Springfeld
Antworten
- Kommentar von Hanspeter Bornhauser (26.04. 2010 21:34 Uhr):
Sehr geehrter Herr Hahn, Ihr Artikel ist gut und müsste viele aufrütteln. Bedenklich, was sich die nicht gerade erleuchteten Politiker alles leisten. Leider sind sich viele Bürgerinnen und Bürger in den Euro-Ländern nicht bewusst, dass die griechische Auslandschuld gemäss Statistik der BIZ (Bank für Internationalen Zahlungsausgleich) bei rund 220 Mrd. Euro liegt ; eine aktuelle Zahl dürfte sogar noch höher sein. Die Kreditgeber sind primär Banken und Versicherungen in D, F etc., die natürlich ihr Geld wieder sehen möchten, samt schönen Zinszahlungen. Plus minus die gleichen Kreditgeber haben auch enorme Summen in Italien, Spanien, Portugal und Irland ausstehend. Erneut haben in Banken etc. die Empfänger überrissener Gehälter und Boni, die sich einer besonderen Könnerschaft in Finanzsachen rühmen, riesige Fehler gemacht. Würden Deutschland und andere den Griechen nicht mit Steuergeldern zu Hilfe eilen, kämen nicht nur die Hellenen ins Schleudern, sondern erneut die erwähnten Kreditgeber. Es geht also beim Hilfspaket für Griechenland um eine Zahlung, die im Wesentlichen den eigenen, erneut leichtfertig disponierenden Banken etc. zugute kommen soll. Ausweg: Die Kreditgeber sollen streng nach marktwirtschaftlichen Regeln allenfalls in Konkurs gehen. Den Griechen (eigentlich auch Italien usw.) ist die Rückkehr zu einer eigenen Währung nahezulegen, die sie nach Bedarf steuern (bzw. manipulieren) können. Die heutige Eurozone war von Anfang an ein Fehlkonzept. Sie lässt sich nicht retten. Man kann die Stunde der Wahrheit nicht beliebig hinausschieben. Sonst wird eine grössere Katastrophe unvermeidlich sein. Wer will das verantworten? Beste Grüsse H. Bornhauser
Antworten- Antwort von ein Österreicher (27.04. 2010 11:04 Uhr):
Wie recht Sie haben ! Es ist ein fataler Fehler weiter Geld in einen verfahreren Karren zu stecken. Es kann dies eigentlich nur eine versteckte Hilfe für die dort investierten Banken sein!
- Antwort von ein Österreicher (27.04. 2010 11:04 Uhr):
- Kommentar von HW (27.04. 2010 09:39 Uhr):
Leider ist die Situation bei uns in Österreich genau die gleich wie in die in D geschilderte.
Antworten - Kommentar von Klaus Kuhn (01.05. 2010 21:33 Uhr):
Warum kauft der Griechische Staat seine Schulden nicht zu den Kurswerten (60%) zurueck? Statt-dessen geben andere Staaten Steuergelder um eine 100%-tige Rueckzahlung zu gewaehreisten, und entbinden damit Anleihenehmer von ihrem Risiko.
Antworten- Antwort von Alexander Hahn (02.05. 2010 19:33 Uhr):
Sehr geehrter Herr Kuhn, herzlichen Dank für Ihren Kommentar zu meinem Artikel. Ich fürchte aber, ich komme nicht ganz mit. Mit was soll den Griechenland die Anleihen zurückkaufen? Die Druckerpresse steht doch nicht mehr in Athen sondern bei der EZB. Beste Grüße Alexander Hahn
- Antwort von Klaus Kuhn (03.05. 2010 13:12 Uhr):
Sehr geehrter Herr Hahn, Rueckzahlung kann mit den von Europa geliehenen Geldern getaetigt werden. Aber eben nur mit weniger als 100 Prozent. Jetzt sind doch die Anleihe-Geber die Lachenden. Ich gehe davon aus,dass Griechenland die Europa-Anleihen nicht oder hoechstens zu einem Teil nur zurueckzahlen kann. Gruss K.Kuhn
- Antwort von Alexander Hahn (04.05. 2010 16:05 Uhr):
Das würde aber voraussetzen, dass diverse Banken bereit wären, zu derartigen Kursen ihre Papiere zu verkaufen. Aber hier geht es doch gerade um die Bankenrettung und nicht um Griechenland.
- Antwort von K Kuhn (05.05. 2010 09:32 Uhr):
Vielen Dank fuer Ihre Antwort. Das sind fuer mich neue Gesichtspunkte, ueber die ich nachdenken werde. Gruesse K.Kuhn
- Antwort von Alexander Hahn (02.05. 2010 19:33 Uhr):