Goldpreis: Klappt der Break über die 400?
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Goldpreisentwicklung
vom 11. August 2004 12:00 Uhr
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Ich sitze gerade wie auf glühenden Kohlen ... denn als der Goldpreis gestern Abend die Marke von 400 Dollar minimal überschritten hatte, da habe ich den Lesern meines Börsenbriefs "Optionsschein-Profits" einen Gold-Call empfohlen.
Meine Überlegung dabei war Folgende: Wenn der Break über die auch psychologisch wichtige Marke von 400 Dollar geklappt hat, dann wird der Goldpreis schnell bis zum nächsten Widerstand von 410 Dollar laufen. Dieses Potenzial wollte ich ausreizen. Da es sich um relativ bescheidene rund 2,5 % Potenzial handelt, habe ich einen Schein mit Omega (=effektiver Hebel) 15 ausgewählt. So würden sich knapp 30 % Plus erzielen lassen – so meine gestrige Überlegung.
Denktste. Denn heute Morgen fiel der Goldpreis im frühen Handel wieder unter die Marke von 400 Dollar. Und der Schein rutschte damit ins Minus. Eine gefährliche Situation: Denn wenn der Break über die 400 nun tatsächlich nicht geklappt hat, dann droht ein Pullback. Bis in den Bereich der unteren Begrenzung des langfristigen Aufwärtstrends (bei knapp 380 Dollar) oder zumindest bis zur bereits getesteten Parallele dieser Linie, die aktuell bei 387/88 Dollar verläuft. Der Gold-Call würde da übel verbrutzeln, denn das Omega von 15 wirkt sich natürlich auch bei fallenden Kursen aus ...
Nun, jetzt hoffe ich natürlich, dass der Goldpreis möglichst schnell doch noch über die Marke von 400 Dollar springt, um diesen Pullback abzuwenden. Falls das heute nicht passiert oder falls der Goldpreis heute deutlicher unter 395 Dollar fällt, dann ist wohl ein Verkauf besser ... (zum Glück kann ich bei meinem Börsenbrief per Eilmeldung reagieren und muss nicht auf den nächsten Erscheinungstermin warten).
Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: Das ist meine kurzfristige Trading-Einschätzung. Mittel- bis langfristig wird der Goldpreis steigen. Die Marke von 400 Dollar wird durchbrochen werden, wenn nicht in diesem Anlauf, dann im nächsten. Oder erst im über- oder überübernächsten. Aber sie wird fallen.
Warum? Da greife ich natürlich auf die eindeutigen Fundamentals zurück!
Und verweise auf den Dollar. Denn Gold ist gewissermaßen der "Anti-Dollar". Der Goldpreis wird in Dollar angegeben, und wenn der Dollar schwach ist, dann steigt der Goldpreis in Dollar.
Die Rechnung ist einfach: Die Menge an Dollar ist erheblich schneller als die Menge an Gold gestiegen. Fazit: Gold ist relativ knapper geworden, der in Dollar gemessene Goldpreis muss steigen!
Alan Greenspan, der viel gepriesene Vorsitzende der US-Zentralbank (Fed), hat während seiner Amtszeit die amerikanische Geldmenge um 9,5 Billionen (!) Dollar erhöht. Das ist mehr, als alle seine Amtsvorgänger zusammen geschafft haben! Ob das die Leistung ist, wegen der ihn die englische Queen zum Ritter geschlagen hat? Meine Meinung: Das war der größte Fehler Greenspans!
Denn diese gewaltige Geldmengenexplosion wäre nur in Ordnung, wenn auch die Menge der produzierten Güter und Dienstleistungen in vergleichbarem Umfang gestiegen wäre. Das ist sie aber nicht. Denn das amerikanische Bruttoinlandsprodukt liegt heute bei gut 10 Billionen Dollar – alleine der Zuwachs der Geldmenge unter Greenspan hat diese Größe fast erreicht!
Es ist eine logische Konsequenz dieser Entwicklungen, dass der Goldpreis weiter anziehen wird.
Diesen mittel- bis langfristigen Goldpreisanstieg machen Sie am besten mit währungsgesicherten Goldzertifikaten (und NICHT mit Gold-Calls mit Omega 15 wie dem gerade genannten!) mit.
Ein spannendes Thema!
Freundliche Grüße,
Michael Vaupel