Gold - wird da betrogen?

in Traders Daily zum Thema Gold
vom


Zum Thema "Gold: Betrug mit Wolfram?" schrieb mir Trader´s Daily-Leser Anders W.:

"Ich finde Ihr Antwort etwas feige. Der Fragesteller wollte sicher von Ihnen wissen, wie Sie zu allen Betrugsgerüchten (seit Jahren im Internet) stehen. Vor allem die Aktivitäten von Zentralbanken (Fort Knox++) sind da im Kreuzfeuer."



Meine Antwort:


Wohlan - Feigheit wird mir vorgeworfen. Als ob ich mich vor einer Einschätzung zum Thema "Zentralbanken und Gold" drücken würde, aus Angst (?). Ich sage es direkt: Ich habe da keine Insider-Informationen. Und ich finde: Ohne Informationen ist es manchmal eben einfach besser, mal den Mund zu halten.

Was ich aber sagen bzw. schreiben kann (habe ich bereits und wiederhole es gerne):

Die deutschen Goldreserven sollen bei etwa 270.000 Goldbarren liegen. Und von genau einem einzigen Barren weiß ich, wo er sich befindet.

Details: Die offiziell 3.396 Tonnen Gold (Stand März 2012) an deutschen Goldreserven entsprechen in etwa 270.000 Goldbarren (die klassischen, 12,5 Kilo).

Und was den einzigen Barren betrifft, dessen Aufenthaltsort ich kenne: Das ist der im Geldmuseum der Bundesbank in Frankfurt.

Obwohl - ob der nicht einen Wolframkern hat, das kann ich selbst bei dem nicht sagen.

Der genaue Standort der anderen, ca. 269.999 Goldbarren ist nicht bekannt. Die Bundesbank teilt keine genaue Verteilung mit. Immerhin dies: Bei der Fed in New York sowie im amerikanischen Fort Knox, bei der Bank of England und bei der Banque de France in Paris lagert der größte Teil dieses Goldschatzes (und zwar in dieser Reihenfolge). In der deutschen Zentrale lagert nur ein kleiner Teil.

Der größte Teil der deutschen Goldreserven lagert also bei den ehemaligen Siegermächten des Zweiten Weltkriegs (obwohl man da im Fall von Frankreich natürlich drüber diskutieren könnte, Siegermacht).

Unbehagen habe ich durchaus diesbezüglich, ganz klare Sache. Es wäre mir auf jeden Fall lieber, wenn die deutschen Goldreserven in einem deutschen „Fort Knox" lagern würden. Wäre doch mal eine feine Sache, wenn man hierzulande nicht nur nach einem Endlager für strahlende Abfälle der Atomenergie suchen müsste - sondern nach einem Standort für Tausende Goldbarren.

Ich weiß nicht, ob es Probleme gäbe, wenn Deutschland die Verlegung seiner Goldreserven zurück nach Hause forcieren würde. Rein rechtlich sollte dies kein Problem sein.

Und vielleicht stimmen auch diese Gründe: In den 1950ern und 1960ern wurde ein großer Teil des Goldschatzes aufgebaut. Da gab es das deutsche Wirtschaftswunder, und hohe deutsche Exportüberschüsse. Dadurch gelang es der Bundesrepublik, dass ihr die Goldreserven anderer Nationen übertragen wurden.

Diese Reserven lagerten in New York, und es war wohl praktikabel, die auch dort zu lassen und einfach den Besitz an ihnen zu übertragen. Zudem war Kalter Krieg - und in Frankfurt hätte die Rote Armee ziemlich schnell sein können. Frankfurt am Main - Frankfurt an der Oder, da war sie ja schon.

Nach dem Kalten Krieg führte die Bundesbank betriebswirtschaftliche Gründe an, die gegen eine Verlegung nach Deutschland sprachen. Sicherer Transport, neue Tresore, etc., pp.

Hoffen wir mal, dass das alles so stimmt und seine Richtigkeit hat. Immerhin bestätigte Stern-Redakteur Lorenz Wolf-Doettinchem, dass in New York der Goldschatz wirklich noch physisch vorhanden ist. „Dort schimmern sie (die Goldbarren) schon durch die mit drei Kombinationsschlössern gesicherten Stahlkäfige", schrieb er über einen Besuch im Goldlager der Fed. Ob diese Goldbarren aber Wolframkerne hatten, wird er wohl auch nicht geprüft haben.

Mein Fazit: Zum Thema "Wolfram-Kerne in Goldbarren der Notenbanken" kann ich seriöserweise überhaupt nichts beitragen.

Aber zum Thema "Lagerorte der deutschen Goldreserven" kann ich mir eine Meinung erlauben, denn dazu gibt es Fakten. Und die beUNruhigen mich durchaus, siehe oben.

Mit herzlichem Gruß!

Ihr

Michael Vaupel

Diplom-Volkswirt / M.A.

Chefredakteur Trader´s Daily


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Michael Vaupel
Michael Vaupel

Michael Vaupel ist einer der führenden Rohstoff- und Derivate-Experten. Bereits während seiner Studienzeit hat er als Finanzjournalist und Analyst gearbeitet.

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Kommentar von Hellmut Lempp

Gute Antwort, Herr Vaupel: Ihre Ausführungen über die Goldreserven sind sehr interessant. Auch, was den eventuellen Wolframkern angeht, pflichte ich Ihnen bei: wenn man sich nicht sicher ist, sollte man besser schweigen. Außerdem: müssen wir alles wissen ?? (ich nicht)

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Kommentar von Rainer Seifert

Hallo Herr Vaupel, und nun ist dieser Leser sicher enttäuscht, dass Sie nicht auch noch über hellseherische Fähigkeiten verfügen oder gar beim möglichen Schummeln zugesehen haben. Soviel partielle Ahnungslosgkeit ist eben enttäuschend. Ich denke auch, die nahe Rote Armee war ein Grund für die etwas ferne Aufbewahrung. Aber auch ein gewisses Misstrauen. Man wusste ja nicht so genau, ob Deutschland nicht wieder auf irgend welche dummen Gedanken kommt. (Siehe die "begeisterte Zustimmung" unserer treuen Freunde in London und Paris zur Deutschen Einheit.) Hat sich eigentlich die Bundesregierung mal über die Kosten dieser "Sicherungsverwahrung" geäußert? Da wird wohl über die Jahrzehnte ein hübsches Sümmchen zusammengekommen sein. Bestimmt deutlich mehr, als es Im Inland gekostet hätte. Es wäre schon interessant zu erfahren, was Deutschland jedes Jahr für diese Hilfe unserer Freunde zahlen muss. Freundliche Grüße Rainer Seifert

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