Goldfieber oder Gold gesund?
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily zum Thema Gold als Geldanlage
vom 07. Dezember 2005 18:00 Uhr
ENL5454
"Das Goldfieber ist wieder ausgebrochen", lautet eine Schlagzeile.
Die Diagnose ist meiner Ansicht nach zu voreilig. Ich habe die Nachrichten überprüft. Ich habe keine Anzeichen für ein "Fieber" gefunden. Auch konnte ich keine Aufregung oder verschwitzte Handflächen ausmachen. Der Puls des Goldmarkts ist stabil. Sein Appetit ist gut. Es sieht so aus, als sei er in guter Verfassung.
Aktuell ist der Goldpreis auf über 510 Dollar je Feinunze gestiegen.
Die zweite Stufe eines Bullenmarktes für Gold ist erreicht. Die Öffentlichkeit hat zwar angefangen, aufmerksam zu werden, aber es geht gerade erst los. Es handelt sich wirklich nicht um ein Fieber. Das können Sie auch selbst überprüfen. Fragen Sie einen Freund oder einen Nachbarn, ob er in der letzten Zeit Gold gekauft hat. Die Reaktion wird vermutlich genauso ausfallen, als hätten sie gefragt, ob er in der letzten Zeit angefangen hat, Canasta zu spielen oder Holzschuhe zu tragen: "Häh?" In manchen Kreisen ist es sehr verbreitet, aber es ist noch kein "mainstream".
Aber auch unter den Leuten, die sich mit Gold befassen, haben die meisten eine falsche Vorstellung. "Alle Rohstoffe steigen", sagen sie, "weil die Nachfrage in Asien so hoch ist."
Ich habe schon so häufig darauf hingewiesen, dass die ökonomische Welt in zwei Teile geteilt ist, dass es den meisten Lesern schon zu den Ohren herauskommt. Im Osten werden die Dinge hergestellt, im Westen werden sie verbraucht. Im Orient verleihen die Leute Geld, im Okzident leihen die Leute Geld. In Asien produzieren sie und sparen, in Amerika wird gekauft und konsumiert. Auf der einen Seite der Welt erzeugen sie gerade eine Deflation ... auf der anderen eine Inflation.
Und immer noch gilt: Alles, was die Asiaten herstellen können, sinkt im Preis. Auch halten sie die Preise und die Löhne überall auf der Welt gering. Aber die Dinge, die sie nicht herstellen können – Energie, Gesundheitsversorgung, Immobilien, Kupfer – steigen im Preis. Und wenn die Fed irgendetwas mit dieser Sache zu tun hat, dann werden die Preise auch noch ein ganzes Stück weiter steigen. Die Geldmenge in Amerika, der Wert M3, stieg in der Woche, die am zweiten November endete, um 42 Milliarden Dollar. Und um nichts anderes geht es bei einer "Währungsinflation". Irgendwann wird es auf höhere Preise hinauslaufen, unvermeidlich. Höhere Preise wofür? Für die unmittelbare Zukunft für all die Dinge, die die Chinesen nicht in Masse produzieren können: Rohstoffe, Energie und Gold.
Da fällt mir eine Grafik der Goldkurve im Vergleich zu den anderen Währungen ins Auge. Und raten Sie einmal: Gold steigt im Vergleich zu allen anderen großen Währungen und im Vergleich zu den wichtigsten Rohstoffen.
Und warum?
Es sagt uns damit, dass hier mehr im Spiel ist, als eine einfache "Inflation". Und ich glaube, ich weiß, was es ist. Alle Regierungen der Welt wollen schwache Währungen und eine milde Inflation. Und alle Spekulanten, darunter auch die Hausbesitzer, sind überzeugt, dass die Zentralbanker sicherstellen werden, dass nichts die momentanen Trends stören wird. Je sicherer sie sind, desto größer sind die Wetten und damit die Risiken, auf die sie sich einlassen. Niemand kann vorhersehen, was passiert, aber die klugen Investoren sichern sich ab. Sie kaufen Gold.
Christopher Woods sagt einen Goldpreis von 3.700 Dollar vor Ende des Jahrzehnts voraus. Er sagt: "Gold ist die Antithese zu einer zunehmend verrückter werdenden Welt der Sicherheiten wie Staatsanleihen, die vorgeben, zu den Schöpfungen des freien Marktes zu gehören, aber nur deswegen zu ihrer heutigen Größe anwachsen konnten, weil alle hinterhältig davon ausgehen, dass die Zentralbanken eine Handvoll der großen Mittelsmänner, die diesen Bereich beherrschen, freikaufen wird, wenn es einmal Probleme gibt.
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