Goldpreis holt Luft
unserem Korrespondenten Eric Fry in New York City in Investors Daily zum Thema Goldpreisentwicklung
vom 07. Oktober 2003 18:00 Uhr
ENL5454
Die Zahl der Beschäftigten wächst wieder (irgendwie) ... die Aktien sind vernünftig bewertet ... (verglichen mit dem völlig überteuerten Niveau von Februar 2000) ... und Gold gehört nicht mehr zwingend in jedes vernünftige Depot ... (so lange man sich keine Sorgen wegen den wöchentlichen Angriffen auf die US-Truppen im Irak und den 1 Mrd. Dollar Minus – täglich! – der US-Handelsbilanz und des US-Haushalts macht).
Also ist alles in Ordnung mit der Welt – was der Grund dafür ist, dass der Nasdaq Composite letzte Woche fast 5 % und der S&P 500 über 3 % zulegen konnten. Als die Investoren herbeiströmten, um wieder Aktien zu kaufen, hatten sie wenig Verwendung für andere Vermögensanlagen in ihren Depots. Sie verkauften Anleihen, Dollars, Gold, Goldminenaktien und alles Mögliche, dass nicht an der Nasdaq gehandelt wird.
Hilfreich für diese Rally war die Meldung, dass die US-Volkswirtschaft im September 57.000 Jobs geschaffen haben soll. Allerdings fand ich es etwas bedenklich, dass gleichzeitig die Zahl für die vorigen 12 Monate um 145.000 nach unten korrigiert wurde. Diese 57.000 Zuwachs könnten deshalb auch in folgenden Berichten wegkorrigiert werden – oder nicht.
Netto hat die Wirtschaft damit in den letzten 12 Monaten 88.000 Jobs VERLOREN ... und das ist kein guter Grund, überbewertete Aktien zu kaufen. Aber nichts scheint derzeit den Enthusiasmus für amerikanische Aktien dämpfen zu können ... besonders nicht den für überbewertete Aktien. Und die Aktien von finanziell unter Druck stehenden Unternehmen konnten letzte Woche deutlich mehr zulegen als die Aktien von finanziell gesund dastehenden Gesellschaften.
"Während sich der aktuelle Bullenmarkt seinem ersten Geburtstag nähert, ist sein definierendes Charakteristikum die großartige Performance von normalerweise schlechten Aktien", so Floyd Norris von der New York Times. "Ein Fondsmanager, der ein Jahr in die Zukunft sehen konnte und nur Aktien von Gesellschaften mit dubiosen Finanzen gekauft hätte, wäre jetzt ein großer Star."
Das Fazit von Norris: "Vielleicht ist die Botschaft des Marktes nicht, dass die Wirtschaft zurückkommt, sondern nur die, dass die Spekulanten zurückgekehrt sind."
Die Einschätzung von Norris scheint richtig zu sein. Sehr risikobereite Spekulationen sind wieder in Mode ... keine Zweifel darüber.
Aber in Goldstadt gibt es keine Freude. Sowohl Gold als auch die Goldminenaktien kamen letzte Woche zurück. War das nur eine lange überfällige "Korrektur" des Aufwärtstrends am Goldmarkt, oder war das der "Fingerabdruck" einer ruchlosen Manipulation der Regierung ... oder beides? Oder sage nicht, dass ich eine organisierte Manipulation des Goldmarktes für wahrscheinlich halte ... aber ich bin zu zynisch, um diese komplett ausschließen zu wollen. Wahrscheinlicher ist es meiner Ansicht nach, dass der Goldmarkt einfach unter dem Gewicht der aufgehäuften positiven Erwartungen etwas zusammengesackt ist. Aber was auch immer der genaue Grund (oder die genauen Gründe) war/waren: Der Goldpreis fiel, wie ein vergessener Minenarbeiter in einem aufgegebenen Minenschacht.
Und jetzt, was sollen wir mit dem Goldmarkt tun? Der Dollar ist nicht weniger anfällig als vor einer Woche ... was bedeutet, dass das Gold nicht weniger als vor einer Woche eine Absicherung gegen einen fallenden Dollar ist.
Unweigerlich wird der Goldpreis einen weiteren Anlauf auf die Marke von 400 Dollar pro Feinunze nehmen, aber das exakte Timing dieses Rennens könnte schwierig sein, besonders für Spekulanten, die mit einem Hebel (Optionsscheinen) an die Sache rangehen. Allerdings bleibe ich zuversichtlich, dass geduldige Investoren, die Gold, 1:1 Goldzertifikate und Goldaktien kaufen, dafür belohnt werden – und zwar bevor Alan Greenspan von der Fed weggeht.