Goldmünzen in der Rue Vivienne
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 28. Februar 2003 18:00 Uhr
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Sie wissen ja, dass ich seit einigen Jahren in Frankreich lebe und arbeite. Deshalb kenne ich mich auch etwas in Paris aus. Wenn man in Paris Goldmünzen kaufen will, dann muss man in die "Rue Vivienne" gehen. Das ist die Straße, die von der Börse zum Rotlichtbezirk führt. Man kauft die Goldmünzen dann, indem man sich vor einem kleinen Fenster anstellt und gegen Bargeld die gewünschten Münzen erhält. Man kommt sich vor wie in einem Schnapsladen in einem Ghetto.
Gold zu kaufen ist nicht so leicht wie Aktien zu kaufen. Nachdem der Goldpreis um 25 Dollar zurückgekommen war, hatte ich mich entschlossen, noch mehr Gold zu kaufen. Zu diesem Zeitpunkt war ich gerade in den USA. Aber ein Anruf bei einer amerikanischen Münzgesellschaft blieb unbeantwortet. Eine andere US-Münzgesellschaft informierte mich, dass die Krügerrands (südafrikanische Goldmünze) derzeit knapp seien und deshalb nicht sofort geliefert werden könnten.
Deshalb musste ich die USA enttäuscht und ohne Goldmünzen verlassen. Aber mein Vertrauen in das Gold war bestätigt worden. Es war schließlich noch nie der Fall, dass Aktien "knapp" waren. Wenn man Geld hat, kann man immer Aktien kaufen – bei Goldmünzen ist dies nicht so einfach.
Wenn die Krügerrands weiter knapp bleiben, dann werden die Südafrikaner weiteren herstellen. Aber es ist nicht möglich, diese Münzen "praktisch kostenlos" herzustellen (wie die Fed laut Ben Bernanke Dollar drucken kann). Derzeit kostet ein Krügerrand ca. 364 Dollar (wenn man ihn denn erhält). Da sich in dieser Münze eine Feinunze Gold befindet, liegt alleine schon der Goldwert dieser Münze bei rund 350 Dollar. Bedenken Sie, dass das Prägen und Verteilen der Münze auch Geld kostet.
"Es ist hauptsächlich das Kriegsgerede, das den Goldpreis höher zieht", so ein Report in der Detroit Free Press. Gold wird als letzte Zuflucht der Paranoiden, der Hysterischen und der Desillusionierten gesehen.
Wird der Goldpreis kollabieren, wenn der Irakkrieg schnell und aus Sicht der USA erfolgreich auflaufen wird? Ich weiß es nicht. Aber vorgestern hat die Bush-Administration vom US-Kongress 95 Milliarden Dollar zur Finanzierung des Kriegs beantragt. Das bedeutet, dass das Bundesdefizit auf über 1 Milliarde pro Tag erhöht werden muss. Und dann gibt es ja noch das amerikanische Handelsbilanzdefizit, das auch bei über 1 Milliarde Dollar pro Tag liegt. Woher soll das ganze Geld kommen? Nicht von den Krügerrands. Aber vielleicht wird die Fed dieses Geld einfach drucken ... was sie selbst kaum etwas kosten wird. Aber die Dollar-Investoren werden dafür teuer bezahlen müssen.
Am 10. September 2001 konnte man für 271,50 Dollar eine Unze Gold kaufen. Die Zentralbanken der Welt – also die Institutionen, die eigentlich in die Zukunft schauen sollten – verkauften ihre Goldreserven tonnenweise. Bis Februar 2003 stieg der Goldpreis dann um 100 Dollar. Das müssen sogar Zentralbanker bemerkt haben. 75 % ihrer Reserven sind in Dollar – und verlieren derzeit kräftig an Wert –, während das Gold, das sie verkauft haben, deutlich gestiegen ist. Wie lange wird es noch dauern, bis ich Ben Bernanke, Wim Duisenberg oder den japanischen Zentralbanker Hayami in der Rue Vivienne sehen werde?