Goldpreis reagiert auf wichtige Datenveröffentlichung
Andreas Lambrou in Rohstoff Daily zum Thema Goldpreisentwicklung
vom 17. August 2006 20:45 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
vor allem der Goldpreis muss heute einen kräftigen Rückgang um 15 US-Dollar je Unze auf 614 US-Dollar je Unze einstecken.
Der Grund dafür war die Veröffentlichung des World Gold Council, welches jedes Quartal einen Bericht über die Goldnachfrage abgibt.
Sie sollten wissen, dass das 2. Quartal traditionell eine sehr schwache Nachfrage aufweist. Insbesondere der seit letztem Jahr um 47 % gestiegene Goldpreis hat dazu geführt, dass die Goldkäufer im Juweliergeschäft stark zurückhielten. Im 2. Quartal wurden insgesamt 801,6 Tonnen Gold nachgefragt. Das waren 16 % weniger als im Vorjahr.
Das hört sich nach viel an, aber nach den Aussagen des World Gold Councils spielten dabei nicht zuletzt erhebliche Lagerbestandsanpassungen eine sehr grosse Rolle. Schliesslich waren die Preisausschläge beim Gold in diesem Jahr die höchsten seit längerem und kein Produzent traut sich in einer solchen Phase bei den vorherrschenden knappen Margen im Goldhandel einen hohen Lagerbestand zu halten.
Juweliernachfrage sinkt
Die grösste Käufergruppe im Goldmarkt sind die Juweliere. 70 % der Goldnachfrage geht auf das Konto dieser Käuferschicht. Die Juweliernachfrage lag im 2. Quartal 24 % tiefer als im gleichen Vorjahreszeitraum. Insbesondere die Nachfrage im Nahen Osten und hier vor allem Saudi Arabien, welches einen Rückgang um 34 % verzeichnete, litt unter den hohen Goldpreisen. Ein Effekt wurde dabei der schwachen Börsenentwicklung Saudi Arabiens zugeschrieben.
Industrienachfrage konstant
Insbesondere in der Elektronikindustrie wird Gold für Verbindungskontakte eingesetzt. Die Nachfrage lag im 2. Quartal mit 109 Tonnen 2 % unter dem Vorjahresniveau und damit konstant. Die Elektronikbranche fragte mit 73 Tonnen sogar 2 % mehr nach als im Vorjahr.
Investitionsnachfrage steigt
Am stärksten wächst im Goldmarkt zurzeit die Investitionsnachfrage. Darunter fallen Goldbarren, Sammlermünzen und die seit 2003 erstmals eingeführten ETFs, deren Volumen stetig ansteigt. Die Investitionsnachfrage lag im 2. Quartal 2006 mit 129,7 Tonnen um 19 % höher als im Vorjahr.
Interessant fand ich den Nachfrageanstieg bei den Goldinvestitionen in der Türkei um 45 % auf 19,5 Tonnen, nachdem die türkische Lira im 2. Quartal plötzlich abwertete. Aber auch Saudi Arabien und die USA verzeichneten beide einen Anstieg der Investitionsnachfrage um 60 % gegenüber dem Vorjahr. In den USA lag die Investitionsnachfrage mit 9,2 Tonnen unter der Nachfrage der Türkei oder auch in Vietnam mit 15,8 Tonnen. Das schafft enormes Potenzial für die zukünftige Nachfrage.
Sie sehen, die Goldnachfrage hängt sehr stark von dem Vertrauen in das Währungssystem eines Landes ab. Ich hatte schon mehrfach betont, dass Sie keiner der weltweiten Papiergeldwährungen zum aktuellen Zeitpunkt Vertrauen sollten.
Dazu mehr im 2. Teil des heutigen Newsletters.
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