Greenspan, Globalisierung und Friedrich Hayek
unserem Korrespondenten Addison Wiggin in Paris in Investors Daily
vom 15. Januar 2004 18:00 Uhr
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Der Mann ist ein Rätsel, eine Enigma ... ein lebender Widerspruch. Lassen Sie mich damit beginnen: "Globalisierung", versicherte Alan Greenspan vorgestern vor der Bundesbank, "hat die wirtschaftlichen Gerüste sowohl der entwickelten als auch der unterwickelten Nationen auf viele Wege verändert, die schwierig sind, voll zu verstehen."
Ich könnte nicht mehr zustimmen. Wir haben ja hier unser eigenes Globalisierungsprojekt. Bill Bonner wird gerade von einem Redakteur der South China Morning Post interviewt ... ich bekomme Nachrichten aus London und Chicago ... und versuche ein Fax aus Zürich zu erhalten. Ich versuche, die französische Version des von Bill Bonner und mir geschriebenen Buches auf den Markt zu bringen (die deutsche Version braucht noch ein wenig). Wie das alles soweit gekommen ist – nun, das ist schwierig, voll zu verstehen.
Aber bei uns geht es nur um einen Newsletter. Wie muss das sein, wenn man die Zinsen für die Währung festlegt, in der die Mehrheit der Welt ihre internationalen Geschäfte abwickelt? (Zumindest derzeit) Ich muss zugeben, dass ich absolut keine Ahnung habe. Und diesen Job würde ich nicht übernehmen wollen.
Der Volkswirt und Philosoph Friedrich Hayek zeigte, dass es für jeden einzelnen Menschen unmöglich war, genug akkurate Informationen zu sammeln, um eine definitive Entscheidung über den Preis eines gegebenen Produktes machen zu können. Wenn man zum Beispiel den Preis von Brot bestimmen will, dann ist es besser, den Markt die Kosten von Getreide, die Arbeitskosten des Bäckers etc. berücksichtigen zu lassen, als das durch ein Komitee im Kreml entscheiden zu lassen. Und Bürokraten können auch nicht genug Informationen zusammentragen, um informierte Entscheidungen über Subventionen und Zölle treffen zu können. Es ist besser, wenn der Markt die festlegt. Die Geschichte hat Hayek bis jetzt bestätigt ...
Greenspan im Eifer eines Messias hat letzten Dienstag vor den Zuhörern der deutschen Bundesbank die Vorteile des freien Marktes dargelegt. Das amerikanische Leistungsbilanzdefizit und der Rückgang des Dollar seien "kein Problem", so Greenspan, so lange die Schokolade-produzierenden Länder in Europa keine protektionistische Gesetzgebung beginnen würden.
Und dennoch bestimmen Greenspan und seine Leute den Preis von Geld – und Geld ist das liquideste Produkt von allen menschlich produzierten Gütern. Greenspan räumt in seiner bekannt umständlichen und meist unverständlichen Weise ein: "Am Ende wird die Begrenzung für die Größe der tolerierbaren amerikanischen Ungleichgewichte auf der globalen Bühne der Widerwillen der Bürger der ausländischen Länder sein, weitere Forderungen gegenüber den US-Bürgern anzuhäufen." Wann wird dieses "Ende" kommen? Greenspan weiß es nicht ... und er denkt auch nicht, dass es unausweichlich ist.