Griechen raus – ja oder nein?

in Rohstoff Daily zum Thema Finanzkrise
vom


 

Gestern gelernt, dass angeblich 77% der Deutschen die Griechen aus dem Euro werfen würden, während anscheinend 78% der Griechen den Euro behalten wollen. Und nach wie vor sind sich auch alle Beobachter und Experten uneinig darüber, welche Weg der bessere ist - zumindest was die Zone angeht.


 

77% vs. 78%

 

Zumindest den letzten ergoogelten Umfragen zufolge will die Mehrheit der Griechen im Euro bleiben, allerdings ohne Lohnsenkungen und Steueranhebungen (und im Falle der verbeamteten Griechen wahrscheinlich auch ohne Strukturreformen). Dagegen will die Mehrheit der Deutschen die Griechen aus dem Euro kicken - zumindest wenn die Umfrageergebnisse aus Günther Jauchs gestriger Sendung repräsentativ sind.

 

[Apropos, nette Sendung, auch wenn nichts auf den Tisch kam, was man nicht sowieso schon wissen sollte. Schade allerdings, dass der Politiker in der Runde jegliche relevanten Fakten dem gutbürgerlichen Revoluzzer überließ, der, obwohl nicht in allen Schlussfolgerungen ganz korrekt, aber eine wesentlich bessere Figur abgab. Und schade auch, dass so manch einer immer so gerne über die frühe Vergangenheit spricht, aber leider die jüngste Vergangenheit nicht so ganz auf die Reihe kriegt (Ja, lieber Peer Steinbrück, obwohl die Iren natürlich ganz klar die Bankenkrise den Kopf gekostet hat und, lieber Thilo Sarrazin, eben jene (aber diesmal nur die europäische) der Euro-Krise natürlich auch massive Unterstützung bietet, so ist Griechenland kein Opfer der Bankenkrise, sondern der eigenen Misswirtschaft, nachdem die neue Papandreou-Regierung in 2009 feststellte, dass die Vorgängerregierung(en) maßlos die Zahlen geschönt hatte(n)...

 

...und auch Spanien ist im Übrigen viel mehr ein Opfer des Euro, als der in Amiland begonnenen Bankenkrise. Schließlich ist Spaniens geplatzte Immobilienblase, die wiederum die Misere für Spaniens Banken und Wirtschaft herauf beschwor, ein Auswuchs, den es ohne den für einige Länder viel zu harten Euro, bei zu niedrigen Zinsen und hohem Kapitaltransfer, mit den Auswirkungen zu schnell steigender Löhne und dem deutlichen Verlust der Wettbewerbsfähigkeit, nicht gegeben hätte.)

 

...meine Meinung...]

 

Also was heißt das nun? Haben die Griechen kapiert, dass es für sie besser wäre im Euro zu bleiben? Na ja, man wird sehen, bislang haben sie sich selbst ja in der Hauptsache auch nicht gut getan...was jetzt auch die netten Griechen an den Küsten büßen müssen, aber hey, wenn Deutsche und Franzosen im TV sehen, wie Athener deutsch/französisch/europäische Flaggen verbrennen, dann wollen sie in Griechenland eben keinen Urlaub mehr machen (zuletzt sind die Buchungen in Griechenland um 50% eingebrochen, laut Verband griechischer Tourismusunternehmer....und vor allem Deutsche und Franzosen, also die Stammeurozonler, verweigern sich...).

 

Und die Deutschen? Halten 80 Mrd. Euro für Peanuts? Das ist nämlich die Summe,die wir laut Finanz-Häuptling Schäuble beim Austritt Griechenlands aus der Zone blechen müssen.

 

Nicht zu sehr auf die lockere Schulter nehmen

 

An dieser Stelle muss ich Sie nun dringend warnen: glauben Sie bitte nie einem Politiker! Vor allem dann nicht, wenn es um Kosten geht und der Politiker konkrete Zahlen nennt. In der Regel sollte man diese Zahlen im Kopf immer vervielfachen.

 

Aber mal abgesehen davon, möchte ich noch einmal davor warnen, einen möglichen Griechen-Austritt zu sehr auf die lockere Schulter zu nehmen. Selbst wenn uns der Griechen-Austritt alleine tatsächlich nur 80 Mrd. Euronen kosten würde....das könnte erst der Anfang sein.

 

Auch wenn die Häuptlinge vielleicht tatsächlich davon ausgehen, dass sie im letzten halben Jahr eine Menge bewirkt haben...dem ist nicht so. EFSF, ESM und etwas mehr für IWF - das alleine reicht nicht, wenn auch Portugal, Spanien und auch noch Italien in die Knie gezwungen würden. Darüber hinaus löst man mit Geld allein eben noch nicht spezifische Probleme.

 

Wenn aber, nach einem Griechen-Austritt, tatsächlich Spanien (wahrscheinlich als Erster in der Reihe) kippen würde....dann gäbe es nur eine Konsequenz:

 

Die gesamte Euronen-Politik müsste auf der Stelle und konsequent handeln, für Spanien und die Gesamtzone eintreten und wahrscheinlich Eurobonds ankündigen.

 

Tut sie das nicht, wovon fast schon auszugehen ist, dann bleibt nur noch die EZB, die wieder Staatsanleihen aufkaufen und Liquidität ins Bankensystem pumpen muss.

 

.......

 

Na ja, vielleicht haben sich die meisten auch einfach schon damit abgefunden, dass eben genau das passieren muss - denn dann ist die Krise tatsächlich machbar und der Griechen-Austritt wird zum kurzfristigen Schockmoment, aber die Restzone überlebt.

 

Bedenken Sie aber noch etwas: wenn die Zone (ob nun mit 16 oder 17) auf lange Sicht Bestand haben soll, dann bedeutet das, dass wir alle irgendwann mal auf ein gemeinsames Niveau zusammen wachsen müssen. Und das wiederum bedeutet, dass die schwachen Länder zwar an Wettbewerbsfähigkeit zulegen müssen, parallel dazu die starken Länder aber an Wettbewerbsvorteilen abgeben müssen. Nun ja, in Deutschland machen wir das ja schon über die ganze Krise hinweg: Preissteigerungen sind willkommen, Lohnsteigerungen auch und überhaupt soll der Binnenkonsum wachsen - ist ja auch alles OK und funktioniert aktuell...hoffen wir, dass es auch auf lange Sicht funktioniert....

 

So long liebe Leser....was kurzfristig funktioniert, muss nicht zwangsläufig auch auf lange Sicht gut sein, auch wenn man darauf immer hoffen sollte....trotzdem, ich weiß, dass ich zum Beispiel immer Gold einer Facebook-Aktie vorziehen würde...nicht nur weil Facebook beim IPO mit einem 12er KGV von 107 bewertet wurde...schließlich sollte jeder wissen, dass Aktien am Tag der Erstnotierung meistens keineswegs dem Käuferwillen entsprechend gepreist werden....sondern auch, weil das Computer-Zeitalter überaus schnellebig ist, wie MySpace (kennen Sie das noch?...das war mal cool, bevor Facebook cooler wurde und Google wahrscheinlich bald noch cooler sein wird) beweist, das alte Gold aber das langlebigste ist, was ich mir vorstellen kann.....aber hey, jetzt wissen Sie wenigstens wie viel Ihre persönlichen Facebook-Daten wert sind...;-)...ist doch auch was schönes...bis morgen und liebe Grüße...

 

Ihre Miriam Kraus

 

 

 

 

 

 

 

von
Miriam Kraus
Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine gesuchte freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

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Kommentar von Hirnschal bodo

Meine Meinung nach wie vor: raus aus dem Euro, der NAto und der EU. So schnell wie möglich!!!

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Kommentar von Olaf Kluge

Der inhalt des Artikels ist nur enttäuschend, er hebt sich in keiner Weise von den Äußerungen der im Artikel kritisierten Personen ab. Man solte eigentlich erwarten können, daß Fachleute in der Finanzbranche nach so langer Zeit der Bewertung der Krise und des Euros eine brauchbare Erklärung zustande bringen. Im Gegensatz zu den fortschreitenden Rntwicklungen in Technik, Medizin u.a. ist kein Fortschritt in Politik und Finanzwesen zu erkennen. Haben sich dort die leistungsschwachen Personen eingefunden, ist das Thema zu kompliziert oder liegt es an den Regeln der Demokratie? Es gibt doch zu denken, wenn Herr Sarazin den finanzwirtschaftlich vertrauenswürdigsten Politiker einfach in der genannten Talkshow aussticht. Hier hatten Sie recht, aber das hat doch jeder Zuschauer erkennen können.

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Antwort von Reinhardo:

Griechenland aus der Eurozone ist mehr als notwendig, sie können darin nicht überleben. Für alle anderen Schwachländer wäre das ein heilsamer Schock.

Kommentar von Ulrich Kaemper

Gut geschrieben, passt aber eher in die Kommentarecke einer Tageszeitung. Wo bleiben die Rohstoff-News? Welche Konsequenzen hat die Umfirmierung von Focus Metals. Neuigkeiten zu Graphit, Neodym, Samarium, Lithium etc. würden interessieren. Warum sind die Kurse trotz steigenden Bedarfs eingebrochen? Wo wurden neue Lagerstätten gefunden? Den Euro- und EU- Austritts-Protagonisten empfehle ich eine Reise durch südafrikanische Staaten, z.B. Namibia, Angola, Sambia, Zimbabwe, Botswana, Südafrikan.Rep.: An jeder Grenze Schlange stehen, Geld wechseln, Einreisegebühr bezahlen, Spickzettel mit Umrechnungskursen beim Einkaufen und beim Empfang von Paketen zum Zoll, tausend Formulare ausfüllen etc. Das war in Europa früher genau so, nicht nur bei Ostblockreisen. Wollt Ihr das wirklich???

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