Κίνδυνος Griechenland – Europas Schlusslicht bewegt die Börse
Cindy Bach in Insider Daily zum Thema Börse
vom 1. Februar 2010, 14:30 Uhr
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dominierendes Thema auf dem Börsenparkett wird auch in der vor uns liegenden Börsenwoche die drohende Zahlungsunfähigkeit Griechenlands bleiben. In den vergangenen Tagen hatten Gerüchte um angebliche Hilfsanstrengungen der EU-Mitgliedsstaaten und deren Scheitern das Misstrauen gegenüber Griechenland auf den Höhepunkt getrieben.
Die einsetzende Verkaufswelle trieb die Rendite griechischer Anleihen so stark in die Höhe, dass sie nun 3,7 Prozentpunkte höher liegt als die deutscher Bundesanleihen. Und die gelten auf dem europäischen Finanzmarkt gemeinhin als Referenz für den hiesigen Rentenhandel. In der Folge stiegen auch die Risikoprämien für andere Euro-Staaten.
Aber vor allem für Griechenland selbst birgt die Schuldenkrise unmittelbare Folgen. Zwar konnte die jüngste Anleiheemission über 8 Mrd. Euro dank enorm hoher Zinsen ohne Probleme komplett platziert werden. Aber die Zinsen sind um 3 Prozentpunkte höher, als bei der Anleihe die demnächst ausläuft. Dadurch erhöht sich die jährliche Zinslast allein durch diese Emission um rund 250 Mio. Euro. Bei Staatsschulden von sage und schreibe 280 Mrd. Euro könnte es dementsprechend schmerzhaft werden, wenn Griechenland über einen längeren Zeitraum derart hohe Zinsen für neue Anleihen bieten müsste. Man bedenke: Griechenland gilt ohnehin schon als schwächstes Glied in der Kette der Euro-Länder.
Ein "staatlicher" Sparplan soll die Rettung bringen
Das Schlagwort, dass die gefährliche Situation des Staates Griechenland benennt, heißt: Leistungsbilanzdefizit. Und das ist in Griechenland besonders hoch. Denn die Einfuhr von Gütern und Dienstleistungen übersteigt die Ausfuhren um einen Wert, der 12 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung entspricht. Das bedeutet, dass der private Sektor des Landes nicht in der Lage wäre, die Staatsschuld allein zu finanzieren, so eine Studie von Goldman Sachs. Die Regierung sei bei der Finanzierung auf ausländische Quellen angewiesen. Was aber wäre, wenn Griechenland zahlungsunfähig wird? Wer kommt dann auf? Was für Auswirkungen hätte das auf den Euro und die anderen Euro-Mitgliedsstaaten?
Angeblich sei noch nicht sicher, dass die Sparpläne der griechischen Regierung das Desaster "Staatspleite" abwenden können. Man braucht also dringend einen Plan B. Hier scheint so ziemlich alles möglich, von bevorstehende Hilfsaktionen via Nothilfe-Fonds bis hin zum möglichen Ausschluss Griechenlands aus der Währungsunion. Doch rein rechtlich ist beides eigentlich nicht drin. Denn laut Artikel 125 des Vertrags über die Arbeitsweise der EU ist die Haftung anderer Mitgliedstaaten für Verbindlichkeiten und Schulden eines Euro-Staates ausdrücklich ausgeschlossen. Und den Ausschluss eines Mitgliedstaats aus der Währungsunion sieht der Vertrag nicht vor.
Finanzmärkte bleiben höchst skeptisch
"Die skeptische Reaktion der Finanzmärkte auf das Sparprogramm spiegelt einen Verlust an Vertrauen in die griechische Politik ganz generell wider. Zu lange hat Athen die Statistiken manipuliert, den aufgeblähten öffentlichen Dienst aufgebläht gelassen, das marode Rentensystem nicht angetastet, sich den Reformforderungen verweigert", schreibt Werner Mussler in der "FAZ". Selbst die sonst so wichtigen und bislang auch recht zuversichtlichen Konjunkturdaten aus den USA dürften es daher schwer haben, die eingetrübte Stimmung an den Finanzmärkten aufzuhellen.
Die Börsianer sind aktuell hin- und hergerissen. Einerseits deuten bereits viele Konjunkturdaten auf eine sich weiter erholende Wirtschaft hin. Doch die Angst ist groß, dass die dramatische Haushaltslage in manchem südeuropäischen Staat (wie beispielsweise in Griechenland, aber auch in Portugal) die schönsten Träume vom Aufschwung jäh zunichte macht. Dieses Thema belastete die Börsen bereits in der vergangenen Woche deutlich.
Achtung: Positive Konjunkturdaten nicht übersehen
Die US-Pläne zur schärferen Regulierung der Banken und die Spekulationen um die Finanzstärke Griechenlands und anderer südeuropäischer Staaten dürften uns also auch weiterhin beschäftigen. Die Verunsicherung bleibt. Demzufolge müssen wir auch in dieser Woche mit größeren Kursschwankungen rechnen.
Andererseits bieten schwache Tage durchaus auch die Möglichkeit für Ein- bzw. Zukäufe. Bedenken Sie, die Berichtssaison hat bislang hierzulande überwiegend positive Ergebnisse hervor gebracht. Die bereits vorgelegten Zahlen von Siemens oder SAP konnten positiv überraschen. "Für diejenigen, die nicht oder nicht ausreichend investiert sind, bietet sich die Chance zum Einstieg", meint Aktienstratege Carsten Klude von MM Warburg. Denn trotz der zuletzt eher schwachen Konjunkturdaten sei eine Erholung keinesfalls ausgeschlossen.
Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die neue Börsenwoche.
Ihre
Cindy Bach