Miriam Kraus ist eine gesuchte freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.
Miriam Kraus in Rohstoff Daily
vom
Die halbe Welt wartet jetzt also auf den Austritt Griechenlands aus der Zone. Komisch, dabei wollen die ja eigentlich gar nicht unbedingt aus der Zone raus (und wenn die noch halbwegs bei Trost sind, dann sollten sie es auch nicht wollen) - was nicht heißt, dass andere die Griechen nicht ganz gerne raus schmeißen würden. Der Unterschied zwischen diesem und vergangenem Jahr besteht nun eigentlich nur darin, dass die Restzone wesentlich cooler mit einem möglichen Zonen-Ausscheiden der Griechen umgeht. Komisch...als würde uns das alles nichts kosten....
Machbar? Klar!
Nun ist es natürlich schon so, dass das Griechen-Debakel zu Traurigkeit und Unwohlsein an den Märkten führt - keine Frage. Dennoch gehen alle Beobachter mit der Möglichkeit eines Ausscheidens wesentlich lockerer um. Im Grunde ist der Fortgang der Griechen aus der Zone ja auch machbar - wirklich systemrelevant waren sie nie.
Aber ich wundere mich trotzdem...vor allem über die Zonen-Häuptlinge. Es scheint als sei ihnen nicht ganz klar, dass auch ein griechischer Austritt nicht umsonst zu haben ist.
Denn bevor die Griechen ausscheiden, haben sie ihre Strukturreformen aufgegeben, erhalten keine Hilfszahlungen mehr und erklären dann auch offiziell die Pleite.
Die Folge: auch die staatlichen und supra-nationalen Gläubiger können ihre Forderungen dann abschreiben. Allein die Bundesregierung ist dann bis zu 80 Milliarden Euro los. OK, das sind ja heutzutage Peanuts (kann man schließlich alles wieder neu drucken). Aber auch die EZB muss dann ihre gesamten Griechen-Bonds abschreiben (wie hoch das wohl genau wäre?) und an die Auswirkungen aufgrund der Target-2-Salden möchte ich gar nicht denken.
Aber trotzdem, OK, das ist alles irgendwie verkraftbar...sofern....
...nicht gleich das nächste Zonen-Mitglied (also Spanien) dem Markt komplett vor die Flinte rennt.
Nur zu welchem Preis?
Lustigerweise gehen (nicht nur) die Zonen-Häuptlinge davon aus, dass die Ansteckungsgefahren ja mittlerweile deutlich nachgelassen haben. Ich will das auch gar nicht bestreiten, ich möchte nur noch einmal in Erinnerung rufen, warum das so ist.
Das liegt nämlich keineswegs daran, dass die weisen Häuptlinge bei ihren wiederkehrenden Pow Wows in Brüssel oder sonst wo, DIE Trumpfkarte der politischen Entscheidungen aus dem Hut gezaubert hätten.
Nein, die Beruhigung die sich eingestellt hat, haben wie einzig und allein der EZB zu verdanken, die sich im Dezember mit ihrem Quasi-QE in den Ring warf und mit ihrem Banken/Staaten-retten-2-Fliegen-mit-einer-Klappe-schlagen wahrhaftig (zumindest zeitweilig) Erfolg hatte.
Ich frage mich also insbesondere, was wirklich passiert, wenn die Griechen gehen. Schaffen es die Häuptlinge der Restzone, im Fall der Fälle, als einige Brandschutzexperten aufzutreten? Oder muss doch die EZB gleich wieder eingreifen?
Na ja, ich will ja nicht den Teufel an die Wand malen...wenn Häuptlinge, Herr Markt und Lieschen Müller davon ausgehen, dass wir die Griechen problemlos los werden können...mir soll das sogar mehr als Recht sein.
Aber da kommt noch was nach...
Über die Griechen selber müssen wir eigentlich gar nicht sprechen. Ich bin noch genauso, wie in den letzten Jahren, der Meinung, dass ein Austritt aus der Zone für die Griechen selbst nicht die beste Lösung darstellt. In meinen Augen zieht das Argument mit sinkenden Löhnen und der dadurch steigenden Wettbewerbsfähigkeit, was dann zu Zuflüssen an ausländischem Kapital und steigenden Exporten führen müsse, einfach nicht im Falle Griechenlands.
Mal abgesehen davon, dass sich die Griechen ja aktuell gerade gegen sinkende Löhne zur Wehr setzen....Korruption und Vetternwirtschaft sind (neben vielen anderen) strukturelle Defizite, die (in Griechenland ja leider zuhauf vorhanden) gerade auch durch die aktuellen Strukturreformen auf lange Sicht Beseitigung erfahren sollten, aber dazu führen, dass ausländisches Kapital sich davor hütet ins Land zu fließen. Und das wird sich auch nicht so schnell ändern! Und die Exporte? Jetzt mal ernsthaft, welche Exporte? Oliven und Ouzo?
Und jetzt stellen Sie sich vor, wie die Griechen aus dem Euro austreten, sämtlich verbliebenen Sparguthaben vernichtet werden, die neue Drachme keinen Wert hat, sämtliche Importgüter unbezahlbar sind, die Löhne so drastisch sinken, wie es sich die Griechen gar nicht ausmalen wollen, während mögliche inländische Kapitalgeber längst (mit Kapital) das Land verlassen haben und die gut Ausgebildeten gleich hinterher...soziale Unruhen sind die Folge. Wollen Sie da Urlaub machen?
Nein, für die Griechen ist der Umstieg auf die Neu-Drachme keineswegs die alles-wird-wieder-gut-Wundertüte.
Na ja, könnte den Restzonlern ja egal sein...aber vielleicht wollen die Griechen trotzdem in der EU bleiben? Und damit werden wir die Griechen eben doch nicht los...auch wenn sie dann nicht mehr das Problem von 16, sondern von 26 wären. Aber, hey, so ein armer EU-Staat, der wird doch auf jeden Fall Hilfskredite bekommen....vielleicht will Österreichs Finanzministerin Fekter ja deshalb die Griechen am liebsten auch gleich aus der EU werfen?!
So long liebe Leser....na ja, mal schauen...vielleicht wurschteln sich die Griechen jetzt erstmal zu Neuwahlen...vielleicht hören sie aber auch mal auf ihren Präsidenten, der mittlerweile offenbar auch die Schnauze voll von Politikern hat und lieber eine Expertenregierung an der Spitze Griechenlands sähe...sicher nicht die schlechteste Lösung....tut den Italienern ja auch ganz gut....bis morgen, wenn wir uns wieder den Märkten zuwenden und liebe Grüße...
Ihre Miriam Kraus
- Kommentar von Bubas
Sehr geehrte Frau Kraus, es wäre schön wenn die Griechen verstanden hätten, was Sie uns mit dem Beitrag sagen wollten. MfG
Antworten- Kommentar von Dr Gunther Kümel
Nichts zu exportieren außer Oliven und Ouzo?? Das Griechenland-Desaster hat eine Rohstoff-Dimension, und ich bin sehr enttäuscht, daß die Rohstoff-Experten das nicht beim Namen nennen. Zumal sich als Folge der Analyse dann Antworten ergeben, wer denn eigentlich dieses Desaster gewollt hat, angerührt hat. VOR DER KRISE haben zehn nordische Länder GR einen Monsterkredit augeboten, zu geradezu unglaublich günstigen Bedingungen, wenn dem Staatenkonsortium für bloß 5 Jahre gestattet wäre, in griechischen Gewässern nach Öl und Gas zu schürfen. Die griechische Regierung hat ABGELEHNT!! Offenbar arbeitet diese Regierung ebensowenig daran, wie die BRD-Regierung mit dem Ziel(Grundgesetz!!), "...den Nutzen des (hier Deutschen) Volkes zu mehren. Es ist also ein offenes Geheimnis, daß in den Schelfgebieten des Archipels gigantische Vorräte an Öl schlummern. Das sind nachprüfbare Fakten. Jeder konnte es wissen, es ist mit jeder Suchmaschine auffindbar, wenn es sich, natürlich, auch nicht gerade in Tatz und Fatz und Spiegel abgedruckt findet. GR hätte also nie in die Krise zu geraten brauchen, und selbst heute könnte es sich durch einen Paukenschlag daraus befreien. Wenn wir demnächst hören, US-Gesellschaften und solche aus Israel (bohrt schon bei Zypern) hätten im griechischen Schelf Öl "entdeckt", dann können wir auch abschätzen, wie denn die Krise zustandekam. Ein Griechenland, das pleite ist, kann sich dann gegen die Ausbeutung seiner Bodenschätze nicht mehr wehren, ebenso, wie LIBYEN ES NICHT MEHR KANN!!
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