Goldman Sachs
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 19. April 2010, 08:30 Uhr
ENL5454
die Meldung, die am Freitag Nachmittag über die Ticker lief und die Märkte teilweise deutlich in den Keller schickte, hat es wirklich in sich. Der Ex-Investmentbank Goldman Sachs wird von der US-Börsenaufsicht SEC Betrugs vorgeworfen. Die Anschuldigung bezieht sich auf einen Vice President. Dieser habe gegenüber Investoren falsche Angaben über wichtige Finanzprodukte im Zusammenhang mit Subprime-Hypotheken gemacht.
Das Erstaunliche an dieser Meldung sind nicht die Betrugsvorwürfe an sich. Diese und andere Vorwürfe gegen Goldman Sachs sind schon länger bekannt. Das Internet ist voll davon. Wenn sich nur ein Bruchteil davon bewahrheiten sollte, dann dürfte diese Bank wohl eher den Status einer kriminellen Vereinigung bekommen als den eines führenden Finanzhauses. Nein, das Erstaunliche ist eher, dass die SEC endlich mal tätig wird bei einem Institut, welches seit langer Zeit exzellente Verbindungen bis in höchste Regierungskreise hat (ein ehemaliger Vorstand war beispielsweise unter George W. Bush US-Finanzminister). Ich gehe davon aus, dass nun auch stichhaltige Beweise vorliegen, sonst würde sich die Börsenaufsicht sicher nicht so weit aus dem Fenster lehnen.
Die Auswirkungen auf die Märkte hängen nun sicher auch vom Ausgang der Angelegenheit ab. Ich gehe davon aus, dass sich die Sache ein bisschen hinzieht und dass am Ende eine Einzelperson als Bauernopfer präsentiert wird. Zumindest war das in vergleichbaren Fällen in der Vergangenheit so. Vielleicht erinnern Sie sich noch an die Betrugsvorwürfe gegen die französische Großbank Societe Generale, wo schließlich nur ein einzelner Händler haftbar gemacht wurde und die geschädigten Anleger auf ihren Verlusten sitzen blieben.
Für die Bankenbranche insgesamt sind solche Vorwürfe natürlich Gift. In der geplatzten Spekulationsblase des neuen Marktes wurde viel Vertrauen (und Vermögen) verspielt. In der immer noch schwelenden Finanzkrise wurde man endgültig zur Lachnummer (wenn es nicht so traurig wäre). Die jüngsten Bemühungen, das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen, erhalten mit solchen Vorfällen wieder einen schweren Rückschlag, obwohl hier Sippenhaft und Verallgemeinerungen sicher nicht angebracht sind. Hoffen wir, dass sich solche Vorfälle nicht häufen und dass die Mehrheit der Finanzinstitute aus ihren Fehlern etwas gelernt hat. Dem aufmerksamen Marktbeobachter kommen da leider einige Zweifel.