Googeln
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 27. November 2006 07:30 Uhr
ENL5462
Oh Google!
Die schwierigste Aufgabe für einen Menschen ist in Würde und Anstand zu leben. Er stellt sich immer vor, dass seine Frau eine Affäre mit dem Klempner hat, dass die Muslime seine Kehle durchschneiden wollen und dass er reich werden kann, ohne etwas dafür zu tun. Und eh man sich versieht, macht er sich selbst zum Narren.
In seinem Privatleben führt das lediglich dazu, dass sich seine Freunde für ihn schämen. Doch im öffentlichen Leben stellt er für jeden eine Gefahr dar. Denn wenn er in den Spiegel sieht, dann er kennt er sich selbst nie als den Mitleid erregenden, dummen Ochsen, der er ist. Tatsächlich sieht er nichts, was einem nicht gefallen könnte. Und er stellt sich vor, dass wenn jeder so wäre wie er – mit seinem Geschmack, seinen Tugenden, seiner politischen Philosophie und seiner Religion – die Welt viel besser wäre. Und dann schließt er sich mit anderen, die unter diesem Wahn leiden, zusammen und sie stellen zusammen, was ihnen nicht gefällt und dann erklärt man diesen Dingen den Krieg, und schon wieder ist ein großes öffentliches Spektakel im Gange.
Ende der Woche stiegen die Aktien von Google auf über 500 Dollar.
Und ich dachte, Google sei etwas, was man verkauft, als die Aktien 200 Dollar günstiger waren. Ich erinnere mich noch daran, dass ich mich über die Autoren des Kiplinger’s Magazine lustig machte, weil sie sie noch kauften. Auf mich wirkte es so, als hielte sich dieser Autor ganz einfach an die breite Masse, die hofft, reich zu werden. Ich habe behauptet, dass diese Aktien schon für 250 Dollar überteuert sind. Aber wer zuletzt lacht...
Google ist eines von zwei Untenehmen, deren Namen zu Verben wurden. „Etwas googlen“ hört man heute sehr häufig. In Amerika war es bis vor einigen Jahren zudem üblich, dass man sagte, man „xeroxt“, wenn man etwas kopiert.
Xerox war eine der ganz großen Erfolgsgeschichten – längst vergangener Zeiten. Und das ist das Problem an dieser neuen Technologie. Es gibt immer eine noch neuere Technologie. Und das Wunderkind des heutigen Aktienmarktes wird mit Sicherheit irgendwann aus den Kinderschuhen herauswachsen, alt werden und dann sterben.
Und das ist das Problem mit der alten Technologie des menschlichen Gehirns: Hin und wieder denken die Leute, die Zeit stünde still.
„Ich denke nicht, dass es eine Blase gibt, die kurz vor dem Platzen steht – nicht annähernd“ sagte Benjamin Schachter, ein Analyst von UBS Securities. Schachter geht davon aus, dass sich Google noch lange bei über 500 Dollar halten wird. „Langfristig wird Google auch weiterhin alle Wettbewerber ausbooten. Ich denke es ist eines der wichtigsten Unternehmen auf diesem Planeten.“
Doch sehen wir uns Google einmal an. Ist es wirklich ein Technologieunternehmen? Vielleicht nicht. Es verdient sein Geld mit etwas, was so aussieht wie ein Verlagsunternehmen – für Werbung. Die Leute gehen online und googlen nach etwas. Google weiß, wonach sie suchen. So kann es gezielt werben und die Aufmerksamkeit der Nutzer auf neue Produkte und Dienstleistungen lenken, wenn die Leute am entschlossensten sind zu kaufen – dann, wenn sie suchen.
Die Technologie dahinter ist ein Computerprogramm, das die Suchenden mit dem verbindet, was sie suchen. Ich verstehe nichts davon, aber ich kann mir vorstellen, dass es viele andere, jüngere Leute gibt, die gerade versuchen neuere und bessere Computerprogramme zu entwickeln, die das gleiche können.
Also sollte man sich Google als ein Verlagsunternehmen ansehen. Google hat eine Marktkapitalisierung von etwas mehr als 150 Milliarden, Umsätze von 10 Milliarden und Gewinne von 2,8 Milliarden. Ein sehr schönes Unternehmen ... aber was ist es wert? Wenn Sie die letzten Wachstumsraten in die Zukunft projizieren, dann könnte es 500 Dollar wert sein. Wenn sich die Gewinne verdoppeln ... und noch einmal verdoppeln, dann würde Google für ein vernünftiges Vielfaches des Gewinns getradet. Aber wenn die Gewinne nicht um 300% steigen, dann ist die Aktie überteuert.
Und schlimmer noch. Als Verlagsunternehmen hat Google einen großen Nachteil – es hat keine feste Verbindung mit seinen Lesern. Die Leute halten sich selbst nicht in der gleichen Weise für „Google-Kunden“, mit der sie sich oft mit einer Tageszeitung, einem Newsletter, einem Magazin oder einer Website identifizieren. Viele Leute sind beispielsweise stolz, weil sie die New York Times lesen (selbst wenn man das nicht glauben mag). Google ist weitestgehend unsichtbar, wie eine Glasscheibe. Das Unternehmen „besitzt“ seine Kunden nicht. Vielmehr werden die Kunden Google verlassen – so wie einst Yahoo – sobald sich etwas Neues auftut, das besser und schneller ist. Dann gehört Google zum alten Eisen.
Es könnte sein, dass das schon passiert. Zwischen dem zweiten und dem dritten Quartal sind die Gewinne von Google um 11% gestiegen ... oder um lediglich zwei Drittel des Gewinnes der gleichen Phase im Vorjahr. Das Gewinnwachstum verlangsamt sich mit anderen Worten. So wie es immer bei neuen Technologieunternehmen passiert. Wenn die Investoren mitbekommen, was vor sich geht ... dann werden sie auch Google den Rücken kehren – und sich in die nächste heiße Sache einkaufen.
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