Gold wird wieder nachgefragt
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 13. August 2010, 20:00 Uhr
ENL5462
In der vergangenen Woche haben sich die Aktienmärkte schwächer entwickelt. Der DAX schloss die Woche mit einem Minus von 2,4%. Der Nikkei gab im Vergleich zur Vorwoche rund 4% ab. Der Shanghai Composite Index verlor gegenüber dem Schlusskurs der Vorwoche 3,1%. Und der Dow Jones notiert aktuell mit 3,4% im Minus im Wochenvergleich.
Konjunkturdaten
Vorläufig weist die deutsche Außenhandelsbilanz einen Überschuss von 14,1 Mrd. Euro auf im Juni. Der Umsatz im Verarbeitenden Gewerbe stieg im Juni um 10,7%, nach einem Plus von 13% im Vormonat. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts stieg die Inflationsrate im Juli auf 1,2%, nach 0,9% im Vormonat. Die Großhandelsverkaufspreise sind im Juli um 5,3% gewachsen gegenüber dem Vorjahresmonat, nach einem Plus von 5,1% im Vormonat. Am Freitag meldete das Statistische Bundesamt einen deutlichen BIP-Zuwachs von 2,2% im 2.Quartal, nach 0,5% im Vorquartal. Dies ist das stärkste Wachstum im wiedervereinigten Deutschland gegenüber einem Vorquartal.
Wie Eurostat am Freitag berichtete ist auch die europäische Wirtschaft stärker gewachsen. Gegenüber dem Vorjahr ergibt sich für die Eurozone ein Wachstum von 1,7% und für die EU27 ein BIP-Wachstum von ebenfalls 1,7%. Zudem ist die Industrieproduktion der Eurozone im Juni stärker gewachsen. Außerdem schließt die Eurozone ihre Handelsbilanz im Juni mit einem Überschuss von 2,4 Milliarden Euro. Das Defizit der EU27 sank auf 9,6 Milliarden Euro.
In Großbritannien hat sich das Handelsbilanzdefizit im Juni verkleinert. Die Bank of England revidierte dagegen ihre Wachstumsaussichten für das 4. Quartal nach unten.
Aus den USA wurde für das 2.Quartal ein Rückgang der Produktivität um 0,9% gegenüber dem Vorquartal gemeldet. Zudem sind die Lagerbestände im Großhandel gestiegen, die Lohnstückkosten stiegen im Juni um 0,2%. Ferner hat sich das US-Handelsbilanzdefizit im Juni um 18,8 auf 49,9 Milliarden USD ausgeweitet. Dies ist das höchste Passivsaldo seit Oktober 2008. Am Donnerstag meldete das US-Arbeitsministerium eine überraschende Verschlechterung des Arbeitsmarktes. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe stiegen in der Vorwoche um 2.000 auf 484.000. Volkswirte hatten zuvor einen Rückgang prognostiziert. Zudem wurde am Freitag ein Anstieg der US-Verbraucherpreise im Juni ermittelt. Der entsprechende Index stieg um 0,3%. Daneben sind allerdings die Einzelhandelsumsätze im Juli um 0,4% gegenüber dem Vormonat gestiegen. Zudem teilte die Uni Michigan mit, dass sich das Verbrauchervertrauen im August verbessert habe. Der entsprechende Index stieg von 67,8 Punkten auf 69,6 Punkte.
Aus Japan wurde verlautbar, dass sich der japanische Leistungsbilanzüberschuss im Juni von 1,21 Billionen JPY auf 1,05 Billionen reduziert habe. Aus China wurde dagegen ein deutlicher Anstieg des Handelsbilanzüberschusses im Juni 28,7 Milliarden USD gemeldet. Zudem sind die chinesischen Verbraucherpreise im Juli mit beschleunigtem Tempo gewachsen. Die chinesische Industrieproduktion wuchs im Juli mit 13,4%, nach 13,7% im Vormonat. Die chinesischen Einzelhandelsumsätze wuchsen mit 17,9%, nach 18,3% im Vormonat.
FED-Ergebnisse
In dieser Woche gab es wahrscheinlich eines der wichtigsten FOMC-Meetings (das ist der Offenmarktausschuss der US-Notenbank FED) dieses Jahres. Dabei geht es weniger um die Fortsetzung der Nullzinspolitik, als vielmehr um die verhaltenen Aussichten für die US-Wirtschaft. Nicht überraschend hat die FED ihren Leitzins unverändert belassen. Viel interessanter ist dagegen folgendes: die FED wird künftig, das bei Fälligkeit der hypothekenbesicherten Wertpapiere frei werdende Geld, gleich wieder in US-Staatsanleihen investieren. Zunächst wird die FED ausschließlich 2-10-jährige US-Anleihen aufkaufen. Nun geht es hier zwar nicht um Riesensummen (zunächst will die FED in 9 Tranchen bis zum 13.September Staatsanleihen im Wert von 18 Milliarden USD kaufen), außerdem will die FED ihre Bilanz nicht weiter aufblähen, aber das Zeichen, welches sie aussendet ist klar: Pessimismus!
Und genau so reagierte auch der Markt...
Mittlerweile gesellt sich eine Art pessimistischer Stimmung hinzu, da einige Marktteilnehmer der Meinung sind, dass die FED beileibe nicht genug tue und ihre QE-Maßnahmen stärker ausweiten sollte.
Devisen
Zur EUR/USD-Entwicklung lesen Sie bitte folgenden Auszug aus Devisen-Monitor von heute morgen (Freitag 13.08):
Schwarz, weiß oder grau - die Marktteilnehmer wissen's nicht, sie reagieren und erwarten, doch die Skepsis überwiegt!
Alles eine Frage der Interpretation und Erwartungshaltung
Ich würde fast sagen wollen, man könnte die Investoren aktuell in drei Gruppen aufteilen.
Die einen fokussieren sich stärker auf die schwachen US-Daten und gehen davon aus, dass der FED am Ende nichts weiter übrig bleiben wird, als neue QE-Maßnahmen zu ergreifen. Dies sollte dann aber den USD wieder unter Druck setzen.
Die anderen fokussieren sich auf den EU-Raum und picken sich dabei die schwächeren Glieder wie Griechenland und Irland heraus, halten die neuesten positiven Wachstumsdaten aus Deutschland (aber auch Frankreich und Spanien) für die letzten Zuckungen und favorisieren dagegen den Verkauf von Euros.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass es wohl noch eine dritte größere Gruppe gibt, die sich momentan das Ganze einfach erstmal vom Spielfeldrand aus ansieht und erst nach dem Sommer wieder aktiver werden wird. Vielleicht nicht die schlechteste Wahl!
Doch zur Sache...
Reaktionen und Erwartungen
Gestern gab es mal wieder (wenig überraschend) schwache Arbeitsmarktdaten aus den USA. Da die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe aber überraschend!! stark gestiegen sind, erhielten die Rezessionsängste neue Nahrung. Die Reaktionen fielen nun nicht mehr ganz so dramatisch aus, wie noch am Mittwoch (nachdem die FED-Ankündigungen mit großem Pessimismus aufgenommen wurden--> EUR/USD brach von über 1,32 am Dienstag bis auf 1,2828 im Tief ein), aber es reichte dennoch um EUR/USD gestern zeitweilig bis auf ein Tief bei 1,2779 zu schieben.
Heute dann die positive Überraschung aus Deutschland. Das deutsche BIP ist im 2.Quartal um 2,2% gewachsen, gegenüber dem 1.Quartal. Auch Spanien und Frankreich wiesen mit 0,2% und 0,6% immerhin ein Wachstum für das 2.Quartal aus. Die Reaktion: EUR/USD wird heute kurzzeitig über 1,2900 gepuscht.
Doch dann wieder die Besinnung: Die Industrieproduktionszahlen für Deutschland, Frankreich und Spanien sind im Juni nicht so toll ausgefallen und die gesamte Eurozone verbuchte im Juni ein Minus von 0,1% gegenüber dem Vormonat. Die Marktteilnehmer fragen sich nun, ob die guten BIP-Wachstumszahlen nicht leider schon das Ende der Fahnenstange bedeuten. Schwerwiegender sind wohl aber die Erwartungen für die anstehenden US-Daten. Für heute stehen unter anderem die US-Einzelhandelsumsätze und das Verbrauchervertrauen der Uni Michigan zur Veröffentlichung an. Angesichts der langen Reihe an schwachen Daten aus den USA, dürfte hier wohl nicht mit positiven Überraschungen zu rechnen sein.
Folge der Ernüchterung: EUR/USD sackte nach der Spitze bei knapp über 1,29 wieder ab.
Aktuell notiert EUR/USD bei 1,2770.
Rohstoffe Wochenrückblick: Energie und Metalle
Energie
Die Ölpreise mussten in dieser Woche deutlich abgeben und fielen angesichts der pessimistischen Stimmung nach der FED-Ankündigung wieder unter die 80 US-Dollar-Marke. Belastend wirkt neben den schwachen Wachstumsaussichten auch die aktuelle USD-Stärke.
Hingegen hat die Internationale Energieagentur ihre Prognose für die Ölnachfrageentwicklung für 2010 um 2,2% nach oben revidiert. Die Agentur erwartet nun eine Nachfrage in Höhe von 86,6 Millionen Barrel pro Tag und für 2011 einen Anstieg auf 87,9 Millionen Barrel pro Tag.
Aktuell notiert WTI zur Lieferung im September bei 75,34 US-Dollar pro Barrel an der NYMEX.
Brent Crude zur Lieferung im September notiert aktuell bei 75,05 US-Dollar pro Barrel an der ICE Futures Exchange in London.
Metalle
Edelmetalle
Angesichts des vorherrschenden Pessimismus, nachlassender Risikofreude und der Flucht in Sichere Assets finden auch der Goldpreis wieder neue Unterstützung. Dafür spricht auch, dass der weltgrößte Gold ETF SPDR Gold Trust mittlerweile wieder Zuflüsse zu verzeichnen hat.
Dies alles trotz der aktuellen USD-Stärke, die dem Preisanstieg entgegen wirkt.
Der Goldpreis hat die Marke um 1.200 USD pro Unze nun wieder nach oben verlassen und notierte heute kurzzeitig bei 1.218 US-Dollar in der Spitze.
Aktuell notiert der Goldpreis bei 1.214,40 US-Dollar pro Feinunze in New York.
Der Goldpreis in Euro notiert aktuell bei 950,65 Euro pro Feinunze, das entspricht dem höchsten Level seit 4 Wochen.
Basismetalle
Auch die Industriemetallpreise konnten sich dem Abgabedruck seitens der Aktienmärkte, sowie der übrigen Rohstoffmärkte nicht erwehren und mussten angesichts des vorherrschenden Wachstumspessimismus abgeben.
Allerdings bleibt hier ein Augenmerk auf die fundamentalen Rahmenbedingungen gerichtet. So halten sich beispielsweise die Verluste bei Kupfer, wo mit einem globalen Angebotsdefizit zu rechnen ist, im Vergleich in Grenzen.
Kupfer notiert aktuell bei 3,25 US-Dollar pro Pfund an der COMEX.
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- ...doch rechtfertigt sie die starke Preisentwicklung?!
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von H Schneider (13.08. 2010 21:25 Uhr):
Ich vermisse Aussagen zur aktuellen Entwicklung der Preise Seltener Erden.
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