Gold und Afrika
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Gold als Geldanlage
vom 3. Dezember 2009, 12:00 Uhr
ENL5454
*** Gold und Afrika.
Ich bin in der derzeitigen Phase ganz klar ein Goldbulle.
Meine Gründe kennen Sie: In den USA wird eine Politik des leichten Geldes gefahren. Es werden Staatsanleihen mit selbst gedrucktem Geld gekauft, die Dollar-Geldmenge steigt stark. Viel stärker als die Menge an Gütern und Dienstleistungen.
Gold als das „reale Geld" wird damit relativ zur Dollar-Geldmenge knapper und damit tendenziell teurer.
Zudem kaufen Anleger verstärkt physisches Gold als Absicherung gegen eine drohende Inflation. Man konnte sich im Römischen Imperium für eine Feinunze Gold gut neu einkleiden, und das kann man auch heute noch. Und man wird es meiner Einschätzung nach auch noch in 100 Jahren können (sofern dann unsere Erde überhaupt noch existiert).
Dann gibt es Faktoren wie China. Das Reich der Mitte hat über 2.000 Milliarden Dollar Devisenreserven und möchte gerne diversifizieren. Kauft deshalb auch Gold. Ebenso wie Indien, welches 200 Tonnen vom IWF gekauft hat.
Und und und.
Für mich gute Gründe, weiter für Gold bullish zu sein.
Das ist die eine Seite.
*** Und hier die andere Seite:
Bei meiner derzeitigen Recherche vor Ort in Afrika bin ich aber auch auf die „andere Seite" gestoßen. Die Förderung von Gold. Das liegt ja nicht einfach so herum.
Vielmehr muss es mühselig aus dem Gestein gelöst werden. In Afrika geht das oft so: Gestein wird gesprengt, dann offen gelaugt. Giftiges Zyanid löst dabei das Gold vom Gestein. Und da geht es um teilweise nur 3 oder 4 Gramm Gold pro Tonne. Dafür wird das ganze Gestein manchmal unter offenem Himmel, manchmal in geschlossenen Tanks in dieser Zyanidlösung gelaugt.
Es bleiben hochgiftige Schlacke zurück. Und hier gibt es eben nicht so eine Umweltgesetzgebung wie in Mitteleuropa. Stellen Sie sich mal vor, diese hochgiftigen Zyanidlösungen werden gelegentlich einfach in Flüsse geleitet.
Verwüstete Landschaften (wie gesagt, manchmal eine Tonne Gestein für 3 oder 4 Gramm Gold) und vergiftetes Wasser. Das ist die andere Seite.
Und das hat meine Freude am Gold doch arg relativiert!
Nachdenklich,
Ihr Trader´s Daily-Autor
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Ludwig Friedt (03.12. 2009 12:07 Uhr):
Leider ist mir klar, daß der Abbau von Rohstoffen (nicht nur Gold, sondern Öl und speziell Ölsand in Kanada) mit Umweltzerstörung Hand in Hand geht. Aber soll man deshalb auf den Kauf von Gold (gleich in welcher Art!) oder entsprechenden Aktien oder Fonds verzichten? Es sollten speziell die Firmen, welche umweltfreundlichen Abbau von Rohstoffen, gleich welcher Art, propagiert und publiziert werden. Da würde man auch mit dem Kauf noch etwas gutes Tun, nicht nur dem Konto mit steigenden Gewinnen!
Antworten - Kommentar von Lucian Jauch (03.12. 2009 12:22 Uhr):
Wer Gold kauft, sollte sich über den tatsächlichen Preis für das Kettchen oder den Armreif bewusst sein: Millionen Tonnen umgewälzte Erde, verwüstete Landschaften, Milliarden Liter vergiftetes Wasser in Flüssen und Menschen, die in Elend und Krankheit leben oder von ihrem Land vertrieben werden. Wie schwer der teure Glanz wiegt, zeigt die Menge an zumeist hochgiftigem Abfall, der in der Nahrungskette auch auf unserem Teller landet, Boden und Gestein, die nötig sind, um das Gold für nur einen Ehering zu gewinnen: 20 Tonnen!
Antworten - Kommentar von Jörg Kampmann (03.12. 2009 12:27 Uhr):
Gold und Gier ... der Abbau von Gold und die Umweltschäden. Das macht wirklich nachdenklich. Ich habe daher für mich beschlossen: Gold kaufe ich derzeit nicht .. Schöne Feiertage JK
Antworten - Kommentar von Harald Niedergesäß (03.12. 2009 15:06 Uhr):
Sehr geehrter Herr Vaupel, danke, dass Sie es angesprochen haben. Die üblichen Verfahren zur Goldgewinnung, die Cyanidlaugerei und der massive Quecksilbereinsatz zerstören Mensch und Natur nachhaltig. Es ist schon verblüffend, was wir alles unternehmen, um ein Metall aus dem Boden zu holen, dass wir dann wieder (womöglich im Boden) verstecken, damit es uns keiner wegnehmen kann. Außerdem muss man davon ausgehen, dass die Hortung von Gold den gleichen Effekt hat wie die Hortung von Bargeld: Der Wirtschaftskreislauf wird stranguliert, so dass es zum Zusammenbruch des Wirtschaftssystems kommt. Vor 25 Jahren habe ich das Gedankengut von Silvio Gesell kennengelernt. Das Horten von Geld war für ihn eine der Hauptursachen für den Zusammenbruch der Wirtschaft und der Warenströme vor 80 Jahren. Sein Lösungsansatz zum Schutz von Natur und zur Einführung von sicherem Geld ist zwar verblüffend, doch es verwundert, warum seine Beobachtungen und Ansätze so gut wie nicht diskutiert werden. Mit nachdenklichen Grüßen Harald Niedergesäß
Antworten - Kommentar von Hartmut Fischer (03.12. 2009 18:54 Uhr):
Lieber Herr Vaupel, unsere Erde wird in 100 Jahren mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit noch existieren, ob aber unsere "Zivilisation" und unsere Spezies, und wenn, auf was für einer Stufe, das ist die eigentliche Frage. Jedenfalls wird wohl keine der Illusionen von einer friedlichen Menschheit mit hohem Lebenstandard ohne Krieg, Hunger und Unterdrückung in Erfüllung gehen. Dazu ist das Leben selbst von allem Anfang an ein viel zu brutaler Kampf um Ressourcen und der Mensch als abstrahierendes Wesen viel zu unersättlich! (Sieht man ja besonders an unseren gehätschelten Bank(st)ern, die zudem die Fäden des ganzen politischen (Marionetten-)Spiels noch in der Hand haben!) Hartmut Fischer
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ENL5454
- Kommentar von gerhard dollmeier (05.12. 2009 12:55 Uhr):
wie gut dass in zeiten der gier und des casinokapitalismus auch nach- denkliche stimmen bei ihnen zu wort kommen.doch der gewissenskonflikt verstärkt sich-wie sichere ich in einer demnächst zusammenbrechenden finanzwirtschaft mühsam erspartes?? ohne solche schäden mit zu verant- worten.
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