Gossen und die Auflösung des Wertparadoxons II
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 9. August 2010, 20:00 Uhr
ENL5462
In unserem Haushaltsnutzenmaximum (also in optimaler Nutzung) hätten wir 1 Diamantsplitter, 2 Stück Kuchen und 2 Glas Wasser gekauft. Hierbei wäre der Grenznutzen der einzelnen Güter, gewichtet am Preis, bei 5 jeweils gleich. Der Grenznutzen der letzten von uns verbrauchten Einheit Diamantsplitter (Menge 1), ist also gleich dem Grenznutzen der letzten von uns verbrauchten Einheit Kuchen (Menge 2) und ist gleich dem Grenznutzen der letzten von uns verbrauchten Einheit Wasser (Menge 2).
An diesem Punkt könnte man also sagen, die Güter unterscheiden sich im Grunde nicht. Und an diesem Punkt löst sich das Wertparadoxon auf.
Sehen wir uns das noch einmal genauer an. Was besagt nochmal das klassische Wertparadoxon?
"Nichts ist brauchbarer als Wasser, aber man kann kaum etwas dafür erhalten; man kann fast nichts dafür eintauschen. Dagegen hat ein Diamant kaum einen Gebrauchswert, und doch ist oft eine Menge anderer Güter dafür im Tausch zu haben." (klassisches Wasser-Diamant-Paradoxon)
Der Knackpunkt ist - und ich denke, das wird niemanden ernstlich überraschen -, dass der Wert eines Gutes nicht von seiner Gesamtmenge abhängt, sondern von dem Wert, den wir dem jeweiligen Gut beimessen. Wertbestimmend ist der Nutzen der letzten Einheit.
Oder, wie es Leser KH so treffend formuliert:
Diese Wertezuteilung von Wasser und Diamanten kann sich sehr schnell ins Gegenteil verkehren. Stellen Sie sich vor Sie sind in der Wüste am verdursten. Wem würden Sie den Vorzug geben dem Wasser oder dem Diamanten? Also Wasser hätte in dieser Situation des Überlebens die viel größere Bedeutung. Anderes Beispiel wäre Gesundheit gegen Diamanten. Diese können sie eben nicht kaufen.
Mit freundlichen Grüßen
Vielen Dank!
Leser KH spricht hier gerade den Knackpunkt an. Kurz vorm Verdursten in der Wüste ist uns ein Diamant vermutlich ziemlich egal, während wir einem Glas Wasser einen ungeheuren Wert beimessen. Wir würden vermutlich sofort die britischen Kronjuwelen gegen ein Glas Wasser eintauschen. Es kommt also nicht mehr darauf an, dass Diamanten generell selten sind, sondern dass 1 Glas Wasser in dieser Situation einen höheren Wert für uns hat und damit einen höheren Nutzen erfüllt, als 1 Sack voll Diamanten.
Eigentlich beschreibt Gossen also nichts weiter als gesunden Menschenverstand, löst aber, nichts desto trotz, als erster das Wertparadoxon mit Hilfe mathematischer Formeln auf, indem er deutlich macht, dass Tausch- und Gebrauchswert (z.B. Diamanten gegen Wasser) sich nicht unterscheiden. Dabei kommt es nicht auf die Menge an, sondern auf den individuellen Grenznutzen. Der Wert, den wir einem Gut beimessen, hängt also von dem bestimmbaren Nutzen der letzten Einheit ab.
Damit hat Gossen also, durch die Auflösung des Wertparadoxons, die Theorien revolutioniert.
Allerdings - und das muss ich jetzt ganz offen so sagen - gibt's hierbei natürlich ein Problem. Das Problem besteht zwar nun nicht mehr darin, den Wert eines Gutes zu bestimmen, denn dieser hängt von den Nutzenvorstellungen eines Individuums ab. Das Problem besteht - meiner Meinung nach - nun viel eher darin, diese Nutzenvorstellungen objektiv zu messen. Vor allem wenn man das Ganze dann auf den Markt übertragen will, wo es immer verschiedene Wahrheiten, Meinungen oder Vorstellungen gibt. Mit dieser Überlegung möchte ich mich in der kommenden Ausgabe noch beschäftigen...
So long liebe Leser...so viel mal für heute zu Gossen und der Auflösung des Wertparadoxons....morgen geht's dann weiter...ich verabschiede mich damit für heute und wünsche Ihnen noch einen schönen Abend...liebe Grüße und bis morgen
Ihre Miriam Kraus
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