Goldman Sachs schürt Crash-Ängste
Cindy Bach in Insider Daily
vom 5. September 2011, 14:30 Uhr
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die US-Investmentbank Goldman Sachs ist bekannt für ihre Aufsehen erregenden Prophezeiungen. Mal wird offiziell in den Medien ein Gerücht gestreut, mal wird die Warnung in ein "geheimes Anschreiben" an die Kunden gepackt. Und manchmal vertritt man öffentlich eine völlig andere Meinung als man sie den eigenen Kunden mitteilt. Das ist wohl nicht nur moralisch verwerflich, sondern u.U. sogar ein Straftatbestand. Aber fangen wir mal von vorne an.
Sie sprechen von Krieg, Crash und Chaos
Im März las ich einen Bericht auf dem unabhängigen Internet-Nachrichtenportal "Propagandafront", welcher den Ex-Goldman Sachs Analyst Charles Nenner zitiert. Der Wirtschaftsprognostiker war im US-Sendeformat "Fox Business" zu Gast gewesen und hatte hier den erstaunten Moderatoren erklärt, dass der Dow Jones Ende 2012 aufgrund eines "großen Krieges" mit weltweiten Auswirkungen auf 5.000 Punkte einbrechen werde. Nenner war früher als technischer Analyst bei Goldman Sachs tätig und ist heute Chef des Charles Nenner Research Center. "Die Firma behauptet, mithilfe eines Computerprogramms, das mit Prognose-Mustern und Sicherheitsanalysen arbeitet, in der Lage zu sein, Markttrends vorherzusagen. Nenner prognostizierte zwei Jahre, bevor es zur Pleite von Lehman Brothers kam, dass es am Aktienmarkt und am Immobilienmarkt zu einem Crash kommen würde", so die Schreiber auf "Propagandafront".
Basierend auf seiner Prognose habe Nenner seinen Kunden empfohlen, den Aktienmarkt komplett zu verlassen. "Ich erklärte meinen Kunden, Rentenfonds, großen Firmen und Hedge Fonds, sie sollen praktisch komplett aus dem Markt raus", so Nenner, der weiter ausführte, dass sich der Zusammenbruch über mehrere Monate hinziehen wird und die Kursverluste beginnen würden, wenn der Dow Jones in den Bereich von 13.000 Punkten gelangt.
Schauen wir mal: Nun, 13.000 Punkte haben wir im Dow Anfang Mai zum knapp 190 Punkte verpasst. Dennoch begann Mitte Juli die große Talfahrt, die bei 10.340 Punkten im Tief endete. In der vergangenen Börsenwoche schloss das US-Börsenbarometer bei 11.240 Punkten. Dürfen wir Herrn Nenner glauben, schafft der Dow in einer kurzen und steilen Gegenbewegung womöglich sogar noch einmal die 13.000-Punkte-Marke, bevor der "ganz große Crash" kommt, oder aber er hat sich knapp verschätzt und wir sind schon mitten drin. Was glauben Sie?
BörseGo: Geheimes "Goldman-Papier" erwartet Crash
Doch es geht noch besser. Denn Charles Nenner scheint sein wohlweißliches Hellseher-Gen bei seinem Weggang von Goldman Sachs zurück gelassen zu haben. Ich hatte quasi vergangene Woche ein Déjà-vu - und zwar als ich folgenden Artikel des Finanzportals BörseGo las: "Berichten des Wall Street Journal zufolge hat Goldman Sachs seinen Hedgefonds-Kunden in einer nicht für die Öffentlichkeit bestimmten Analyse empfohlen, sich aus dem Markt zu verabschieden und Gewinne zu sichern. Der 54-seitige Bericht deutet darauf, dass die Banker eine neue schwere globale Rezession erwarten", so Autor Jens Lüders.
Kerngedanke der Analyse sei, dass Chinas Wachstum als nicht nachhaltig eingestuft werden könne und das bisherige Wachstumstempo deshalb nicht aufrecht zu erhalten sei. Das US-Schuldenproblem sei ungelöst und werde nicht durch die Aufnahme neuer Schulden verringert, sondern immer weiter vergrößert. In der US-Wirtschaft seien die kleinen Firmen von der Krise am stärksten betroffen und diese seien es, welche die meisten Arbeitsplätze schaffen. Eine Wende auf dem Arbeitsmarkt sei daher nicht in Sicht.
In der Süddeutsche Zeitung wurde sogar berichtet: Der Goldman-Investmentbanker Alan Brazil, Verfasser des Pamphlets, rät seinen Kunden: Profit machen könne jetzt, wer auf einen sinkenden Eurokurs wette. Die Gemeinschaftswährung werde fallen, sobald "zusätzliche Stützungszahlungen oder Konjunkturmaßnahmen von europäischen Regierungen verabschiedet werden". Deshalb habe Goldman den Kauf einer Sechs-Monats-Put-Option auf eine Abwertung des Euro gegenüber dem Schweizer Franken empfohlen. In einem offiziellen Report hatte Goldman Sachs den Franken dagegen kürzlich als die am stärksten überbewerte Währung der Welt bezeichnet! Ein gewagtes Spiel, welches die US-Großbank da treibt. Und es bleibt abzuwarten, ob sie es ohne Konsequenzen weiterspielen darf.
Fakt ist aber auch, dass sich die Schlinge um Europa immer enger zieht. Jetzt müssen Politiker bedacht, aber mit Nachdruck handeln. Mit einer Verabschiedung von einem Milliarden-Rettungspaket nach dem anderen ist es nicht getan. Aber das haben wir an dieser Stelle ja schon des Öfteren durchgekaut. Ausgekauter Stoff mit nach wie vor hoher Brisanz. Die Märkte dürften also angespannt bleiben.
Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die neue Woche.
Ihre
Cindy Bach