Greenspan – Wir vertrauen Dir
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 22. April 2004 18:00 Uhr
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Ende des Jahres 2000 hegten die Investoren in Bezug auf Aktien noch eine Menge Hoffnungen. Zugegeben: Es hatte einige Verluste gegeben – schmerzhafte Verluste. Ungefähr eine Billion US$ war an der Nasdaq den Bach runter gegangen. Gesellschaften wie TheGlobe.com, Career Builder, Webvan und Audible Inc. waren praktisch von der Bildfläche verschwunden. Die Stimmung der Anleger war immer noch überschwänglich; aber man war mittlerweile überzeugt, das Ganze im Vergleich zum Vorjahr jetzt rational einschätzen zu können.
Es war eine Sache, dass die wackeligen Dot.coms auf einmal Kiel oben schwammen. Der Dow Jones – das war etwas ganz anderes. Der Tenor: "Greenspan wird es auf keinen Fall zulassen, dass wir einen wirklichen Bärenmarkt oder eine ernsthafte Rezession bekommen." War das nicht der eigentliche Deal, den man mit der Zentralbank hatte? Die Amerikaner ließen ihren Bankern gern ihre fetten Gewinne, dicken Limousinen und Vorstandsetagen ... selbst einen begrenzten Währungszerfall würden sie zulassen. Im Gegenzug konnte man sich jedoch auf die Steuerung der Wirtschaft durch die Fed voll verlassen. Niemand brauchte sich um einen ernsthaften Niedergang Sorgen zu machen. Genau deshalb ist die Sparquote in den USA so niedrig. Niemand muss für regnerische Tage vorsorgen – weil es ganz einfach nie regnet!
"Tatsächlich haben der Kapitalismus und seine Wirtschaftswissenschaftler mit der Öffentlichkeit eine Übereinkunft getroffen", schrieb Paul Krugmann in der New York Times. "Gegen das Spiel der freien Marktkräfte ist nichts mehr einzuwenden, denn wir wissen heute genug, um eine weitere 'Weltwirtschaftskrise' zu vermeiden."
Damit waren plötzlich alle müden Augen auf Alan Greenspan gerichtet. Nicht nur in den USA, sondern rund um den Globus. Der Kopf aller Zentralbankköpfe sollte nun nicht nur die amerikanischen Investoren retten, sondern gleich die ganze Welt. Jeder rund um den Globus wusste inzwischen, dass die Vereinigten Staaten der "Wachstumsmotor" der Weltwirtschaft geworden waren. Und dass die Amerikaner die besten Konsumenten sind – allzeit bereit zu kaufen, was sie nicht brauchen, und das dann auch noch mit Geld zu bezahlen, das sie nicht haben. Und trotz all des Schadens, der an der Nasdaq entstanden war, galt immer noch der Konsens, dass Greenspan in seinem Instrumentenkasten das hatte, was notwendig wäre, um die amerikanische Reichtums-Maschine wieder auf Touren zu bringen.
Die Anleger kaufen im Jahr 2000 Dow-Aktien, im Vertrauen darauf, dass Greenspan keinen Kursverfall zulassen würde. Er würde die Kurse oben halten, weil fallende Aktienkurse dazu führen, dass sich die Menschen ärmer fühlen. Ärmere Amerikaner, die weniger kaufen, wären eine Bedrohung für die gesamte Weltwirtschaft.