GOLD versus DOLLAR
Hans Sennholz in Investors Daily
vom 20. März 2003 18:00 Uhr
ENL5462
Überall auf der Welt ist Gold ein begehrenswertes ökonomisches Objekt. Man kann Gold zur Herstellung von Schmuck und Ornamenten nutzen. Gold ist auch ein sehr dehnbares Metall, ideal für jede Menge elektrische und mechanische Produkte. Gold ist ein guter elektrischer Leiter. Es ist dauerhaft und lagerbar, kann leicht versteckt und leicht verschifft werden. Gold ist sehr leicht verkaufbar. Gold könnte der am leichtesten zu verkaufende Rohstoff auf dem Globus sein.
Der Goldpreis wird von den gleichen Faktoren bestimmt, die für alle anderen wirtschaftlichen Güter gelten. Die Individuen bestimmen den Wert eines Gutes abhängig davon, wie viel Spaß und Befriedigung sie durch den Besitzt dieses Gutes erhalten. Die Ökonomen bestimmen den Preis abhängig vom Nutzen und von der Verfügbarkeit. Wie der Preis jedes anderen Gutes ändert sich der Goldpreis bei wechselnden Wahrnehmungen und Situationen.
Man muss dies betonen, besonders gegenüber den Gold-Anhängern, die von einem "ewigen, fixen Wert des Goldes" sprechen. Sie haben offensichtlich nie erfahren, dass grundsätzliche Dinge, die das menschliche Leben erhalten, manchmal jemandem mehr wert sein können als Gold. Ein Verdurstender in der Wüste würde einen Eimer Wasser einem Kilobarren Gold vorziehen.
Das Goldangebot ist groß. Tausende Jahre lang ist Gold aus der Erde geholt und angesammelt worden; sehr wenig ist konsumiert worden oder verloren gegangen. Das existierende Angebot an Münzen, Juwelen und Dekorationen ist erheblich größer als die derzeitige Produktion. Egal, wie viel Gold derzeit in Südafrika oder Russland produziert wird – das sind vernachlässigbare Größen im Vergleich zum derzeitigen individuellen Besitzt weltweit. Dieses Charakteristikum – das Gold von allen anderen Metallen unterscheidet – reduziert das Risiko plötzlicher Angebots- und Preiswechsel. Sogar Silber, das viele ähnliche Charakteristika wie das Gold hat, ist großen Wechseln bei der Produktion und beim Verbrauch unterworfen, die den Wert beeinflussen können.
Die besonderen Charakteristika, die man dem Gold zuschreibt, haben es zum populären Zahlungsmittel gemacht; Gold ist zum Geld der Menschheit geworden. Seit über 2.500 Jahren – vom alten Griechenland bis hin zu den modernen USA – haben Goldmünzen als Geld und als Kalkulationsstandard gedient.
Jahrhunderte lang haben Regierungen eine Art Hassliebe gegenüber dem Gold gehabt. Die meiste Zeit über strebten sie danach, das Gold in ihren Schatzkammern anzuhäufen und den Gebrauch von Gold zu monopolisieren. Zu anderen Zeiten wurde wegen Gold Krieg geführt, und es wurde versucht, den Gebrauch von Gold zu verbieten – mit angedrohten Strafen bis hin zur Todesstrafe. Während der Französischen Revolution starben Hunderte Geschäftsleute unter der Guillotine, weil sie es gewagt hatten, ihre Preise in Gold anzugeben und nach Gold zu fragen. In den USA war es von 1933 bis 1975 ein Verbrechen, Standard-Goldmünzen zu besitzen.
Wir leben in einem Zeitalter, in dem alle Regierungen – egal ob interventionistisch, sozialistisch, demokratisch oder diktatorisch – gleichzeitig auch einen Kommandoposten für die Wirtschaft übernommen haben. Die meisten Regierungen arbeiten durch ihre Zentralbanken, die Geldscheine drucken. 1971 gaben die USA den Goldstandard auf und ließen die wichtigste und stabilste Währung – den US$ – den Platz des Goldes übernehmen. Die Welt hat seitdem keinen Goldstandard mehr, sondern einen Dollarstandard.
Für die US-Regierung war der Dollarstandard der magische Schlüssel zum fröhlichen Geldausgeben und Schuldenmachen. Die US-Zentralbank wurde dadurch von der Pflicht zur Golddeckung der Währung entbunden, und sie war deshalb frei, die Staatsdefizite finanzieren zu können. 1971 lag das US-Haushaltsdefizit bei rund 23 Mrd. Dollar, und der Gesamtschuldenstand des Bundes bei 409,5 Mrd. Dollar.
Seit 1971 hat der Dollar fast 70 % seiner Kaufkraft verloren – und er verliert fast jeden Tag weitere Kaufkraft. Es ist schwierig, die zukünftigen Schulden und Defizite zu prognostizieren, aber es ist wahrscheinlich, dass der Dollar kollabieren wird, wenn die ausländischen Investoren jemals ihr Vertrauen in den Dollar verlieren sollten.
Der Dollarstandard hat es der US-Zentralbank ermöglicht, den Dollar jedes Jahr de facto abzuwerten und den Zuwachs der staatlichen Aufgaben und der staatlichen Ausgaben zu finanzieren. Der Dollar hat seit 1971 70 % seiner Kaufkraft verloren, während die Zahl der Gesetze und Regulierungen wahrscheinlich um einen ähnlichen Prozentsatz gestiegen ist.
Viele Volkswirte sind davon überzeugt, dass das derzeitige System der Haushaltsdefizite und gleichzeitigen Geldmengen- und Kreditexpansion auf Dauer nicht tragbar ist. Sie fordern große Steuererhöhungen oder drastische Ausgabenkürzungen, die es der Fed erlauben würden, ihre Geld-Fabrikation herunterzufahren. Aber diese Volkswirte wissen auch, dass Steuererhöhungen in Zeiten der wirtschaftlichen Stagnation und der steigenden Arbeitslosigkeit die wirtschaftliche Aktivität noch weiter belasten würden. Ausgabenkürzungen würden der Gesamtwirtschaft wahrscheinlich helfen, aber sie wären zweifellos nicht akzeptabel für die Gruppierungen, die von diesen Ausgaben profitieren. Und genau diese Gruppierungen würden dann Staatsausgaben auf Kredit als Patentrezept gegen alle wirtschaftlichen Schwierigkeiten anführen.
Die großen Staatsdefizite könnten auch auf eine andere Weise verringert werden: Die Fed könnte die Geldmenge so erhöhen, dass es zu einem Wiederanstieg der Inflation kommen würde, was die reale Schuldenlast senken würde. Eine 5 %ige Inflation verringert die Kaufkraft der 7 Billionen Dollar Staatsschulden (nur der Bund) um jährlich 350 Milliarden Dollar. Wenn die Inflationsrate auf das Niveau der 1980er steigen würde –12,5 % –, dann würde die Kaufkraft der Staatsschulden um 875 Milliarden Dollar pro Jahr abnehmen. Aber eine solche "Lösung" könnte eine Vertrauenskrise hervorrufen und der Anfang vom Ende des Dollarstandards sein.
Seit Jahrzehnten steht der allmächtige Dollar für Vertrauen und Zuversicht. Er hat den USA in der Welt Ehre, Freunde, Einfluss und Besitz gebracht. Er ist ein Symbol der Macht und des Prestiges. Obwohl wir nicht wissen, was die Zukunft bringen wird, fürchten wir Amerikaner uns davor, dass eines Tages das Ende des Dollarstandards kommen könnte. Hohe Staatsdefizite und eine durch die Fed bewusst hervorgerufene Inflation könnten den Dollar zerstören. Die Defizite könnten die Fed dazu bewegen, immer mehr Dollar zu drucken, was die Vertrauenswürdigkeit des Dollar in den Augen der Welt schwächen würde. Die derzeitige Dollarschwäche gegenüber dem Euro und dem Schweizer Franken ist ein frühes Symptom dieser Erosion.
Keine andere Währung könnte den Platz des Dollar übernehmen. Denn alle Währungen haben den gleichen Geburtsfehler: Sie sind die Schaffung von Politikern, die diese Währungen immer manipulieren können. Was immer man vom Gold halten mag: Es lässt sich nicht manipulieren, und es ist die ganze Zeit seit dem Beginn der Zivilisation als Geld genutzt worden. Gold war im Hintergrund immer da.
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