Greenspan contra Bernanke
Axel Retz in DAX Daily
vom 01. März 2007 08:30 Uhr
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser!
Wie hilfreich! Alan Greenspan, bis heute vor einem Jahr Notenbankchef, ließ die Märkte am Montag wissen, dass er sich um den weiteren Verlauf der Konjunktur sorge und für das zweite Halbjahr eine Rezession erwarte. Hmm.
Ben Bernanke, der in Greenspans zu groß getretene Fußstapfen treten und dessen Liquiditätsblasen ausbaden muss, verkündete gestern das Gegenteil: alles ist in bester Ordnung, das Wirtschaftswachstum stabil, die Kursrückgänge übertrieben.
Dass das alles andere als vertrauensbildend ist, steht außer Frage. Der „erfolgreichste" US-Notenbanker aller Zeiten warnt, sein Nachfolger beruhigt. Die Wall Street hat das Signal verstanden und ihre zwischenzeitlich relativ deutliche Kurserholung zum Handelsende wieder reduziert. Tokio und Shanghai wollen heute morgen auch nicht nach oben – das Feuer ist also noch keineswegs erloschen.
Wie geht es weiter? Diese Frage füllt derzeit meinen E-Mail-Ordner. Um es unmissverständlich klarzustellen: Ich weiß es nicht! Niemand weiß es, auch wenn einige so tun, als ob sie es wüssten, und noch viel mehr in einigen Wochen sagen werden, dass sie es gewusst haben.
Nach einem Kursschock wie am Montag ist „alles drin": Der Markt kann sich schnell wieder erholen, sogar neue Topps ansteuern. Oder auch am Beginn eines regelrechten Crashs stehen.
Kursverluste von 200 Punkten im Dow Jones sind schon mal eine Hausnummer, wenn sie an einem einzigen Handelstag anfallen. Wenn sie sich aber, wie am Montag, innerhalb von 30 Sekunden ereignen, sind sie ein klarer Warnschuss. Und wenn die Umsätze dabei höher liegen als an den vier großen Verfallterminen der Futures- und Optionsbörsen, wiegt dieses Warnzeichen doppelt schwer. Zu denken gibt auch, dass die Kurse der großen Investmenthäuser Merrill Lynch, Goldman Sachs und Morgan Stanley in den letzten Handelstagen mit rund zehn Prozent Minus doppelt so stark verloren wie die Wall Street insgesamt.
Und die Wirtschaftsdaten? Sie bleiben schlecht. Gute Zahlen, wie das Bruttoinlandsprodukt des 4. Quartals, werden wieder nach unten korrigiert, der Einkaufsmanager-Index gibt weiter nach. Und der Immobilienmarkt, den Ben Bernanke ja bereits in einer „Bodenbildung sah?
Er fällt nicht nur weiter, er stürzt in sich zusammen. So gingen die Neubauverkäufe nach den gestern veröffentlichten Daten im Januar gegenüber dem Vormonat um 16,6 Prozent zurück, was das stärkste Minus seit 13 Jahren bedeutete.
Eine stabile Wirtschaft sieht anders aus. Und sollten die Anleger zu der Überzeugung gelangen, dass nun nach dem Präsidenten auch ihrem Notenbankchef der Realitätssinn verlustig gegangen ist, wäre das fatal.
Nein, wir sind noch nicht unten!