Gold und ein Beispiel für menschliche Dummheit
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Gold als Geldanlage
vom 7. Oktober 2010, 12:00 Uhr
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*** Da ich heute den ganzen Tag unterwegs sein werde, stelle ich heute einen Text meiner letzten Afrika-Reise ein. Ein Beispiel dafür, wie unendlich groß die menschliche Dummheit sein kann. (Nicht mein Einstellen des Textes soll dafür das Beispiel sein, sondern die geschilderte Situation...)
Um welches Land es geht - teile ich Ihnen erst am Ende des Beitrags mit. Vielleicht erraten Sie es ja vorher....
Los geht es:
*** Das tut mir fast schon körperlich weh - wenn ich sehe, wie ein potenziell „blühendes Land" durch Unfähigkeit gegen die Wand gefahren wird, zum Schaden der Bewohner.
Konkret:
Da gibt es ein Land, welches noch vor einigen Jahren nach Südafrika und Ghana der drittgrößte Goldproduzent Afrikas war (und es auf eine jährliche Förderung von 20 bis 30 Tonnen brachte).
In diesem Land besteht die Regelung, dass alle Goldförderer ihr gefördertes Gold nur an die Zentralbank des Landes verkaufen dürfen. Ein direkter Export ist verboten.
Diese Regelung hat durchaus ihre Gründe: Denn durch den Preis, den die Zentralbank zahlt, kann sie bzw. die Regierung sicherstellen, dass ein bestimmter Prozentsatz der Goldförderung dem Staatshaushalt zugute kommt. Ist ja auch Sinn der Sache: Die Bodenschätze eines Landes sollen dem Land, d.h. den Bewohnern, zugute kommen, und nicht internationalen Konzernen.
So weit, so gut. Das funktionierte auch ganz gut...
...doch dann das: Die Zentralbank ließ sich mit dem Bezahlen Zeit. Eigentlich soll es so laufen: Die Goldförderer liefern der Zentralbank das Geld, und spätestens nach 4 Tagen zahlt die Zentralbank den vorher festgelegten Preis aus.
Bei einer Zentralbank sollte man denken, dass man sich auf sie verlassen kann, was angekündigte Zahlungen betrifft. Pustekuchen! (Schönes Wort, nicht?) Die Zentralbank zahlte verspätet oder gar nicht, ließ immer mehr Forderungen der Goldförderer zusammenkommen.
Und jetzt das:
Die Bergwerkskammer dieses Landes vermeldete, dass die Zentralbank überhaupt nicht mehr zahlt. Halten wir fest: Wenn die Goldförderer das von Ihnen geförderte Gold nicht selber exportieren dürfen und im Inland nur an die Zentralbank verkaufen dürfen - diese aber nicht mehr zahlt...
...dann stehen eben diese Goldförderer vor dem „Aus".
Und genau das droht nun, deshalb die fast schon verzweifelt klingende Meldung der Bergwerkskammer.
Nun ist es ja nicht so, dass eine Zentralbank kein Geld hätte. (Sie kann es sich zur Not ja selber drucken!) Die Bergwerkskammer schreibt in ihrer Meldung entsprechend, dass die Zentralbank wohl in der Lage sei, aber „unwillig".
Wenn die Zentralbank an ihrer Vorgehensweise festhält, dürfte dies dazu führen, dass die Goldförderung des Landes auf Null zurückgehen dürfte. Mit entsprechend negativen Folgen für den Staatshaushalt. Und die gesamte Volkswirtschaft.
*** Übrigens könnte sich das auch auf den Goldpreis auswirken: Denn wenn dieses Land nun wirklich komplett wegfällt, was die Goldförderung betrifft - könnte diese Angebotsverknappung durchaus „bullish" für den Goldpreis sein. (Die Explorierung neuer Vorkommen ist dort ohnehin schon eingestellt worden.)
Insbesondere dann, wenn dies zeitlich Hand in Hand gehen sollte mit einem möglichen Produktionsausfall in Südafrika, z.B. wegen Stromausfällen (wie wir es letztes Jahr gesehen hatten).
Mit herzlichem Gruß,
Ihr
Michael Vaupel
Diplom-Volkswirt / M.A.
Chefredakteur Trader´s Daily
P.S.: Das Land, um das es geht, ist Simbabwe
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Walter Hauser (07.10. 2010 13:05 Uhr):
Ja so geht es eben wenn Million von nicht sehr schlauen Menschen die noch an Geister und aehnliches Zeug glauben mit getuerkten Wahlurnen konfrontiert werden. Zimbabwe wird von der fiesesten Art von Gaunern und Verbrechern regiert. Sued Afrika ist dabei aufzuholen.
Antworten - Kommentar von Albert Hibler (07.10. 2010 13:29 Uhr):
Hallo Hr. Vaupel, Ich habe zwischen 1983 und 1987 in Zimbabwe gelebt, das schönste Land in dem Ich jemals gearbeitet habe. Leider haben sich die Zeiten zum Nachteil des Landes geändert. Es gab Zeiten da war Zimbabwe der weltgrößte Tabakexporteur für hochwertigen Tabak. Tabak war immer die größte Deviseneinnahmequelle von Zimbabwe. Durch die Enteignung der Tabakbauern vor einigen Jahren hat Mugabe praktisch den Ast auf dem er saß abgesägt.Es gibt seither praktisch keinen hochwertigen Tabak mehr in Zimbabwe, die Deviseneinnahmen für Tabak sind deshalb eingebrochen. Meine letzten Infos sind das es wg. der Hyperinflation seit 2009 keine eigene Währung (Zimbabwe $) mehr gibt und sich das bisher auch nicht geändert hat. Fast alle Geschäft werden seither in USD abgewickelt sicher auch Goldgeschäfte mit der Reserve Bank of Zimbabwe. Also einfach USD drucken kann die RBZ nicht. Die RBZ wird wohl wirklich zur Zeit keine Devisenreserven mehr haben MFG Albert Hibler
Antworten- Antwort von gwk (07.10. 2010 22:18 Uhr):
Simbabwe(ehemals Rodesien) war eines der wohlhabendsten Länder Afrikas, bis der Clan Mugabes aus Eigennutz das Land total ruiniert hat. Zuerst wurde durch die Enteignung der Plantagen ein fast autarkes Land in Hungersnöte und Vandalismus in einem praktisch rechtsfreiem Raum getrieben. Diese blutgetränkte Diktatur wäre schon längst gescheitert, wenn die industrienationen nicht so scharf auf die relativ billigen Rohstoffe gewesen wären. So ist der Kapitalismus. Demokratie und Menschenrechte im Munde führen, aber auf gute Geschäft selbst mit Massenmördern nicht verzichten. Und immer das gleiche Argument: Ja, wenn wir es nicht machen, sind sofort die anderen da und dann wird es noch schlimmer. So reden sich die Mächtigen immer ihre Vorstellungen schön. gwk
- Antwort von gwk (07.10. 2010 22:18 Uhr):
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