Gold will uns etwas sagen
Bill Bonner in Investors Daily zum Thema Gold als Geldanlage
vom 11. April 2006 18:00 Uhr
ENL5454
"Man kann nicht zweimal in den gleichen Fluss steigen, denn alles fließt", sagte Heraklit, ungefähr 500 vor Christi.
Heraklit wäre wohl überrascht über das Spektakel, das sich in den USA 2006 abspielt. Überall in der imperialistischen Nation behaupten die Leute, dass man im gleichen Wasser zweimal baden kann, und das nicht nur in diesem Jahr, sondern auch im nächsten und in allen Jahren, die darauf noch folgen werden. Sie bestehen darauf zu glauben, dass sich wirklich nichts verändern wird ... und am allerwenigsten kann es schlechter werden. Schließlich – so lautet ihr Argument – haben die amerikanischen Jobs schon immer das meiste Geld gebracht, Amerikas Industrie und Forschung war schon im führend in der Welt, und der amerikanische Dollar war schon immer die Weltreservewährung. Es war schon immer so. Wird es da nicht auch immer so bleiben?
Aber mein Thema diese Woche, wie schon in so vielen Wochen zuvor, ist die Täuschung, die dahinter steckt, wenn man glaubt, dass Wandel – oder Geschichte – zum Stillstand käme, nur weil man sich das gerade wünscht. Mit zwei Milliarden hungrigen Arbeitern in Asien, die sich eifrig um einen Job bemühen, müsste den Amerikanern und den Europäern mittlerweile aufgegangen sein, dass es anderes Wasser ist, dass durch die Flüsse fließt – und das in jeder Sekunde.
Aber Jobs sind nicht das einzige, was heute in Bewegung ist. Andere Dinge ändern sich auch mit immer größerer Geschwindigkeit: Pensionen, Renten, Ersparnisse ... und sogar die Lebenserwartung. Ich vermute, dass die Landschaft in den nächsten Jahrzehnten in verschiedenen Bereichen ganz anders aussehen wird. Ganz egal, ob wir das glauben wollen oder nicht.
Es sieht jedenfalls so aus, als würde Gold daran glauben. Es will mich schon lange warnen. Aber weswegen?
Ein Experte, der in der Financial Times der letzten Woche zitiert wurde, sagt, der Goldvorrat habe sein Maximum bereits überschritten ... genauso wie Öl.
Ja, die Kurve der Minenproduktion flacht ab und wird zurückgehen, sagen die Experten. Es gibt nur eine bestimmte Menge von Gold in der Nähe der Erdoberfläche. Der größte Teil der Erde ist bereits erforscht, seit vielen Jahren hat es keine größeren Funde mehr gegeben. Die tief hängenden Früchte sind geerntet. Außerdem kostet es ein Vermögen, eine Minenoperation durchzuführen. Und das Ergebnis? Der Vorrat an frisch gefördertem Gold wird zurückgehen – genauso wie der Vorrat an Kredit, Bargeld, und an Kapital, das auf Papier basiert, explodieren wird. Vielleicht ist es das, was der Goldmarkt mir sagen möchte. Oder vielleicht ist es auch eine Warnung vor einer Inflation ... oder einer Rezession? Oder vielleicht steht der Dollar wirklich kurz vor seinem Zusammenbruch.
Ich weiß nicht genau, was es mir sagen will, ich spreche nicht die gleiche Sprache, aber ich bin mir dennoch sicher, dass Gold mir etwas zu sagen hat. Und letzte Woche hat das Metall sogar laut geschrieen. Der Preis für die Kontrakte im Juni belief sich auf über 600 Dollar.
Ich habe Gold schon gekauft, da lag es noch unter 300 Dollar und immer noch, als es schon bei 500 Dollar lag. Jedes Mal setzte ich mir ein neues Kaufziel ... und habe gewartet, bis der Preis darunter fiel, ehe ich gekauft habe. Ich fühlte mich klug. Dann stieg der Preis auf über 500 Dollar und ich konnte nicht mehr mithalten. Ich habe auf eine weitere Korrektur gewartet. Der Preis hätte noch einmal auf unter 500 Dollar fallen müssen. Als es nicht dazu kam, habe ich irgendwann den Preis auf 550 Dollar angehoben ... und selbst das war noch zu niedrig angesetzt. Gold wollte einfach nicht mehr fallen.
Und jetzt fühle ich mich dumm. Um einhundert Dollar hat der Goldpreis zugelegt, während ich dagesessen, meinen Tee getrunken und beobachtet habe, wie die führende Wirtschaft der Welt sich degradierte, degenerierte und unterging. Habe ich nicht gewusst, dass der Dollar seinem Untergang geweiht war? Habe ich nicht gewusst, dass Gold steigen musste? Habe ich es nicht wieder und wieder gesagt?
Schon, aber ich weiß immer noch nicht, was Gold mir sagen will. Ich weiß, dass sich bei Gold was bewegt, aber ich wie nicht wie weit oder wie schnell es gehen wird. Das kann ich nur vermuten.
Ich vermute, dass Gold nach vorne blickt und eine Menge Dinge sieht, die es nicht mag: Eine Rezession in Amerika, Zahlungsengpässe, und einen Konjunkturrückgang der Weltwirtschaft. Normalerweise würden die Dinge nicht dazu führen, dass der Goldpreis steigt ... Aber das ist in vielerlei Hinsicht wirklich eine neue Ära. Niemals zuvor waren so viele Leute in Amerika einem Wirtschaftsrückgang so ungeschützt ausgesetzt. Und niemals zuvor befanden sich so viele amerikanische Staatsanleihen in den Händen von Fremden. Ich gehe davon aus, dass der Dollar und die amerikanische Wirtschaft gemeinsam sinken werden – wie die beiden Mundwinkel, wenn der Mund vom Lächeln zum Weinen übergeht.
Aber was soll man wegen Gold jetzt machen? Könnte es sich immer noch auf unter 500 Dollar korrigieren? Oder wird es vorher die 1000 Dollar oder sogar die 2000 Dollar erreicht haben?
Oh, fragen Sie mich doch bitte etwas Leichteres. Ich weiß nicht, wo sich der Preis in den nächsten Wochen und Monaten hinbewegen wird. Aber ich wäre bereit, abzuschätzen, wo er in einem Jahr liegen wird – deutlich höher! Sie können also versuchen, klug Gold zu kaufen – bei den Einbrüchen – und das Risiko eingehen, dass sie sich dumm fühlen, wenn der Markt nicht kooperiert. Oder Sie kaufen Gold einfach. In beiden Fällen gilt: Je mehr sie ansammeln, desto glücklicher werden Sie in einigen Jahren sein.
ähnliche Beiträge:
weitere Ausgaben von
Investors Daily
weitere Artikel dieser Ausgabe:
Freitag, 25. Mai 2012
Donnerstag, 24. Mai 2012
Mittwoch, 23. Mai 2012
alle AusgabenBörsenbrief: Travel Trader
Ihr Börsendienst mit dem globalen Insidernetzwerk
Klicken Sie hier für weitere Informationen zu Börsenbrief: Travel Trader