Gossen und das Wertparadoxon
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 4. August 2010, 20:00 Uhr
ENL5462
heute geht's, wie versprochen, mit unserer Wirtschaftstheorien-Reihe weiter. Und zwar mit Hermann Heinrich Gossen, seinen Gesetzen und dem Wertparadoxon.
Sie erinnern sich: ich hatte Ihnen geschrieben, dass Gossens Theorien deshalb als so revolutionär galten, weil es ihm gelang mit mathematischen Methoden, seine Theorie vom Grenznutzen zu belegen und dabei das klassische Wertparadoxon aufzulösen.
Wir haben uns in den letzten Ausgaben zu diesem Thema die Funktionen (Nutzen- und Grenznutzenfunktion) angesehen, also mathematisch/grafisch betrachtet, was das 1.Gossensche Gesetz aussagt. Noch mal zur Erinnerung:
"Die Größe eines und desselben Genusses nimmt, wenn wir mit der Bereitung des Genusses ununterbrochen fortfahren, fortwährend ab, bis zuletzt Sättigung eintritt." (also 1.Stück Kuchen noch lecker, 2. auch gut, 3. schon nicht mehr so, beim 4. werden wir langsam unpässlich).
Um aber zu verstehen, wie es Gossen wirklich gelang das Wertparadoxon aufzulösen, müssen wir uns zunächst noch einmal das 2.Gossensche Gesetz näher ansehen.
Ich wiederhole:
Auch Grenznutzenausgleichsgesetz.
"Der Mensch, dem die Wahl zwischen mehren Genüssen frei steht, dessen Zeit aber nicht ausreicht, alle vollaus sich zu bereiten, muß, wie verschieden auch die absolute Größe der einzelnen Genüsse sein mag, um die Summe seines Genusses zum Größten zu bringen, bevor er auch nur den größten sich vollaus bereitet, sie alle theilweise bereiten, und zwar in einem solchen Verhältniß, daß die Größe eines jeden Genusses in dem Augenblick, in welchem seine Bereitung abgebrochen wird, bei allen noch die gleiche bleibt. Es folgt dieses aus dem Gesetz der Abnahme der Genüsse..." (Hermann Heinrich Gossen; Entwicklung der Gesetze des menschlichen Verkehrs und der daraus fließenden Regeln für menschliches Handeln; 1854)
Ich hatte dazu geschrieben:
Was heißt das? Das heißt, man verteilt sein Einkommen natürlich auf eine Vielzahl von Konsumgütern (oder Genüssen) [schließlich isst niemand nur Kuchen, man trinkt auch Wasser] und versucht dabei den höchsten Gesamtnutzen zu erzielen. Dieser ergibt sich, wenn der Grenznutzen der Güter übereinstimmt. Man könnte auch sagen: der Nutzen der letzten Einheit Kuchen, ist gleich dem Nutzen der letzten Einheit Wasser, ist gleich dem Nutzen der letzten Einheit Diamant.
Das heißt in unsere Überlegungen müssen wir natürlich auch den jeweiligen Preis der einzelnen Güter mit einbeziehen. Also: der Nutzen, den die, für die letzte Einheit Kuchen, genutzte Geldeinheit erbringt, sollte gleich hoch sein, wie der Nutzen, den die, für die letzte Einheit Wasser, genutzte Geldeinheit erbringt.
Alles klar?
Schauen wir uns das Ganze anhand eines Beispiels an:
Nehmen wir an, wir haben 20 Euro zur Verfügung und wollen
-
Diamanten (1 Diamantsplitter kostet 10 Euro)
-
Kuchen (1 Stück Kuchen kostet 4 Euro)
-
Wasser (1 Glas Wasser kostet 1 Euro)
kaufen!
Nun nehmen wir mal folgende Grenznutzen für die einzelnen Güter an (ich habe diese Grenznutzen einfach mal frei gewählt):
| Menge | Diamantsplitter (D) Grenznutzen (GD) | Kuchen (K) Grenznutzen (GK) | Wasser (W) Grenznutzen (GW) |
| 1 | 50 | 24 | 10 |
| 2 | 45 | 20 | 5 |
| 3 | 35 | 12 | 3 |
| 4 | 2 | 0 | 1 |
Schön, nicht?! Hilft uns nur leider noch nicht weiter, denn wir müssen den Grenznutzen auch in Relation zu den jeweiligen Güterpreisen setzen. Dies tun wir im 2.Teil...
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