Gold und Verlustkalkulationen

Jochen Steffens in Investors Daily zum Thema Gold
vom


von Jochen Steffens

Heute schreibt Bill Bonner erneut über Gold und es plagt ihn eine leichte Unsicherheit: Bis wo und wie lange wird die aktuelle Konsolidierung beim Gold weitergehen. Gut, in einem Punkt stimme ich mit ihm völlig überein: Genau kann Ihnen das keiner sagen.


Ich möchte dazu jedoch zwei weitere Punkte anführen. Punkt eins: Gold neigt dazu, immer im ersten Quartal des Jahres Schwäche zu zeigen. Wir befinden uns im ersten Quartal und zwar eher am Ende des ersten Quartals und Gold zeigt Schwäche – prima ... alles in Ordnung.

Punkt zwei: Der Goldpreis ist nicht vergleichbar stark wie der Eurokurs eingebrochen. Das heißt, er zeigt eine relative Stärke gegenüber dem Dollar. Auch wenn das kaum jemand bemerkt, das ist ein sehr hoffnungsvolles Zeichen.

Daraus folgt: Gold hat eine gute Chance, sich bald wieder in den Aufwärtstrend hineinzubewegen, zumindest sein Hoch wieder zu sehen. Doch, ob sich das Edelmetall auch wirklich so verhalten wird ... Einige von Ihnen kennen bereits meinen Leitspruch: Eins an den Börsen ist gewiss: die Ungewissheit.

Wäre ich mir sicher, ich würde mein Vermögen in ein Goldzertifikat mit riesigem Hebel investieren und 2 Jahre abwarten. Daran, dass ich das nicht tue, können Sie erkennen, dass ich mir eben nicht 100 % sicher bin. Das eingesetzte Kapital muss immer im Verhältnis zu dem Chance/Risiko Verhältnis der Investition stehen. Hier liegt eine große Fehlerquelle, die vielen Investoren das Genick gebrochen hat.

Leider neigen wir dazu, uns bei einer Investition nur die Gewinne vorzustellen. "Hey, die Aktie hat ein Gewinnpotential von 30 % ! Schau Sie Dir mal an." Das sind die Sätze, die ich so höre. Selten höre ich: "Schau Dir mal diese Aktie an, die hat nur ein Verlustpotential von 7 %. Das muss man riskieren." Doch genau letztere Sichtweise ist viel gewinnbringender. Wenn Sie nur auf den möglichen Gewinn achten, dann kann Ihnen die Freude auf den Erfolg die Sinne vernebeln. Schauen Sie auf den möglichen Verlust, wird die Spekulation zu einer Investition.

Eine Aktie, die ein gutes Potential hat, mir aber gleichzeitig ein eindeutiges Ausstiegssignal liefert, ist keine Spekulation, sondern eine Investition. Ich weiß, ich kann 7 % verlieren. Ich weiß, wie viel Geld das sein wird. Ich weiß, dass ich eine bestimmte Chance auf einen 25 % Gewinn habe. Wenn ich das kalkuliere, kann ich 3 Mal falsch liegen und habe 21 % (3 Mal 7 %) verloren, dann brauche ich nur einmal richtig zu liegen und verdiene 25 %. Unterm Strich bin ich dann im Plus mit 4 %. Und das, obwohl ich nur eine Trefferquote von 25 % gehabt habe, das heißt 75 % meiner Trades gingen daneben und ich liege noch im Plus!

Wenn ich also damit rechne, dass bei einem 7 % Verlustpotential, die Aktie eine Wahrscheinlichkeit hat, die höher als 25 % ist, mehr als 25 % Gewinn zu machen, dann investiere ich und spekuliere nicht. Denken Sie einmal darüber nach. Das ist meines Erachtens der einzige Punkte, der Börse auf lange Sicht von Roulette unterscheidet (beim kurzfristigen Traden).

Zum Dax: Ich warte auf den Einstieg in eine größere Put-Position oder kleinere Long- Position. Als der Dax intraday die 3980 Punkte unterschritt wurde ich etwas nervös. Doch nur kurz. Es wurde kein Schlusskurs unter dieser Marke gebildet. Bisher haben die Indizes generell noch keine klaren Kauf- oder Verkaufssignale generiert. Der Dax befindet sich immer noch in seinem Korridor zwischen 3980 und 4175 Punkten. Quo vadis Dax? Ich sitze und sehe, analysiere und lausche, in der Hoffnung, das Geheimnis etwas schneller als alle anderen herauszufinden.

Ganz aktuell: Deutsche Bank explodiert heute zur Schlussauktion. Auf Xetra im Hoch bei 77,77 Euro, über 8–9 % im Plus. Das hat natürlich auch den Dax gezogen.

Es gab offenbar ein Gerücht (!), dass ich noch nicht verifizieren konnte: Citigroup soll 90 € je Aktie für die Deutsche Bank bieten. 90 € ist etwas hochgegriffen, meiner Meinung nach.

Ob es sich also nur um ein Gerücht handelt, oder etwas Wahres dahinter steckt ... Morgen dazu mehr!


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