Goldene Zeiten!
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 14. November 2003 18:00 Uhr
ENL5462
Die Aktien steigen ... und auch der Goldpreis steigt. Die Aktienkurse fallen ... und der Goldpreis steigt trotzdem. Der Goldpreis steigt so oder so – und jetzt ist er deutlich über 390 Dollar.
Der Goldpreis hat mein Kaufziel von 350 Dollar schon längst überschritten. Auch mein zweites Kaufziel, von 370 Dollar. Jetzt sieht es so aus, als ob er durch mein drittes Kaufziel –400 Dollar – durchstoßen könnte, bevor ich dieses Kaufziel überhaupt definiert habe. Ich fühle mich wieder wie ein Kind ... das versucht, in der Badewanne ein Stück Seife zu greifen; jedes Mal flutscht die davon.
Nein, es ist nicht einfach, liebe(r) Leser(in). Es gibt soviel "Lärm", den man herausfiltern muss: Kaufen Sie diese Aktie, kaufen Sie jene Aktie ... Unternehmensgewinne ... Bilanzskandale ... die Aktien steigen ... fallen ... Gerüchte um die Fed ... Terrroristenangriffe ... Stimmungsindikatoren ... Labertaschen im Fernsehen ... leere Köpfe in den Editorials der Zeitungen ...
Aber der Goldpreis steigt.
Wir sind hier am Beginn dessen, was meiner Meinung nach ein großer Bullenmarkt beim Gold sein wird – einer der mehrere Jahre lang andauern wird und den Goldpreis über 1.000 Dollar pro Unze hieven wird. Natürlich flüstert mir Gott nicht seine Pläne ins Ohr ... und ich kann auch nicht die News lesen, bevor sie passieren. Es ist keinem Menschen gegeben, die Zukunft zu kennen. Nebenbei gesagt – wenn ich wirklich wissen würde, was der Goldpreis tun wird, dann würde ich meine Zeit nicht damit verschwenden, das Ihnen mitzuteilen. Zumindest nicht umsonst!
Nein, meine Ansicht zum Goldpreis ist nur eine Position mit Mängeln; ich weiß einfach nicht, was ich sonst sagen könnte.
In den letzten 32 Jahren – seit dem Kollaps des Semi-Gold-Standard-Systems von Bretton Woods – ist die Welt mit Dollars überschwemmt worden. Seit der Zeit von Noah hat die Menschheit so eine Flut nicht mehr gesehen. Seit der Ankunft von Alan Greenspan an der Spitze der Fed sind mehr Dollar gedruckt worden als unter allen Fed-Vorsitzenden vor ihm zusammengenommen. Dieses Geld flutete um den Globus herum ... es beflügelte die Volkswirtschaften und es ließ die Investments fast überall grüner werden.
Die Amerikaner hatten eine Kreditkarte ohne Limit. Wenn Ihnen das Geld zum Ausgeben ausging ... dann konnten sie einfach mehr drucken.
Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die USA der größte Gläubiger ... mehr Leute schuldeten den Amerikanern mehr Geld als allen anderen Gläubigern. Bis 1988 hatte sich diese Position der Amerikaner verschlechtert ... in diesem Jahr waren die Amerikaner weder Gläubiger noch Schuldner gegenüber der Welt, sondern ihre Position war ausgeglichen. Aber jetzt schulden sie dem Rest der Welt fast 3 Billionen Dollar ... und die Schulden wachsen (gemessen am Leistungsbilanzdefizit) derzeit mit rund 1 Million Dollar pro Minute.
Innerhalb von 18 Monaten hat sich der Haushaltsüberschuss der US-Regierung in ein Defizit verwandelt – und der Unterschied zwischen dem vorigen Überschuss und dem folgenden Defizit ist so hoch, dass er ungefähr der Hälfte des Marktwertes des gesamten Goldes auf der Welt entspricht! Und es wird damit gerechnet, dass die amerikanische Neuverschuldung im nächsten Jahr genauso hoch wie der gesamte Marktwert aller weltweiten Goldbestände sein wird.
Und die gesamten Schulden der privaten amerikanischen Haushalte sind ungefähr 20 Mal so groß wie der Marktweit des Goldes der Welt. Wir wissen, dass die Amerikaner nie so stark wie jetzt verschuldet waren ... und wir wissen, dass die Welt im Verhältnis dazu nie so wenig Gold wie jetzt hatte.
Ich kann mich nicht erinnern, wie ich diese Rechnung gemacht habe, aber ich habe den Zuwachs der Dollar-Geldmenge mit dem Zuwachs an Gold verglichen. Und dabei entdeckte ich, dass auf jede Feinunze Gold, die aus dem Boden geholt wird, mehr als 6.000 neue Dollar das Licht der Welt erblicken.
Die Leute glauben, dass diese "Erholung" real sei. Aber eine Erholung wovon? Die Rezession war ein Flop – denn die Leute schraubten ihre Ausgaben nie zurück. Die Fed hat die Konsumenten mit mehr Krediten und mehr Dollar überschwemmt ... wodurch diese immer tiefer in den Schuldensumpf gerieten. Aber wo sind die Jobs? Wo die Investitionen? Wieso werden die Reihen von Leuten, die persönlich pleite gehen, immer länger? Warum steht die Zahl der Zwangsversteigerungen auf Rekordhoch?
Da ich die Zukunft nicht voraussehen kann, ist alles möglich. Die Zinsen könnten steigen ... oder fallen. Die Aktien könnten noch überteuerter werden. Inflation? Deflation? Wer weiß? Alles, das ich weiß, ist, dass im Moment auch Gold steigt. Und ich sehe nichts, das diesen Anstieg stoppen wird. Gold wird seinen Tag haben.
Jetzt zu Eric, in New York. Gestern Morgen New Yorker Ortszeit moderierte er übrigens bei CNN den "Market Call" – vielleicht haben Sie da ja zufällig reingeschaut. Ich habe es leider erst jetzt erfahren.
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