Goldpreis profitiert von Verunsicherung
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Goldpreisentwicklung
vom 12. Februar 2010, 20:00 Uhr
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In der vergangenen Woche konnten die Aktienmärkte überwiegend leicht zulegen. Der DAX schloss die Woche mit einem Plus von 1,2% gegenüber der Vorwoche. Der Nikkei legte um 0,3% zu im Vergleich zur Vorwoche. Der Shanghai Composite Index stieg um 1,6% gegenüber dem Schlusskurs der Vorwoche. Der Dow Jones hingegen notiert aktuell mit 0,1% im Minus gegenüber der Vorwoche.
Diese Entwicklung allerdings sagt nur wenig aus über das Auf und Ab an den Märkten in dieser Woche. Im Fokus der Marktteilnehmer stand und steht nach wie vor das Griechenland-Problem. Zunächst hatten die Andeutungen auf Hilfe von Seiten der europäischen Staaten zur Beruhigung beitragen können. Dann allerdings wurde nichts Konkretes nach dem Treffen der EU-Spitzen vermeldet, was wiederum zu erneut wachsender Skepsis beitrug.
Hier ein Auszug aus meinem Beitrag im Devisen-Monitor von heute Morgen:
"Brüsseler Komödie" heißt es bereits in den Medien! Oder, wie so oft: viel Gerede und nichts Konkretes von Seiten der politischen Entscheider zum Thema Griechenland!
EU-Hinhalte-Taktik führt zu Skepsis
Wie ich am Mittwoch schon schrieb: erst einmal Abwarten, was die EU-Spitzen tatsächlich zu sagen haben werden! Meiner Meinung nach, ist das grundsätzlich sowieso die beste Vorgehensweise, wenn von Seiten der Politik mal wieder etwas angekündigt wurde.
Obwohl...zu sagen hatten sie so einiges, die Europäer! Zum Beispiel, dass eine koordinierte Aktion vonnöten sei, um Griechenland, bei den Bemühungen seine Finanzen unter Kontrolle zu bringen, zu unterstützen (in Anlehnung an Kanzlerin Merkel). Luxemburgs Juncker setzt drastische Maßnahmen voraus (welche, kann niemand so genau beziffern), versichert aber, dass man wisse, welche Instrumente anzuwenden seien, falls die Notwendigkeit bestünde. Frankreichs Sarkozy (ganz optimistisch) freut sich schon über Transparenz und Solidarität.
Nun ja, was das alles heißen soll, weiß keiner, so lange die Finanzminister nächste Woche nicht konkrete Vorschläge beibringen! Doch ich möchte vorwarnen, liebe Finanzminister: die Marktteilnehmer, die sich aktuell wohl fragen was das ganze (entschuldigen Sie den Ausdruck liebe Leser) Geschwafel eigentlich soll, möchten zwar beruhigt werden, doch ein kompletter Bailout-Plan Griechenlands dürfte den Markt andererseits noch viel stärker erschrecken.
So bleibt die Skepsis und auf der anderen Seite wächst die Frage nach dem Warum? Bereits am Mittwoch wunderte ich mich darüber, dass man Griechenland nicht erst einmal die Zeit gibt die Probleme alleine zu lösen. Auf der anderen Seite kann ich mir allerdings auch nicht vorstellen, dass die Euro-Staaten nun voller Freude sofort die Kassen für die Griechen öffnen. (zumindest hoffe ich das). Sollte also die Solidaritäts-Versicherung nur dem Zweck dienen, dem Markt eine Beruhigungspille zu verpassen, so ist das aber gründlich daneben gegangen. Vielmehr keimen nun noch stärkere Bedenken auf, ob Griechenland tatsächlich in der Lage sein wird, seine Finanzen alleine in den Griff zu bekommen. Oder anders ausgedrückt: schummeln die Griechen etwa immer noch? Und was ist mit anderen Staaten und deren finanziellen Problemen, wie Spanien oder Portugal? Wenn man einmal die (NO)- Bailout-Regeln aufweicht, wird man dann noch verhindern können, dass der Reihe nach auch alle anderen Staaten, die gleiche Hilfe einfordern?
Tja, es ist keine einfache Zeit für die EU-Staaten! Auf der einen Seite hatte der Markt zwar Solidaritäts-Bekundungen erwartet, welche zur Beruhigung beitragen sollten, auf der anderen Seite muss man aufpassen, dass man nicht die falschen Geister ruft, welche man am Ende nicht mehr los wird. Ein heikler Spagat!
Zu allem Überfluss stagniert nun auch noch das deutsche Wachstum
Und heute ging es dann auch noch weiter mit den trüben Nachrichten! Unerwarteter Weise stagniert das deutsche BIP-Wachstum im 4.Quartal 2009 bei 0,7%. Italiens Wirtschaft schrumpfte im selben Zeitraum um 0,2% und Spanien berichtet einen Wachstumsrückgang von 0,1%. Das lastet natürlich auf dem Eurozonen-Wachstum, welches ebenfalls einen Rückgang von 0,1% aufweist. Das ist natürlich noch nicht das Ende vom Aufschwung, wirkt aber gerade jetzt sehr düster und wirft auch nicht das allerbeste Licht auf etwaige hehre Rettungsziele!"
Euro weiter deutlich unter Druck
Nach all dem gab es für den Euro zum Ende der Woche hin nur noch einen Weg: den nach unten! EUR/USD fiel am Freitag deutlich unter sein 8-Monats-Tief bis auf 1,3534. Aktuell notiert EUR/USD bei 1,3610. Zur Wochenmitte hatte EUR/USD zuvor noch eine kurze Zwischenerholung bis über 1,38 vollzogen, aufgrund der als positiv aufgenommen Andeutungen bezüglich der Hilfe von Seiten der europäischen Staaten für Griechenland.
Rohstoffe Wochenrückblick: Energie und Metalle
Energie
Die Ölpreise konnten in dieser Woche wieder leicht zulegen, mussten am Freitag allerdings wieder einiges von den Gewinnen des Vortages abgeben.
WTI stieg am Donnerstag bis über 75,50 US-Dollar pro Barrel nachdem die Internationale Energieagentur ihre Nachfrageschätzung für 2010 um 170.000 Barrel pro Tag nach oben revidiert hatte. Die IEA prognostiziert nun Nachfragewachstum von 1,6 Millionen Barrel pro Tag für dieses Jahr. Damit ist sie aber immer noch deutlich optimistischer als die OPEC oder das US-Energieministerium. Die OPEC schätzt ein Nachfragewachstum in Höhe von 0,8 Millionen Barrel pro Tag, das US-Energieministerium prognostiziert einen Nachfrageanstieg von 1,2 Millionen Barrel pro Tag.
Am Freitag gerieten die Ölpreise - wie gesagt - erneut unter Druck aufgrund der USD-Stärke, der anhaltenden Griechenland-Problematik und der Spekulation auf steigende US-Lagerbestände. Die Lagerbestandsdaten für letzte Woche werden in dieser Woche aufgrund der starken Schneefälle in Washington mit 2 Tagen Verspätung vom Energieministerium bekannt gegeben. Der Konsens erwartet einen Anstieg der Rohölbestände in Höhe von 1,6 Millionen Barrel.
WTI zur Lieferung im März notiert aktuell bei 73,48 US-Dollar pro Barrel an der NYMEX.
Brent Crude zur Lieferung im April notiert aktuell bei 72,39 US-Dollar pro Barrel an der ICE Futures Exchange in London.
Metalle
Edelmetalle
Der Goldpreis konnte in dieser Woche wieder zulegen - blieb allerdings nicht unberührt vom Wechselbad der Gefühle an den Märkten.
Zur Wochenmitte hin fiel der Goldpreis - im Angesicht neu aufkeimender Hoffnungen zur Lösung der Griechenland-Problematik - zeitweilig erneut bis unter 1.065 US-Dollar pro Feinunze. Am Donnerstag hingegen - als die Skepsis in Bezug auf eine Lösung der Probleme wieder Einzug hielt - konnte der Goldpreis wieder in Richtung der 1.100 US-Dollar-Marke steigen.
Aktuell notiert der Goldpreis bei 1.087,40 US-Dollar pro Feinunze an der COMEX.
Der London Gold Fix PM wurde heute bei 1.082 US-Dollar pro Feinunze festgesetzt.
Basismetalle
Die Industriemetalle konnten in dieser Woche überraschend deutlich zulegen, was wohl am ehesten auf teilweise positive Konjunkturdaten aus den USA zurückzuführen ist (Einzelhandelsumsätze steigen im Januar zum dritten Mal in den vergangenen 4 Monaten; die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe ist gesunken).
Ansonsten bleibt die fundamentale Ausgangslage unverändert für die Industriemetalle. Nach wie vor weisen steigende Lagerbestände auf ein wachsendes (Über)Angebot hin. Die weltweiten Kupferbestände an den Börsen in Shanghai, London und New York sind beispielsweise mittlerweile auf 759.850 Tonnen gestiegen - das höchste Niveau seit Januar 2004.
Kupfer notiert aktuell bei 3,06 US-Dollar pro Pfund an der COMEX.
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