Gold wird uns alle überleben Teil 2
Bill Bonner in Investors Daily
vom 26. Januar 2005 18:00 Uhr
ENL5462
Gestern hatten wir uns damit beschäftigt, was die Weltverbesserer allerorten wirklich umtreibt: Ich kam zu dem Schluss, dass es nicht Barmherzigkeit, sondern Eitelkeit ist. Papiergeld war ohne Frage eine Erfindung der Weltverbesserer. Der Grund, aus dem sie es gegenüber dem Gold bevorzugen, ist exakt derselbe, aus dem Gold das bessere Geld ist: Papiergeld ist bereit, ihren Befehlen zu gehorchen ... und Gold nicht.
Die Weltverbesserer sind nicht an privaten Akten der Güte oder an Innovationen interessiert, welche die Welt wirklich zu einem besseren Ort machen könnten. Statt dessen möchten sie die Welt neu erfinden, indem sie große öffentliche Spektakel aufführen, die lediglich ihrer Eigenliebe schmeicheln. Sie schlagen vor, den Welthunger zu verbannen – ohne eine einzige Steckrübe zu pflanzen. Sie nehmen sich der Sache der "Freiheit" in anderen Ländern an – und zwingen das Spirituosengeschäft um die Ecke, seine Pforten sonntags geschlossen zu halten. Sie bestehen so energisch auf einer besseren Behandlung von Frauen in der islamischen Welt, dass sie darüber vergessen, ihre eigene Ehefrau zu küssen. Wie Alexander der Große starren sie aus dem Fenster auf die große weite Welt und fragen sich, wie sie diese ansprechender machen können, während ihr bester Freund unbeachtet tot neben ihnen zu Boden sinkt.
Gestern brachten die Zeitungen eine wahre Rekordernte von Weltverbesserungsvorschlägen ein. Einige davon, wie die Aufhebung der Armut und die erzwungene Bekehrung zur Demokratie in anderen Ländern, habe ich gestern bereits erwähnt. Auf genau derselben Seite der International Herald Tribune äußerte David Brooks das Anliegen, "Freiheit" und "Reformen" in der ganzen Welt zu verbreiten. Von diesem Tage an, sagt Brooks, und er meint damit den letzten Donnerstag, als Präsident Bush sein Ziel verkündete "die Tyrannei in unserer Welt zu beenden", "könne der Präsident keine guten Beziehungen mehr" zu Diktatoren haben.
Ich weiß ja nicht, welche Luft Herr Brooks atmet, aber ich schlage vor, dass er das Fenster öffnet. Er könnte ein wenig Sauerstoff gebrauchen. Skeptiker werden sagen, dass Herr Brooks unrealistisch ist. Unser Präsident ist bereits Antialkoholiker. Wenn der arme Mann nicht einmal in der Lage wäre, einem Diktator auf die Schulter zu klopfen, dann wäre er in den Internationalen Beziehungen so wertlos wie Woodrow Wilson. Was das Ende weltweiter Tyrannei angeht, könnte Herr Bush genauso gut geloben, schlechten Geschmack zu verbieten oder Hässlichkeit oder den Tod in höchsteigener Gestalt. Was den Zweikampf von Tyrannei und George W. Bush angeht, ist für mich bisher kein eindeutiger Vorteil für eine von beiden Seiten erkennbar. Nach nur vier Jahren in höchsten Regierungsämtern, würde ich mein Geld allerdings nicht auf den Präsidenten setzen. Die Tyrannei verfügt andererseits über Jahrtausende Erfahrung.
Es ist eindeutig nicht Idealismus, der diesen Leitartikler antreibt, sondern es ist Eitelkeit. Wenn Brooks den Präsidenten drängt, der Welt ein neues Gesicht zu zeigen, dann hofft er nur, sein eigenes Gesicht zu sehen. Sein Ideal ist eine Welt, die so vertraut aussieht wie sein eigenes Wohnzimmer, genau so wie er es möchte. Wenn andere Menschen einen anderen Geschmack oder andere Auffassungen haben, dann müssen sie ungebildet sein ... oder böse.
Brooks glaubt: "Es sind die Ideale, auf die es ankommt." Auf private Ideale kommt es tatsächlich an. Ehrlichkeit, Rechtschaffenheit, Ehre, Liebe, Gastfreundschaft, Würde, Sparsamkeit, Fleiß, Selbstdisziplin, Nüchternheit -nein, vergessen Sie diese ruhig – Barmherzigkeit; dies sind die Qualitäten, welche die Welt zu einem schöneren Ort machen. Die Massenideale des Herrn Brooks sind andererseits nur eine Entschuldigung für das eitle Bedürfnis, sich überall einzumischen. Wenn die Fuchsjagd in England verboten oder im Irak eine Wahl abgehalten wird, wird die Welt dann ein besserer Ort sein? Keiner weiß es. Wirklich dahinter steht Eitelkeit, und was die Weltverbesserer so unausstehlich macht ist, dass sie so leicht klein beigeben.
Doch wir können durchaus unsere Lehren daraus ziehen. Papiergeld ist ein praktisches Werkzeug für die Weltverbesserer. Sie benutzen es so, wie Politiker Jobs im öffentlichen Dienst oder Generäle schwere Bomber benutzen, – um ihren eigenen Willen durchzusetzen. Was immer gerade das flache Ideal des jeweiligen Tages ist, es kann für gewöhnlich zu einem bestimmten Preis gekauft werden. Die Armen können ernährt werden und ein ordentliches Obdach erhalten. Die Mittelklasse kann freie medizinische Versorgung und preiswerte Immobiliendarlehen bekommen. Die Oberschicht kann mit Verträgen und Vergünstigungen rechnen. Feinde können aufgebracht, bombardiert und wiederaufgebaut werden. All dies kostet Geld – mehr Geld, als den Weltverbesserern zur Verfügung steht.
Wie also kommen sie an das Geld für diese großartigen neuen Programme ..., diese zauberhaften erstrebenswerten Ideale, ... diese fabelhaften öffentlichen Spektakel? Gold weigert sich rundweg zu kooperieren. Das begründet es noch nicht einmal. Statt dessen bleibt es so stumm und zurückhaltend wie ein Toter vor dem Fernseher. Ganz gleich wie überzeugend die Werbung sein mag, er wird darauf wahrscheinlich nicht eingehen.
Papiergeld braucht andererseits kaum ermutigt zu werden. Werft die Druckerpresse an! Senkt den Leitzinssatz der FED! Lockert die Richtlinien für Währungsreserven und die Standards der Kreditvergabe! Verkauft mehr Staatsanleihen! Setzt noch mehr Papier in die Welt! Papiergeld ist nur zu bereit, sich alles und jedem anzupassen. Es ist wie George W. Bush in höchsteigener Person. Es ist so, als ließe Papiergeld sich auf jede Zeitverschwendung ein und als könne es eine verrückte Idee niemals von einer realistischen unterscheiden.
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